Gemeinde-Fazit

22. September 2008 14:48; Akt: 22.09.2008 16:23 Print

Was bringt die Ausgangssperre?

von Joel Bedetti - In den Gemeinden, wo ein Ausgehverbot für Jugendliche nach 22 Uhr verhängt wurde, zieht man zumeist ein positive Bilanz. Dies, obwohl das Verbot kaum je angewendet wird.

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Eines der populärsten Instrumente, mit denen Behörden jugendlichem Unfug den Riegel schieben wollen, ist das Ausgehverbot. Vor allem im Kanton Bern haben sich in den letzten Jahren bereits mehrere Gemeinden dafür entschieden. Zuletzt hat die Gemeinde Dänikon aus dem Zürcher Unterland diesen Juni die Polizeiordnung rigoros verschärft: Ab 22 Uhr ist es Jugendlichen verboten, sich auf öffentlichem Grund in Gruppen von mehr als drei Personen zu versammeln.

Während die repressive Politik auf nationaler Ebene höchst kontrovers diskutiert wird, herrscht in betroffenen Gemeinden Konsens, dass ein Ausgehverbot ein durchaus sinnvolles Instrument sein kann.

«Verbot ändert nichts»

Ein postitives Fazit zieht etwa Kerzers. Die Gemeinde im Freiburger Seebezirk änderte im Juni 2006 das Polizeireglement und ging mit dem Ausgehverbot für Jugendliche schweizweit voran. Nach 22 Uhr dürfen sich Jugendliche unter 16 Jahren nicht mehr im öffentlichen Raum aufhalten.

«Anlass für das Verbot war, als vor zwei Jahren mehrere Jugendliche vandalierten und Kampfhunde mitführten», sagt Gemeindepräsidentin Susanne Schwander, FDP. Man sehe die Regelung eher als gesetzlichen Spielraum, der ein Eingreifen ermögliche, wenn die Situation eskalieren würde. «Für die Jugendlichen ändert sich mit dem Ausgehverbot nichts. Wir haben keine Polizeigewalt in unserer Gemeinde und lassen lediglich sporadisch private Sicherheitsleute mit Hunden patroullieren.» Diese können die Jugendlichen lediglich auffordern nach Hause zu gehen – zwingen können sie sie nicht.

Zuerst dagegen – jetzt dafür

Die Jugendarbeiterin von Kerzers, Cosima Oesch, begrüsst das Ausgehverbot. «Zuerst war ich gegen das Ausgehverbot nach 22 Uhr. Doch mittlerweile ziehe ich eine positive Bilanz», meint sie und erzählt davon, dass sie mittlerweile schon bereits Sechst- und Siebentklässler im Ausgang Alkohol trinken sehe. Das Verbot könne auch nicht als Ausgangssperre bezeichnet werden: «Wer auf dem Nachhauseweg vom Jugendtreff oder vom Sportverein ist, darf auch nach 22 Uhr unterwegs sein – wenn er direkt nach Hause geht.» Nur die Idee mit der Hundepatrouille hält sie für verfehlt: «Das wirkt auf Jugendliche eher provozierend.»

Überparteilicher Konsens

Auch in der Berner Gemeinde Ins herrscht seit Anfang Jahr eine ähnliche Regelung. Gemeindepräsident Urs Hunziker, SVP, berichtet: «Es gab einzelne Sachbeschädigungen und öffentliches Trinken in Ins – nicht schlimmer als in anderen Ortschaften. Seit dem Verbot ist es aber besser geworden.» Es habe kaum Widerstand gegen das Verbot gegeben. Hunziker: «Die Eltern sagen: Nun habe ich einen Grund mehr, meinem Kind zu verbieten, spät noch rauszugehen.» Dasselbe in Interlaken, wo das Verbot bereits seit drei Jahren gilt: «Es herrschte ein überparteilicher Konsens über diese Bestimmung», sagt Daniel Beutler, SVP-Gemeinderat.

Allzweckmittel gegen jugendlichen Unfug sind die Verbote jedoch nicht. «Die Vandalenakte treten wellenförmig auf. In letzter Zeit nehmen sie wieder zu», sagt Susanne Schwander, Gemeinderätin von Kerzers. Und die Jugendarbeiterin Cosima Oesch hat gerade ein SMS des Schulhausabwarts gekriegt: «Deine Schützlinge haben wieder Neonröhren in der Schule zertrümmert.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mänu am 22.09.2008 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder und Hunde.....

    Will man ein Hund muss man ein Kurs ablegen. Kinder darf dafür jeder Trottel haben, einfach so, ohne eine Ahnung zu haben. Ach sollten nicht die Eltern die Kinder bestrafen anstatt dass die Gemeinde für sie das übernimmt. Wären auch nicht nötig wenn die Eltern ihren Job richtig erfüllt hätten.

  • Komisch am 22.09.2008 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder unter 16

    Gehören nicht auf die Strasse, was zum Teufel ist nur mit den Eltern los?

  • steve B. am 22.09.2008 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    was soll mann sonst tun

    ein beispiel vor ein paar jahren bauten wir ca.12 jungs im wald drausen eine waldhütte förster+besitzer waren einverstanen. nach 4 kam der besitzer mit einem brief vom kanton. wir hätten eine baubewilligung gebraucht! heute heisst es Jugend = Kellerkinder

Die neusten Leser-Kommentare

  • david s. am 19.10.2012 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheitsentzug ist illegal!!!

    Ach, schade das es bei uns keine Ausgangssperre gibt, ich würde absichtlich nach 22:00 mit ein paar kollegen draussen bleiben, nur um der Polizei zu sagen, das dies mein Grunrecht ist und es einem Freiheitsentzug gleichgestellt ist, wenn sie mich zwingen nach Hause zu gehen!

  • Marylou am 22.09.2008 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Verzichten

    Auf die sozialen Kontakte die nach 22 Uhr geknüpft werden kann man mit Handkuss verzichten. Es braucht wohl das Gesetz damit die sogenannten Erzieher endlich auf ihren Nachwuchs aufpassen müssen. Ansonsten sollen sie für jegliche Schäden etc. haftbar gemacht werden.

  • steve B. am 22.09.2008 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    was soll mann sonst tun

    ein beispiel vor ein paar jahren bauten wir ca.12 jungs im wald drausen eine waldhütte förster+besitzer waren einverstanen. nach 4 kam der besitzer mit einem brief vom kanton. wir hätten eine baubewilligung gebraucht! heute heisst es Jugend = Kellerkinder

  • Mänu am 22.09.2008 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder und Hunde.....

    Will man ein Hund muss man ein Kurs ablegen. Kinder darf dafür jeder Trottel haben, einfach so, ohne eine Ahnung zu haben. Ach sollten nicht die Eltern die Kinder bestrafen anstatt dass die Gemeinde für sie das übernimmt. Wären auch nicht nötig wenn die Eltern ihren Job richtig erfüllt hätten.

  • Jürg Auf der Mauer am 22.09.2008 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    öffentliches Trinken

    Jeweils ein Elternteil muss zu Hause für die Kinder anwesend sein, damit sie wieder besser kontrolliert werden.