Rechtsextremismus

03. September 2018 17:35; Akt: 03.09.2018 18:14 Print

Das bringt das Juso-Konzert für Chemnitz

Heute Abend findet in Zürich ein Solidaritätskonzert für Chemnitz statt. Die Juso will damit gegen Neonazis demonstrieren. Laut Roger Köppel lenkt sie von echten Problemen ab.

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Die Polizei nahm nach der Demonstration eine 15-köpfige Männer-Gruppe fest, die sich selbst als «Bürgerwehr» bezeichnete. (Bild: Keystone) Teilnehmer einer Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz versammeln sich vor dem Karl-Marx-Monument. (14. September 2018) Campino an der Pressekonferenz vor dem Auftritt seiner Band am Benefizkonzert in Chemnitz. (3. September 2018) Für das Gratis-Konzert, an dem neben den Toten Hosen auch andere deutsche Künstler auftraten, reisten rund 65'000 Besucher an. Nach den Ausschreitungen der vergangenen Tagen hat es in Chemnitz eine Grossdemonstration gegen Fremdenfeindlichkeit, aber auch eine grosse AfD-Kundgebung gegeben. An beiden Kundgebungen beteiligten sich am Samstag mehrere tausend Menschen. AfD-Politiker aus mehreren Landesverbänden waren am Samstag in Chemnitz, darunter die AfD-Landesvorsitzenden von Brandenburg, Sachsen und Thüringen, Andreas Kalbitz, Jörg Urban und Björn Höcke. Auch die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung schloss sich der Kundgebung an. Mehr als zwei Stunden nach Beginn der Demonstration «Herz gegen Hetze» versammelten sich mehrere tausend Menschen zu der AfD-Kundgebung. Auch Teilnehmer einer Demonstration der rechten Organisation Pro Chemnitz schlossen sich an. Nach dem offiziellen Ende der AfD-Kundgebung war die Lage in der Stadt angespannt. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot im Einsatz. Mit zunehmender Dauer der Veranstaltungen wurde die Stimmung in der Stadt angespannter. Am Montag haben in Chemnitz erneut rund 1000 Rechtsextreme demonstriert. (27. August 2018) Die Polizei Sachsen ermittelt auch wegen mindestens zehn Vergehen in Form des Hitlergrusses. (27. August 2018) Auslöser der Ausschreitungen vom Sonntag, 26. August, war der Tod eines 35-jährigen Mannes infolge eines Messerangriffs. Das Opfer Daniel H. war Deutsch-Kubaner. Einige Teilnehmer zeigten offenbar den Hitlergruss. Die Polizei versucht, Demonstranten und Gegendemonstranten voneinander fernzuhalten. Dennoch kommt es zu Übergriffen zwischen den beiden Gruppen. Die Polizei meldet mehrere Verletzte. Dieses ausländerfeindliche Schäfchen-Motiv dürfte vielen Schweizern bekannt vorkommen. Schon am Sonntag gab es in Chemnitz eine Kundgebung der rechten Szene. (26. August 2018) Polizeifahrzeuge stehen in der Chemnitzer Innenstadt vor der Kulisse des Stadtfestes. Nach dem verhängnisvollen Streit in der Chemnitzer Innenstadt in der Nacht auf Sonntag mit einem Todesopfer und zwei Verletzten kam es am Sonntag zu einer spontanen Grossdemonstration. Polizisten in Bereitschaft. Während der Demonstration am Sonntag kam es zu Übergriffen auf Migranten. Hintergrund ist der Tod eines 35-jährigen Deutschen nach einem verhängnisvollen Streit zwischen Menschen mehrerer Nationalitäten in der Nacht auf Sonntag nach dem Chemnitzer Stadtfest. Unter dem Motto #wirsindmehr demonstrieren in Deutschland Linke gegen die «rechte Hetze». Heute findet in Chemnitz ein Konzert mit den Toten Hosen und anderen Bands statt. Die Juso Zürich organisiert am Montagabend ein Solidaritäts-Konzert gegen Faschismus. «Faschismus kennt keine Grenzen», sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Es sei wichtig, sich aktiv gegen Faschismus einzusetzen. Was die Juso tue, sei «Knall-Effekt-Politik», sagt hingegen Weltwochen-Chef und SVP-Nationalrat Roger Köppel. Er ist als Journalist nach Chemnitz gereist: «Das Bild, das sich mir hier zeigt, ist ein ganz anderes, als von den Medien übermittelt wird.»

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Seit der Messerattacke auf einen Deutsch-Kubaner durch zwei Migranten kommt Chemnitz nicht mehr zur Ruhe. Regelmässig gehen Linke und Rechte auf die Strasse, regelmässig kommt es dabei zu Gewalt. «Linke und Rechte instrumentalisieren den Tod meines Freundes», wird ein guter Kollege des Verstorbenen in der Zeitschrift «Stern» zitiert. Als Zeichen gegen die «rechte Hetze» organisieren linke Kreise in Chemnitz ein Konzert mit den Toten Hosen, Feine Sahne Fischfilet und anderen Bands. Auch in Zürich ist am Montagabend ein Solidaritäts-Konzert geplant.

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«Faschismus kennt keine Grenzen»

Unter dem Motto «Solidarität heisst Widerstand, Kampf dem Faschismus in jedem Land» hat die Juso Zürich das Solidaritäts-Konzert organisiert. «Faschismus kennt keine Grenzen», sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Es sei wichtig, sich aktiv gegen Faschismus einzusetzen und so zu zeigen, dass die antifaschistische Bevölkerung die Mehrheit bilde und Neonazi-Aufmärsche nicht toleriert würden.

«Faschismus ist keine Meinung, er will Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe zerstören», sagt Funiciello. Global Widerstand zu leisten sei deshalb dringend nötig. Zudem sei auch die Schweiz immer wieder von Faschismus betroffen, etwa im Fall von Rechtsrock-Konzerten oder des Freiburger Sprinters, der mehrmals den umgekehrten Hitler-Gruss zeigte. Faschismus zerstöre die Grundlagen der Demokratie, so die Juso-Präsidentin weiter: «Antidemokratische Bewegungen innerhalb einer Demokratie – das geht nicht.»

Chemnitzer fühlen sich ungerecht behandelt

Was die Juso tue, sei «unseriöse Knall-Effekt-Politik», sagt hingegen «Weltwoche»-Chef und SVP-Nationalrat Roger Köppel, die Jusos hätten keine Ahnung, was in Deutschland laufe. Er sei als Journalist nach Chemnitz gereist: «Das Bild, das sich mir hier zeigt, ist ein ganz anderes, als von den Medien übermittelt wird.» Die Chemnitzer Bevölkerung fühle sich unverstanden und beleidigt, nur weil man die Politik in Berlin unterstütze. Laut Köppel gebe es Neonazis dort unten wie auch Linksextreme, aber der überwiegende Grossteil der Demonstranten seien ganz normale Bürger.

«Die Menschen sind sauer, weil man sie pauschal in die Nazi-Ecke wirft, obwohl die Sachsen am Ende der DDR gekämpft haben», so Köppel. Doch heute fühle man sich von der Regierung nicht mehr ernst genommen. Die Bevölkerung empfinde Chemnitz wegen der Migranten als nicht mehr sicher. Köppel weist darauf hin, dass es einen Mord gegeben habe, mutmasslich durch Asylanten, aber davon wolle die Mitte-links-Regierung nicht reden. Sie spreche nur über den aufgebauschten rechten Extremismus, der dadurch noch geschürt werde, so Köppel.

Polizei rechnet mit friedlichem Ablauf

Laut Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, steht an Montagabend ein Polizeiaufgebot bereit: «Wir erwarten, dass der Anlass friedlich über die Bühne geht, da bereits die Demonstration vom Samstag ohne Zwischenfälle verlief.» Mit hundertprozentiger Sicherheit könne man solche Abläufe jedoch nie voraussagen.

«Könnte in der Schweiz so nicht passieren»

Extremismus-Experte, Dirk Baier, der in Chemnitz studiert hat, sagt, dass sich das Ganze in dieser Form in der Schweiz nicht abspielen könnte. In Ostdeutschland herrsche seit der Wiedervereinigung eine längere Tradition von Fremdenfeindlichkeit: «In der DDR konnten die Bürger aufgrund der homogenen Bevölkerung keine Erfahrungen mit anderen Kulturen oder ausländischen Menschen machen», sagt Baier. Zudem habe Ostdeutschland mit ökonomischen Problemen zu kämpfen gehabt, was die Situation zuspitze.

Dass 2015 rund eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien, habe diese Fremdenfeindlichkeit verfestigt: «Die Leute befürchten, dass die Flüchtlinge ihnen alles wegnehmen», so Baier.

Solidaritäts-Konzerte oder Demonstrationen findet der Experte wichtig, denn Faschismus könne niemals toleriert werden. Die Geschehnisse in Chemnitz seine eine gute Gelegenheit, die Menschen daran zu erinnern, dass Faschismus in der Gesellschaft keinen Platz habe. «Und», so Baier, «auch in der Schweiz gibt es Fremdenfeindlichkeit.» Eine Studie, die er kürzlich durchgeführt habe, zeige, dass rund 20 Prozent der Schweizer Jugendlichen ausländerfeindliches Gedankengut besässen.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas M. am 03.09.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Was Roger Köppel sagt, ist genau richtig. Diese Heuchelei muss aufhören. Die Menschen müssen ernst genommen werden und nicht diffamiert.

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  • daaabr am 03.09.2018 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Köppel 

    Tja das sind die linken. Sie wollen immer reden und alles für gutbefinden aber es passiert überhaupt nichts. Ich finde es super das Köppel aus seinem Erlebten spricht. Ich finde es schade, dass es nicht mehr Köppels gibt!

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  • ristretto am 03.09.2018 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    juso?

    die Juso?? die sind doch teil des problems!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrain R. am 04.09.2018 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Und wieso wurde nach dem G20-Gipfel in Hamburg kein gratis Konzert veranstaltet welches gegen Linksextremismus und diese sinnlose Gewalt ein Zeichen setzt??? Die Antwort liegt ja auf der Hand: Alles was von Links kommt ist anscheinend zu akzeptieren aus Linksextremismus und dessen Gewaltpotential. Einfach nur beschämend .....

  • Germane am 04.09.2018 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    "wir sind mehr"

    Toll, mit eine kostenlosen Konzert hat man 30'000 angelockt, mit eine Bratwurst dazu wären es 50'000 geworden und mit Freibier hunderttausend. Also mehr als protestiert haben und schon ist alles gut.

  • Dölf Ogi am 04.09.2018 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit umzudenken

    Vielleicht wäre es mal wieder an der zeit sich um das eigene volk zu kümmern. Irgendwann ist das fass am überlaufen, auch bei uns Die Juso weis doch gar nicht um was es wirklich geht.

  • Tinel am 04.09.2018 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einwechselung jetzt

    Man sollte Somaruga mit Köppel ersetzen. Ein grosser Fortschritt für die Schweiz

  • Dani K am 04.09.2018 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heimreise

    Köppel ist auf den Spuren seiner familiären Vergangenheit. Seine Grosseltern (väterlicherseits?) kamen aus Deutschland. Wichtiger wäre jedoch er würde seinen Job als CH Politiker wahrnehmen!