Rollenbilder

10. Juli 2014 21:32; Akt: 10.07.2014 21:32 Print

Warum Mädchen bei Physik aufgeben

von N. Glaus - Ein Video, das zeigt, wie Eltern den Mädchen die Freude an Naturwissenschaften austreiben, ist ein Hit auf Youtube. Auch in der Schweiz fehlts an Studentinnen in Mathe und Physik.

Quelle: Youtube.com/Verizon Wireless
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«Mach dein Kleid nicht schmutzig» oder «lass das doch deinen Bruder machen»: Solche elterlichen Ratschläge können das Leben der Kinder massgeblich beeinflussen – vor allem jenes der Mädchen. Davor warnt ein Youtube-Video, das bereits über drei Millionen Mal angeklickt wurde.

Der Ursprung dieses Kampagnen-Videos bildet laut Storyfilter.com eine Studie der amerikanischen National Science Foundation. Diese zeigt, dass sich fast 70 Prozent aller Mädchen zwar für Wissenschaft und Mathe interessieren – eine grosse Mehrheit entscheidet sich jedoch später für einen Beruf in einem anderen Bereich.

Studierendenzahlen in der Schweiz bestätigen, dass junge Frauen seltener naturwissenschaftliche Studienrichtungen wie Chemie, Physik oder Mathematik wählen. An der Uni Bern betrug der Frauenanteil bei den Geistes- und Sozialwissenschaften im letzten Semester rund 70 Prozent, bei den exakten Wissenschaften hingegen nur 40 Prozent. Auch an der ETH sind die Frauen mit 30 Prozent klar in der Minderheit.

Rollenbilder spielen wichtige Rolle

Daniela Melone, Leiterin der Elternberatung von Pro Juventute, beobachtet, was zum Sinneswandel junger Frauen beitragen kann. Bei kleinen Kindern sei die Neugierde noch uneingeschränkt, alles sei spannend. Später spiele jedoch die Gesellschaft mit ihren Rollenbildern eine massgebliche Rolle. Fragen wie «für was habe ich mich als Frau zu interessieren?» seien prägend für die Identitätsentwicklung.

Wie und ob Eltern eine klassische Mann-Frau-Rollenverteilung vorlebten, beeinflusse das Geschlechterverständnis der Kinder: «Kinder beobachten genau und ahmen diese Rollen nach», so Melone. Um entgegen gesellschaftlicher Normen zu leben, brauche es Stärke und grosses Selbstwertgefühl. Dieses könnten die Eltern fördern, indem sie die Fähigkeiten ihrer Kinder erkennen und sie dabei unterstützten, einen nicht «rollenkonformen» Beruf zu wählen. «Auch Väter können dabei eine wichtige Funktion übernehmen, indem sie mit ihren Mädchen etwa ein Velo flicken oder ein Loch in die Wand bohren.»

«Unterschiede zwischen Mann und Frau sind tabu»

Für den Kinderpsychologen Allan Guggenbühl gibt es noch eine weitere Erklärung für das Phänomen: «Ab einem bestimmten Alter geben Mädchen den Beziehungen mehr Gewicht, das ist unabhängig von ihren Fähigkeiten.» Bei sachlichen, eher technischen Studienrichtungen wie Mathematik kämen diese aber viel weniger zum Zug.

In der Gesellschaft sind solche grundlegenden Unterschiede zwischen Mann und Frau laut Guggenbühl jedoch ein Tabu. «Es ist deshalb wichtig, eine Gesellschaft zu schaffen, in der allen Beteiligten jegliche Möglichkeiten offen stehen, ohne dabei die Differenzen zu verleugnen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 1967 am 10.07.2014 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau mit kind, hund und gummistiefel...

    Ich bin mutter eines bald 15 jährigen und mich nerven die heute jüngeren moderneren mütter die immer meinen, mach dich nicht schmutzig, du bist falsch angezogen für den sandkasten, pass auf die neuen schuhe auf usw..., zieht doch den kindern normale kleider an, mit denen ein kind auch einmal auf den boden sitzen darf! Habt ihr keine waschmaschine zuhause? Bei uns im dorf (bei wollerau) werden sobald es regnet die kinder mit unzähligen autos abgeholt; man hat jeweils den eindruck, dass regen giftig ist...!! Die meisten dieser eltern haben sowieso eine reinigungsfrau zuhause..

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  • Peter Peter am 10.07.2014 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Wieso heisst es immer es braucht mehr Frauen in naturwissenschaftlichen Studiengängen oder in technischen Berufen? Und wieso interessiert es niemanden, dass in Geistes- und Sozialwissenschaften oder in Gesundsheitsberufen das Verhältnis der Geschlechter genau umgekehrt ist? Irgendwie sexistisch, nicht? Am besten zwingen wir Frauen technische Berufe zu lernen. Gut, das wäre dann auch wieder sexistisch. Dann werden halt Männer zu Gesundsheitsberufen gezwungen. Und zur Krönung führen wir noch eine Transgenderquote ein. Meine Güte, lasst doch einfach Alle das lernen und studieren was sie wollen!

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  • schrödigerscat am 11.07.2014 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weibliche ETH Studentin

    Wenn man so die Kommentare liest, dann fühlt man sich als weibliche ETH Studentin etwas alleine - viele weibliche Personen geben hier zu, dass sie schon immer Probleme mit Mathe, ect hatten. Aber das hat rein gar nichts mit dem Geschlecht zu tun meiner Meinung nach. Ich hatte zB meine Schwierigkeiten in Fächern wie Wirtschaft, aber auch nur weil es mich überhaupt nicht interessiert hat. Deshalb würd ich auch meinen, dass es viel mehr mit dem Interesse, als mit dem Geschlecht zu tun hat ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nero am 11.07.2014 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    meine Frau kannst

    meine Kids lernen von ihrer Mutter, wie man Regale aufbaut, Wände streicht, Anlagen verkabelt, lötet, sägt und schweisst - so kommen sie gar nicht erst auf die Idee, Frauen könnten das nicht. Sie sollten nur mal aus ihrer "Huscheli"-Rolle rauskommen und nicht alles die Männer machen lassen. Und ach ja, ein Mannsweib ist sie deswegen gar nicht, sondern einfach noch einen Ticken sexyer als andere.

  • ale wera am 11.07.2014 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Misses

    Ausser den selbsternannten und krampfhaft nach Aufmerksamkeit ringenden GenderspezialistInnen, welche Frauen vorschreiben möchten was sie zu interessieren habe, bringt diese Diskussion Niemandem etwas. Zu allerletzt den Frauen selbst.

  • Canelloni am 11.07.2014 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frau die ein Vorbild sein sollte

    "Madamé" Marie Curie Naja, bis auf die Verstrahlung... Frauen sind im Fachgebiet Mathematik grundsätzlich im Vorteil.

  • Dominik Mathis am 11.07.2014 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Mach dich nicht schmutzig

    Ich weiss ja nicht wie das bei vielen Familien gehandhabt wird, aber ich hatte immer eine sogenannte "Dreckli-Hose" im Schrank. Somit hiess es nie "mach dich nicht schmutzig", sondern "zieh wenigstens die Dreckli-Hosen an". Manchmal kommt es mir vor, als müssten Kinder bereits mit 10 erwachsen sein...

  • Erik Schiegg am 11.07.2014 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Der Gleichberechtigung zuliebe:

    Stattet die Physik endlich mit Bauchgefühl aus. Es ist einfach ungerecht, dass Elektronen keinen Bart haben! Schuld an der Misere des Physikstudiums ist die Gefühlslosigkeit der barbarischen Naturgesetze, ist das für die Physik so schwer zu begreifen? Das liegt sicher daran, dass die Physik ein erbarmungsloser Macho ist: Alice Nichtweiss-Wester hatte also doch Recht: Die Männer sind an allem Schuld!!!