Grossanlässe

25. Juli 2016 19:09; Akt: 26.07.2016 08:23 Print

Was bedeutet der Terror für die Street-Parade?

An einem Openair in Ansbach (D) sprengt sich ein Syrer in die Luft. Das hat Folgen für die Schweiz.

Bildstrecke im Grossformat »
LKW-Fahrer, die erstmals an der Streetparade im Einsatz stehen, werden von den Organisatoren überprüft. Die Massnahme ist eine Reaktion auf die Vorfälle der vergangenen Wochen an Grossanlässen. Etwa auf den Anschlag in Ansbach. Dort hatte sich ein 27-jähriger Syrer am 24. Juli selbst in die Luft gesprengt. Auf ihn soll sich der Attentäter Mohammed D. in einem Handy-Video berufen haben: Abu Bakr al-Baghdadi, Anführer der Terror-Miliz IS. Das Foto zeigt al-Baghdadi 2014 in einer Moschee im Irak. Polizisten vor der Unterkunft des Täters von Ansbach. (Photo by Lennart Preiss/Getty Images) Ermittler der Polizei am Tatort. Beamte schaffen mögliches Beweismaterial aus der Flüchtlingsunterkunft, wo der Attentäter in Ansbach gewohnt hatte. Die Polizei durchsucht das Flüchtlingsheim in Ansbach. Ein Leichenwagen verlässt die abgesperrte Zone in Ansbach. Im Rucksack des Tatverdächtigen wurde Sprengstoff gefunden. (25. Juli 2016) Ein Polizist nähert sich dem verdächtigen Rucksack. (25. Juli 2016) Eine Person starb. Mehrere Verletzte wurden in die Spitäler gebracht. (25. Juli 2016) Weil der Täter nicht auf das Gelände des Musikfestival gelassen wurde, zündete er die Bombe vor dem Eingang. (25. Juli 2016) Am 14. Juli, dem Nationalfeiertag der Franzosen, raste ein 31-jähriger Tunesier mit seinem LKW kurz nach dem Feuerwerk durch die Menschenmenge an der Strandpromenade in Nizza. Mindestens 84 Menschen sind ums Leben gekommen - darunter zehn Kinder. Zahlreiche Menschen gedenken der Opfer mit Blumen und Kerzen (20. Juli 2016). In dem Lastwagen wurden eine funktionsunfähige Granate und Feuerwaffen-Attrappen gefunden. Der Fahrer habe mehrmals mit einer Pistole geschossen, bevor er erschossen wurde. Police investigate the scene after a truck plowed through Bastille Day revelers in the French resort city of Nice, France, Thursday, July 14, 2016. France was ravaged by its third attack in two years when a large white truck mowed through revelers gathered for Bastille Day fireworks in Nice, killing at dozens of people as it bore down on the crowd for more than a mile along the Riviera city's famed seaside promenade. (Sasha Goldsmith via AP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

An der Street-Parade in Zürich am 13. August werden wieder Hunderttausende ein rauschendes Fest feiern und die Strassen rund um den Zürichsee bevölkern. Nach den Anschlägen in Nizza und nun in Ansbach, bei dem ein Selbstmordattentäter Menschen töten wollte, steigt die Sorge.

Umfrage
Meiden Sie jetzt Grossanlässe aufgrund der Vorkommnisse der letzten Tage?
49 %
24 %
27 %
Insgesamt 18751 Teilnehmer

Street-Parade -Sprecher Stefan Epli sagt: «Das Sicherheitskonzept der Street-Parade wird zusammen mit der Stadtpolizei Zürich jährlich verfeinert, und das seit 24 Jahren. So auch dieses Jahr.» Über detaillierte Massnahmen gebe man aber keine Auskunft.

LKW-Fahrer werden überprüft

Da auch Lastwagen eine Waffe sein können – wie in Nizza – würden neue Fahrzeuglenker in Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei Zürich im Vorfeld geprüft und in einem persönlichen Gespräch gebrieft. Dies geschehe jedoch seit Jahren, da man sich bereits damals über eine solche Gefahr Gedanken gemacht habe. Epli: «Die meisten Chauffeure sind seit vielen Jahren dabei, sie kennen wir persönlich.»

Nach dem Amoklauf in München dachte der Oberbürgermeister Dieter Reiter laut über ein Rucksackverbot für die Gäste nach. Das wäre bei der Streetparade mit ihrem offenen Gelände ohne Eingangskontrollen unrealistisch, wie die Sprecherin der Stadtpolizei Zürich, Judith Hödl, sagt. Aber sie ergänzt: «Die Stadtpolizei Zürich schliesst die Geschehnisse in anderen Ländern laufend in die Einschätzung und Planung der Streetparade mit ein.»

«Werde ohne Angst hingehen»

SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt ist ein begeisterter Street-Parade-Besucher – und wird dies auch bleiben: «Ich werde ohne Angst hingehen.» Man müsse sich immer bewusst sein, dass an einem Grossereignis immer etwas wie in Deutschland passieren könne. «Ich bin auch dafür, dass die Sicherheit durch mehr Überwachung und mehr Polizeipräsenz erhöht wird. Aber andererseits lasse ich mich durch Einschätzungen zur Terrorgefahr nicht in meinem Privatleben beeinflussen.»

Der Nationalrat war am 11. September 2001 in New York und wurde Zeuge der Terroranschläge. Dies habe ihn wohl etwas geprägt. «Das Leben ist nun mal riskant.» Von Verboten – wie ein Rucksackverbot – hält Vogt nichts.

«Nicht terrorisieren lassen»

Auch dass man nach einem Anschlag alles verbieten lassen will, ist seiner Meinung nach falsch. «Grundsätzlich sollte sich eine Gesellschaft durch Terror nicht terrorisieren und in ihren Freiheiten einschränken lassen.»

Ein weiterer Grossanlass ist das Zürich Openair. Dort heisst es, dass in Zusammenarbeit mit den Blaulichtorganisationen ein umfangreiches Sicherheitskonzept erstellt werde. Die Risiken würden laufend neu beurteilt und die Massnahmen entsprechend angepasst werden.


(num)