Ökobilanz

04. Oktober 2018 05:42; Akt: 04.10.2018 15:47 Print

So viele Steaks können Sie essen, wenn Sie nie fliegen

von Nikolai Thelitz - Ein Ferienflug belastet das Klima stark. 20 Minuten hat nachgerechnet, wie lange man etwa auf Fleisch oder das Auto verzichten müsste, um den CO2-Ausstoss zu kompensieren.

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Viele Schweizer geben sich gern ökologisch: Sie recyclen, wollen ihren Fleischkonsum reduzieren, fahren mit dem Zug statt dem Auto und greifen zur Stofftasche statt zum Plastiksäckli. Auf die Reise nach Bali, San Francisco oder Barcelona wollen viele trotzdem nicht verzichten, und wir fliegen immer mehr: Rund 9000 Kilometer pro Jahr sind wir laut den aktuellsten Zahlen des Bundes von 2015 in der Luft unterwegs – 57 Prozent mehr als noch 2010. Diese Zunahme ruft auch die Politik auf den Plan, linke Volksvertreter fordern etwa eine Steuer auf Flugreisen, die der Umwelt zugutekommen soll.

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Doch kann man mit ökologischem Verhalten seine Flugreise wieder kompensieren? 20 Minuten hat recherchiert, welche Verhaltensweisen wie viel CO2-Emissionen verursachen und wie lange wir auf Fleisch oder das Auto verzichten müssten, um eine Flugreise wieder auszugleichen.

Flugreisen:

Wir haben zwei Destinationen gewählt: einerseits die Malediven als Beispiel einer speziellen, weiten Flugreise, die man sich alle paar Jahre leistet. Andererseits Amsterdam als Städtetrip, den man häufiger unternimmt und den man auch per Zug bewältigen könnte. Ein Economy-Direktflug von Zürich nach Malé und zurück schlägt laut der Plattform Myclimate.ch mit CO2-Emissionen von 2900 Kilogramm pro Kopf zu Buche. Ein Trip nach Amsterdam verursacht einen CO2-Ausstoss von 330 Kilogramm. Eine Zugreise in die niederländische Hauptstadt würde laut der Plattform Ecopassenger einen CO2-Ausstoss von 60,6 Kilogramm verursachen.

Fleischkonsum:

Was, wenn ein Schweizer mit durchschnittlicher Ernährung (1 kg Fleisch pro Woche) ein Jahr vegetarisch lebt? Laut einer Studie des WWF und des Ökobilanz-Spezialisten ESU-Services würde der CO2-Fussabdruck von 1837 auf 1380 kg sinken. Das heisst: Der Vegetarier hätte seinen Amsterdam-Flug nach rund neun Monaten und einer Woche kompensiert, den Malediven-Flug nach etwa sechs Jahren und vier Monaten. Oder umgekehrt: Wer nicht fliegt, und verglichen mit dem Durchschnittsschweizer so etwa 1700 kg CO2 spart, könnte vom Vegetarier zum Fleischliebhaber werden und ganze 938 Steaks à 200 Gramm verdrücken. Die Studie von WWF und ESU-Services berücksichtigt allerdings nicht den Methan-Ausstoss, der vor allem bei Kühen ins Gewicht fällt. Wenn sie also ausschliesslich zum Rindssteak greifen, so reicht die Ersparnis laut einer neuen, im Fachmagazin Science publizierten Studie nur für etwa 65 Steaks.

Pendel-Verhalten:

Im Schnitt sind die Schweizer pro Tag 23,8 Kilometer mit dem Auto unterwegs, wie das Bundesamt für Statistik schreibt. Lässt man das Auto ein Jahr lang stehen und bewältigt die Strecke mit dem Zug, so verringert sich der CO2-Ausstoss dramatisch: Während der durchschnittliche Autofahrer gemäss dem Vergleichsrechner Mobitool 1715 Kilogramm CO2 produziert, sind es beim Zugpendler lediglich 62 Kilogramm CO2. Bus und Tram verbrauchen etwas mehr als der Zug, aber immer noch deutlich weniger als das Auto. Wer also vom Auto auf den Zug umsteigt, hat seinen Amsterdam-Trip innert 73 Tagen kompensiert, die Kompensation der Malediven-Reise würde etwa 1 Jahr und 9 Monate dauern.

Anmerkung der Redaktion: Nach einem Leser-Hinweis wurde der Abschnitt über den Fleischkonsum mit einer zusätzlichen Studie ergänzt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 04.10.2018 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    co2

    ich würd mal eher auf den co2 ausstoss von kreuzfahrtschiffen blicken!!!!

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  • iBarcelona am 04.10.2018 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Leider ist es so

    Früher waren die Flüge teurer. Fliegen war noch etwas besonderes für die meisten Leute. Heute kann es sich fast jeder leisten zu fliegen. Hebt man die Flugpreise an, das würde das Reisen mit dem Flugzeug wieder einschränken. Dann käme der Aufschrei von Zweiklassengesellschaft und Diskriminierung usw. Wenn es um Bequemlichkeit und sich leisten können geht, ist die Umwelt nicht so wichtig. Leider ist das so

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  • Michael.dot am 04.10.2018 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luxusjachten

    Was denken Sie was all die Luxusjachten für ein CO2 Ausstoß haben? Zum Beispiel die Geissens? Steven Spielberg wenn er mit seiner Jacht unterwegs ist?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Giordano am 08.10.2018 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Hört einmal auf damit

    Früher nannte man es Magie oder Hexerei, wenn man meinte, man könne mit symbolischen Handlungen die Welt beeinflussen. Heute nennt man es eben "Umweltbewusstsein". Wirksamer ist es trotz der Namensänderung aber nicht.

  • Mia am 08.10.2018 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fliege nicht mehr

    Seit ich Kinder habe, bin ich kein einziges mal mehr geflogen. Ausserdem fahre ich nicht mehr jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit, sondern nur noch 2 mal die Woche und erst noch an einen viel näheren Arbeitsplatz. Und da soll mir noch einer sagen Kinder haben sei eine Umweltsünde.

  • endeavour morse am 07.10.2018 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    will keine steaks

    ich will keine steaks, da och veggie bin 7nd ich fluege nun mal gerne.... bin aber gegen massentourismus.... was jetzt?

  • Beat am 06.10.2018 03:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wie viel Steaks pro Waldbrand?

    da brennen monate lang hunderte km2 an der amerikanischen Westküste. Wie viel Steaks könnte man dafür essen?

    • Peter am 10.10.2018 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Beat

      Da wird nur das CO2 freigesetzt, das die Bäume vorher gebunden haben, ist also klimaneutral.

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  • Philipp Weber am 05.10.2018 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Luftschadstoffe als Gifte

    Zudem ist auch an die direkte Giftwirkung vieler Luftschadstoffe zu denken, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen: Stickoxide, Russpartikel, Ozon u.a.. Diese alleine führen jährlich in der Schweiz zu etwa 3000 vorzeitigen Todesfällen, davon etwa 1200 alleine aufgrund des Autoverkehrs! 3000 Menschen, die noch ein paar bis einige Jahre länger hätten leben können (Quelle: BAFU). Sie sterben insbesondere an Herz- oder Hirninfarkt und an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Weltweit sind es pro Jahr gut 4 Millionen solcher Todesopfer (Quelle: WHO)

    • Witzbold am 06.10.2018 02:05 Report Diesen Beitrag melden

      Wirst Du Höhlenmensch

      Gut gebrüllt Löwe. Viel Spass beim Leben in der Höhle! Und dann bloss kein Feuer machen, sonst belastet das die Umwelt. Du kannst noch lange Rumlabbern, ändere Du zuerst deinen Lebensstil, bevor du allen anderen Vorschriften machst. Bei vielen von euch Ökopredigern ist es so, dass ihr Wasser predigt und Wein trinkt!

    • Du bist auch Schuld! am 06.10.2018 02:08 Report Diesen Beitrag melden

      Du glaubst nicht ernsthaft

      Du glaubst nämlich nicht ernsthaft, dass die Waren, die du kaufst mit dem Fahrrad in die Supermärkte oder ins Tante-Emma-Lädelchen gekarrt werden?! Also bist auch DU mitverantwortlich für die Verschmutzung. Du kannst noch lange predigen, aber von der allgemeinen Infrastruktur profitierst auch du. Alleine, dass Du einen Computer hast, belastet die Umwelt. Oder denkst Du die Internet-Server verbrauchen keinen Strom?

    • Philipp Weber am 07.10.2018 22:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ich habe begriffen, worum es geht!

      Lieber Witzbold und lieber Du bist auch Schuld Ich bin kein Ökoprediger sondern Naturwissenschafter und Realist! Zudem ist es massiv eine Frage nach der Quantität der selbst verursachten Umweltverschmutzung! - Mein PC braucht zum Beispiel unter Last maximal 12 Watt! Zudem esse ich seit 30 Jahren kein Fleisch mehr, habe nie ein Auto gefahren und habe seit gut 20 Jahren kein Flugzeug benutzt! - Zudem bin ich Besitzer einer Photovoltaik-Anlage! - Ich predige nicht Wasser und trinke Wein, sondern mach Nägel mit Köpfen, was leider nur von einer Minderheit in unserer Gesellschaft gesagt werden kann!

    • Knallkopf am 08.10.2018 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Philipp Weber

      Die weltbevölkerung nimmt jährlich um 80 mio zu. Das was du einsparrst geben andere gerne aus. Dieses sparen nützt leider nichts. Kondome in 3. Weltländer schicken würde 100 mal mehr bewirken.

    • Gritte am 08.10.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Knallkopf

      Das ist tatsächlich mal ein guter Vorschlag! Ob sie dann benutzt werden ist aber eine andere Frage. Es braucht auch Emanzipation und Gleichberechtigung, damit die Frauen andere Perspektiven haben ausser Kinder zu gebären.

    • Philipp Weber am 18.10.2018 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      Willkommen im Kindergarten!

      @Knallkopf Scheinbar haben Sie offensichtlich nicht begriffen, worum es geht: Es geht darum, dass sich jeder einzelne Mensch darum bemüht möglichst wenig CO2 und andere Luftschadstoffe zu emittieren! Und es geht auch darum andere Menschen von dieser Notwendigkeit zu überzeugen! - Sie hingegen wissen nichts gescheiteres als über die 3. Weltländer herzuziehen, anstatt zu begreifen, dass diese Länder mitunter sozioökonomische Probleme haben, weil sie jahzehntelang von den reichen Industrieländern ausgebeurtet wurden! Den Schwarzpeter und die Schuld anderen zuzuschieben macht man im Kindergarten!

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