Bluttat in Basel

23. März 2019 17:26; Akt: 23.03.2019 17:26 Print

Haben die Behörden versagt?

von B. Zanni - Eine offenbar psychisch labile Frau tötete einen Buben. Fachpersonen versuchen hinter die Umstände der Schreckenstat zu blicken.

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Auf dem Heimweg von der Schule erstochen: Der 7-jährige Ilias.M. Der 7-jährige Ilias .M.* wurde am Donnerstag auf offener Strasse auf brutale Art und Weise getötet. Der 7-jährige Ilias M. wurde von einer Frau niedergestochen. «Es geht uns ganz schlecht», sagt seine Mutter einen Tag nach der Tat. Emi Salahi hat via Facebbok für Samstag zum Trauermarsch für den getöteten 7-jährigen Ilias .M. aufgerufen. «Ich hatte in den Medien über die schreckliche Tat erfahren und war so erschüttert, dass ich irgendwie helfen wollte», sagt er. Der Marsch soll am Samstag in Basel um 14 Uhr beginnen. «Ich würde gern mit den Teilnehmern vom Schulhaus Gotthelf zum Tatort am St. Galler Ring laufen und dort Kerzen anzünden und Blumen niederlegen», erklärt Salahi. Einen Tag nach der unbegreiflichen Bluttat ist der Tatort am St. Galler-Ring mit Blumen und Trauerbekundungen übersät. Beim St. Galler-Ring in Basel wurde am Donnerstag ein 7-jähriger Bub erstochen. Am Freitagmorgen legen Menschen am Tatort Blumen nieder. Die Trauer um das Opfer eines Messer-Angriffs ist am Morgen nach der Tat gross. Auch Schulkinder trauern um den 7-Jährigen, der von einer 75-jährigen Schweizerin erstochen worden sein soll. Die Trauer um das Opfer eines Messer-Angriffs ist am Morgen nach der Tat gross. Am Freitagmorgen markiert die Polizei vor dem Schulhaus Präsenz. Die 75-jährige Frau hatte sich am Donnerstagabend der Polizei gestellt und angegeben, den Jungen angegriffen zu haben. Bei dem getöteten handelt es sich um einen Kosovo-Albaner. Der Schüler wurde auf offener Strasse getötet. Kurz darauf stellte sich eine 75-Jährige Schweizerin der Polizei. Die Klassenlehrerin fand den Buben, der schwere Verletzungen im Halsbereich aufwies. Die 75-Jährige griff den 7-Jährigen in der Nähe des Gotthelf-Schulhauses an. Der 7-Jährige wurde notfallmässig ins Spital eingeliefert, erlag aber seinen schweren Verletzungen. Die Frau meldete sich bei der Polizei. Am Tatort werden Blumen niedergelegt. Blumen und Kerzen am Tatort. Auch Schulkinder legen Blumen nieder. Weshalb es zur Bluttat kam, ist noch völlig unklar. «Wir sind sehr darauf angewiesen, dass sich Zeugen bei uns melden», sagt die Polizei und die Basler Staatsanwaltschaft.

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Auf offener Strasse tötete eine 75-jährige Frau den Schulbuben I. M.*. Aktuell klärt ein psychiatrisches Gutachten ihre Schuldfähigkeit ab. Recherchen ergaben, dass die Täterin vor einigen Jahren Schulden von über 100’000 Franken und einen Rechtsbeistand hatte. Neben der Trauer um das Opfer steht die Frage im Zentrum, wie es zu einer solchen Tragödie kommen konnte.

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Für den forensischen Psychiater Josef Sachs gibt es aufgrund der vorliegenden Informationen keine Hinweise auf ein Behördenversagen. «Damit eine psychisch gestörte Person eingesperrt wird, muss sie als selbst- oder fremdgefährdend eingestuft werden», sagt Sachs.

Risiko müsse bestehen

Eine solche Massnahme ergreift man laut Sachs zum Beispiel, wenn jemand einen Suizidversuch machte, gegenüber Drittpersonen gefährlich war oder das Risiko von erneuten Gewalthandlungen besteht. «Ist eine Person noch nie durch erhöhte Gewaltbereitschaft aufgefallen, ist ihr Gewaltpotenzial in vielen Fällen schwer absehbar.» Daher gebe es auch keinen Anlass, die Person in einer stationären Einrichtung unterzubringen.

Eine Alzheimer-Demenz als Auslöser für die Tat hält Sachs für wenig wahrscheinlich. «Die häufigsten Demenzen führen zu Verwirrtheit und Vergesslichkeit, was sich kaum in derart gefährliche Straftaten niederschlägt.»Davon zu unterscheiden seien spezielle Formen der Demenz, die Impulskontrollstörungen hervorrufen. «Bei diesen muss man genauer hinschauen, da sie sich unterschiedlich auswirken.» Die Störungen könnten sich durch lästiges Verhalten, aber auch Gewalttätigkeit äussern.

«Jemand könnte zu früh entlassen werden»

Im Sinne des therapeutischen Grundsatzes «Ambulant vor stationär» kam es in den stationären Psychiatrien in den letzten Jahren zu einem Abbau von Betten. Die Sonntagszeitung berichtete 2016, dass die Anzahl der Betten zwischen den Jahren 1999 und 2014 um 12 Prozent reduziert wurde. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Hospitalisierungen, was eine kürzere durchschnittliche Verweildauer zur Folge hatte.

Laut Josef Sachs verleitet der Abbau aber nicht zu weniger stationären Einweisungen. «Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde schert sich nicht um die Anzahl Betten in einer stationären Psychiatrie. Was zählt ist, ob der Patient eine Einweisung nötig hat oder nicht.» Fehler könnten höchstens in der stationären Therapie passieren. «Jemand könnte wegen Platzmangels zu früh entlassen werden.»

«Psychische Störungen werden geprüft»

Kindes- und Erwachsenenschutzexperte Christoph Häfeli macht darauf aufmerksam, dass die Schwelle für eine fürsorgerische Unterbringung heute hoch ist. Früher habe jemand schneller gegen seien Willen untergebracht werden können. «Es ist denkbar, dass der Beistand das fremdgefährdende Potenzial der Täterin sah oder hätte sehen können», sagt Häfeli.

Im Rahmen der Beistandsabklärungen prüft die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde laut Häfeli auch, ob bei der gemeldeten Person eine psychische Störung vorliegt. «Dafür reicht auch, wenn jemand nur wegen Schulden gemeldet wurde», sagt Häfeli. Gebe es Hinweise auf eine Störung, ordne die KESB ein ambulantes Gutachten an. «Verweigert die Person dies, muss die KESB ein stationäres Gutachten anordnen.»

*Name der Redaktion bekannt.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 23.03.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schulden?

    Was haben Schulden damit zu tun? Da müssten wohl mindestens ein Drittel der Bevölkerung untersucht werden.

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  • Dr.med. am 23.03.2019 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer geht nimmer..

    Hab ich da richtig gelesen? Ob bei der gemeldeten Person eine psychische Störung vorliegt, dafür reicht auch, wenn jemand nur wegen Schulden gemeldet wurde. Gebe es Hinweise auf eine Störung, ordne die KESB ein ambulantes Gutachten an. Verweigert die Person dies, muss die KESB ein stationäres Gutachten anordnen. Da müsste der ganze Staat eingebuchtet werden. Der steht mit 192,7 Milliarden Franken in den roten Zahlen...

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  • Juliette S. am 23.03.2019 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also wirklich!

    Es gibt viele Menschen, die Probleme haben und psychisch angeschlagen sind. Sollen wir denn alle einsperren? Man kann nich immer die Behörden beschuldigen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Süssekleinemaus am 24.03.2019 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Entschuldigung

    Mord ist Mord und bleibt Mord. Eine psychische Störung entschuldigt dies nicht.

  • Don Vito Corleone am 24.03.2019 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So wie ich das mitbekommen habe

    hatte sie einen Beistand der nicht tätig wurde nachdem sie untergetaucht und nicht mehr erreichbar war. Klar, macht weniger Arbeit und wenn es tatsächlich so war dann liegt ganz klar Behörden versagen vor. Aber warten wir mal ab wer dazu noch behödenseitig seine Rechtfertigungen abgeben wird?!?!?

  • nadia am 23.03.2019 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Also ich frage mich schon sehr wie eine so kranke Person die sicher schon öfters durch aggressives Verhalten aufgefallen war, frei herumlaufen konnte. Da werden Kinder fremdplaziert ohne Grosseltern zu berücksichtigen und die Kindesmutter bringt sich um etc . Und dann auf der anderen Seite wird nichts gemacht in so einem Fall . Ist sehr fragwürdig . So eine hätte doch auffallen müssen

  • Lydia am 23.03.2019 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kesb

    Man weiss es nicht aber es gibt mir schon zu denken . Die Kesb macht oft ein Theater und viel Druck bei relativ harmlosen Angelegenheiten und mischt sich in Dinge ein die sie nichts angehen . Dann sind solche Fälle schon klar zu prüfen was da ging oder auch nicht . Ist so wie bei den Strafzetteln ..wenn man weiss was ich meine

  • Eni am 23.03.2019 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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    KESB greift an nur dort wo etwas zu holen ist. Alte Frau hat Schulden . Schiben wir auf Seite