Service public

05. Mai 2010 18:28; Akt: 05.05.2010 19:19 Print

Was ein iPod kann, kann auch die SRG

von Ronny Nicolussi - Hinter dem Service public der SRG versteckt sich vom Vollprogramm für 10 000 Rätoromanen bis zur Jazz-Jukebox manch Kurioses - für viel Geld.

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Wo ist der Service public? Keine 60 000 Hörer: Der hat das gewünschte Publikum nie erreicht. Trotzdem bleibt er weiter auf Sendung. Reine Pop-Musik à la DJ Bobo ohne Werbeunterbrechungen oder Zwischenmoderationen: das ist über Internet, Kabel, Satellit und DAB zwar viele Hörer. Die drei Sender dürften aber kaum zur Grundversorgung gezählt werden. Für den Betrieb der drei Programme wendet die SRG über drei Millionen Franken auf. Getrübte Idylle im Bündnerland: Die Existenz des rätoromanischen Senders (RR) steht zwar nicht zur Debatte. Die Kosten von RR aber schon... Der Sender, der täglich 14 23,1 Millionen Franken - rund vier Mal mehr als Radio 24, das grösste Privatradio der Schweiz. Mit einer Viertel Million Franken unterstützt die SRG das (MAZ) in Luzern. Gleichzeitig setzt das MAZ SRG-Angestellte als Dozenten ein. Damit kommen die Gebührenzahler nicht nur für die Löhne von SRG-Angestellten, sondern auch noch für die Entlöhnung ihrer Nebenjobs auf. 123 Vollzeitstellen setzt die SRG für die brückenbildende Internetplattform ein. Ihre Funktion, die «Fünfte Schweiz» über Ereignisse in ihrem Heimatland zu informieren, erübrigt sich im Internetzeitalter. Zumindest auf Deutsch, Französisch und Italienisch können sich die Leser ebenso gut auf anderen Newsseiten informieren. Swissinfo.ch kostet jährlich 26,1 Millionen Franken. Die Hälfte übernahm bisher der Bund. Dieser findet jedoch, die Zeit für das Portal sei abgelaufen. Ende Februar kündigte der Bundesrat an, der Plattform . Haben Sie gewusst, dass die SRG auch das englischsprachige (WRS) betreibt? Es kostet jährlich rund vier Millionen Franken und richtet sich laut SRG an «Zuhörer, die entweder englischer Muttersprache sind oder gerne Sendungen auf Englisch hören».

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Bürokratien haben es an sich, dass sie im Laufe der Zeit immer grösser und schwerfälliger werden. Die SRG ist dafür ein Paradebeispiel: Anfang der 1930er Jahren gegründet, bestand die Grundversorgung ursprünglich durch ein dreisprachiges Mittelwellenprogramm, das über die Landessender Beromünster, Sottens und Monte Ceneri ausgestrahlt wurde.

Heute gehören zur SRG 18 Radio- und neun Fernsehprogramme sowie die neunsprachige Internetplattform swissinfo.ch – die Nachfolgerin des früheren Schweizer Radio International. Dazu kommen fünf Tochtergesellschaften, vier weitere Gesellschaften, an denen die SRG zwischen 20 und 51 Prozent hält, sowie Beteiligungen von bis zu 19 Prozent an fünf weiteren Gesellschaften.

Verantwortlich dafür, dass der mit Gebührengeldern finanzierte Koloss auf eine solch stattliche Grösse wachsen konnte, war stets das Schlagwort «Service public». Dieses wurde jeglicher Expansion vorgeschoben und galt als Killerkriterium gegen jegliche Kritik. Gemäss Auftrag des Bundes muss die SRG «mit ihrem Service public die Grundversorgung der Schweizer Bevölkerung mit Radio- und Fernsehprogrammen sowie die Meinungsvielfalt sichern». Die Meinungen darüber, was die Grundversorgung beinhalten sollte, gehen aber weit auseinander. Ein Blick auf die Zahlen von 2008, welche die SRG auf ihrer Webseite publiziert, zeigen Ausgaben, die nur schwer mit Service public in Verbindung gebracht werden können.

«Gerne Sendungen auf Englisch hören»

Für das World Radio Switzerland (WRS) wird beispielsweise ein Betriebsaufwand von rund vier Millionen Franken und ein Personalbestand von 19 Stellen ausgewiesen. Und richtig: Sie wussten bisher nicht einmal, dass es diesen Sender gab. Das englischsprachige Programm richtet sich laut SRG an «Zuhörer, die entweder englischer Muttersprache sind oder gerne Sendungen auf Englisch hören». Im Internetzeitalter gibt es dafür jedoch reichlich Alternativen.

Nicht zur Debatte steht die Existenz des rätoromanischen Senders Radio Rumantsch (RR). Die Zahlen des Senders zeigen aber deutliches Sparpotenzial. 14 080 Hörerinnen und Hörer der rund 60 000 Rätoromanisch sprechenden Menschen erreicht RR pro Tag. Für das Radioprogramm und das auf SF 1 ausgestrahlte rund zehnminütige romanische Fernsehfenster Televisiun Rumantscha setzt die SRG 123 Vollzeitstellen ein. Der Betriebsaufwand beläuft sich auf 23,1 Millionen Franken und ist damit rund vier Mal höher als der von Radio 24, dem grössten Privatradio der Schweiz.

Drei Millionen für Musikkonserven-Service

Auch auf 123 Vollzeitstellen kommt die Internetplattform swissinfo.ch. Ihre Funktion, die «Fünfte Schweiz» über Ereignisse in ihrem Heimatland zu informieren, erübrigt sich im Internetzeitalter. Zumindest auf Deutsch, Französisch und Italienisch können sich die monatlich 762 000 so genannten «unique clients» ebenso gut auf anderen Newsseiten informieren. Swissinfo.ch kostet jährlich 26,1 Millionen Franken. Die Hälfte übernahm bisher der Bund. Ende Februar kündigte der Bundesrat jedoch an, der Plattform den Geldhahn zudrehen zu wollen.

Seit 1998 betreibt die SRG das Swiss Satellite Radio (SSatR). Dazu gehören die drei Musikprogramme Radio Swiss Pop mit 169 900 Hörern, Radio Swiss Classic mit 111 670 Hörern und Radio Swiss Jazz mit 63 670 Hörern, die über Internet, Kabel, Satellit und DAB empfangbar sind. Bis auf das leicht moderierte Swiss Classic sind diese Programme reine Musikprogramme. Was der Shuffle-Modus auf jedem gepflegten Ipod mehr oder weniger bietet, beschäftigt bei der SRG für den Betrieb der drei Sender 16 Angestellte. Kostenpunkt: über drei Millionen Franken. Obwohl die Hörerzahlen gut sind, ist die Frage berechtigt, was diese drei Sender mit Service public zu tun haben.

Gleiches gilt auch für den französischsprachigen Sender Option Musique, auch wenn das «Musikprogramm mit beliebten Melodien der letzten fünfzig Jahre und einer lebenslustigen Moderation» mit 208 840 Hörern deutlich mehr Empfänger erreicht als Espace 2 und Couleur 3.

Nebenjobs von SRG-Angestellten finanziert

Ein Projekt, das nie richtig auf Touren gekommen ist, ist DRS Virus. Der Ausbildungssender des Schweizer Radios erreicht täglich keine 60 000 Hörer. Böse Zungen sagen: «Was die SRG einmal gestartet hat, stellt sie nie mehr ein.»

Eine fragwürdige Daseinsberechtigung im geschützten Garten der gebührenfinanzierten Radios haben auch die Jugendsender DRS 3, Couleur 3 und Rete Tre. Es ist inzwischen schwer nachzuvollziehen, was die Sender gegenüber Privatradios an musikalischer und informeller Qualität an Mehrwert zu bieten haben. Entsprechend sollten sie sich dem Wettbewerb stellen, statt vom Gebührenzahler finanziert zu werden. Ähnlich ist die Situation bei den zweiten Programmen der Fernsehsender SF, TSR und RSI. Wesentliche Kosteneinsparungen wären hier möglich, wenn die subventionierten «ersten» Programme den Service public übernähmen. Ist der Informationsservice abgedeckt, könnten die unterhaltsamen «Zweiten» logischerweise durch Werbung finanziert würden.

Mit einer Viertel Million Franken unterstützt die SRG schliesslich das Medien-Ausbildungs-Zentrum (MAZ) in Luzern. Gleichzeitig setzt das MAZ SRG-Angestellte als Dozenten ein. Damit kommen die Gebührenzahler nicht nur für die Löhne von SRG-Angestellten, sondern auch noch für die Entlöhnung ihrer Nebenjobs auf.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Björn Haller am 05.05.2010 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Vergessen wurde noch 3Sat

    Ein weiterer Sender für den das Schweizer Fernsehen extra Programme macht. Keine Ahnung was das kostet, brauchen tut es 3Sat nicht. Jedenfalls gibt es noch genügend Sparpotential, bevor wieder höhere Gebühren eingefordert werden. SF2 ist der einzige SRG-Sender den ich bräuchte. Sport, Spielfilme und Serien. Dafür zahle ich auch gerne etwas.

  • Xaver am 07.05.2010 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Frühling

    alle schreiben vom Defizit der SRG. Wer schreibt einmal wieviel Geld die SRG überhaupt zur Verfügung hat. Wie gross sind die Einahmen inkl. Werbeeinnahmen. Wieviel Geld hat die SRG pro Sendetag zur Verfügung? Die Bürger würden vor Staunen die Augen ganz öffnen.......

  • Doni am 05.05.2010 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Riesiges Sparpotenzial

    Es ist gewaltig was die SRG sinnlos blöd Geld verschwendet und wir werden schamlos (!) zur Kasse gebeten! Viel zu viele Sender die niemand braucht - massiv zu viel Personal (dort hat man einen friedlichen und überbezahlten Job). Kurzum RIESIGES Sparpotenzial OHNE jegliche Qualitätseinbusse! Strom sparen und Stecker raus; Plopp!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 25.05.2011 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schluss mit höheren Gebühren

    Wird Zeit, dass endlich mal durchgegriffen wird und das ganze auf dem Prüfstand durchleuchtet! Service public wäre auch, wenn die Bevölkerung darüber informiert wird was wie wo wieviel! Schluss mit höheren Gebühren!

  • Heribert meier am 25.09.2010 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Moloch

    Die SRG ist ein riesiger geld-verschlingender Moloch. Und natürlich müssen die Gebühren und Werbeeinnahmen stets erhöht werden um noch unsinnigere Projektli zu finanzieren. Gleichzeitig sinkt die Qualität im Hauptprogramm mit so einfallsreichen Sendungen wie 'Eusi Badi' oder 'Auf der Alp' wie es sie wirklich nur in der Schweiz geben kann. Wer will so was bloss sehen?

  • Xaver am 07.05.2010 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Frühling

    alle schreiben vom Defizit der SRG. Wer schreibt einmal wieviel Geld die SRG überhaupt zur Verfügung hat. Wie gross sind die Einahmen inkl. Werbeeinnahmen. Wieviel Geld hat die SRG pro Sendetag zur Verfügung? Die Bürger würden vor Staunen die Augen ganz öffnen.......

  • Anton Keller am 07.05.2010 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    1 Person genügt

    Ich bin überzeugt, dass die reinen Musiksender von einer Person betreut werden könnten.

  • OM am 06.05.2010 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich zu iPod Shuffle??

    Also betreffend Swiss Satellite Radio und von wegen dass dies auch ein iPod Shuffle kann: Geht 20min davon aus, dass alle Leute mehrere 100 MP3 Dateien besitzen bzw. gekauft haben, oder wird hier das illegale herunterladen von MP3 befürwortet?