AKW in der Schweiz

21. März 2011 13:47; Akt: 21.03.2011 13:58 Print

Was bei einer Kernschmelze zu tun wäre

In den Schweizer AKW gibt es ganze Ordner mit Notfallreglementen – auch für den Fall einer Kernschmelze, wie sie in Fukushima droht.

Die Betreiber des AKW Mühleberg bezeichnen die Anlage als sicher. (Video: 20 Minuten Online)
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Welche Szenarien die AKW-Betreiber für den Ernstfall ausarbeiten müssen, wird in der Schweiz von den Behörden vorgegeben. Auch für den Fall einer Kernschmelze sei vorgeschrieben, dass schriftliche Anweisungen bestünden, sagte Ralph Schulz, Leiter der Abteilung Sicherheitsanlagen des Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI.

Diese Anweisungen und die darin festgelegten Strategien wurden vom ENSI überprüft. Sie würden sich von Anlage zu Anlage unterscheiden, sagte Schulz. Denn bei jedem Kernkraftwerk bestünden andere Möglichkeiten zur Bekämpfung eines schweren Unfalls. Welche das seien, hänge zum Beispiel vom Reaktortyp ab.

Notstandsbunker

Der grösste Unterschied zu den Anlagen in Japan bestehe darin, dass die Schweizer AKW so genannte Notstandssysteme besässen, sagte Bruno Elmiger, Mediensprecher des Kernkraftwerks Gösgen. Weltweit hätten nur wenige Kernanlagen solche zusätzlichen Sicherheitssysteme.

Die Notstandssysteme kommen zum Einsatz, wenn die Nachwärmeabfuhr infolge äusserer Einwirkungen - etwa Erdbeben oder Flugzeugabsturz - auf normalem Weg nicht mehr möglich ist. Geschützt sind die Systeme in einer Art Bunker. Diese Notstandsgebäude würden Erdbeben der Stärke 6,5 bis 7 widerstehen, sagte Axpo-Chef Manfred Thumann an einer Veranstaltung in Bern.

Auch andere Katastrophenszenarien wurden durchgerechnet. Für das AKW Beznau seien Studien erstellt worden, die untersuchten, was passieren würde, wenn an der Aare alle Stauwehre brechen würden, sagte Thumann. Das AKW Mühleberg seinerseits ist darauf ausgelegt, Erdbeben der Stärke 7 und einen nachfolgenden Bruch der Staumauer am Wohlensee zu überstehen.

Notleitungen

Ausgerüstet sind die Notstandsbunker zum Beispiel mit Notstromgeneratoren, Pumpen und Wasserfassungen, mit denen sich Kühlwasser direkt aus dem Grundwasser entnehmen lässt, wie Elmiger erklärte. Im AKW Mühleberg etwa stellen im Notstandsgebäude zwei Notstromaggregate den Betrieb für neun Tage sicher.

Auch der Fall, dass sogar das Notstandsgebäude ausfalle, werde regelmässig vom Notfallstab geübt, sagte Elmiger. Zudem gebe es Vorbereitungen für einen solchen Fall: So seien in Gösgen Leitungen eingezogen, durch die eine Feuerwehr im absoluten Notfall Wasser direkt in die Dampferzeuger leiten könne, um Nachzerfallswärme abzuführen.

(sda)