Rassismus

14. Februar 2015 08:21; Akt: 14.02.2015 14:35 Print

Was haben Schweizer gegen Albaner?

von Ph. Flück - Nur jeder Vierte will im Job mit Albanern zu tun haben. Mit Italienern dagegen würde fast jeder gerne zusammenarbeiten. Warum ist das so?

storybild

Enxhi H: «Der perfekte Mix zwischen Schweizer und Albaner kann entstehen.» (Bild: Keystone/AP/Visar Kryeziu)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Jede vierte Person in der Schweiz ist fremdenfeindlich eingestellt. Das geht aus dem Bericht zu rassistischen und diskriminierenden Einstellungen in der Schweiz hervor, den das Innendepartement (EDI) in Auftrag gegeben hat.

Aus der Studie geht auch hervor: Nur 25 Prozent der Schweizer wollen im Job mit Albanern zu tun haben. Zum Vergleich: Rund 85 Prozent der Schweizer arbeiten gerne mit Italienern zusammen.

«Albaner arbeiten so gut wie Schweizer»

Rolf Alther, Präsident der Gesellschaft Schweiz-Albanien, glaubt, dass die Albaner dafür selbst eine gewisse Verantwortung tragen: «Die allermeisten verhalten sich gut, aber man liest immer wieder, dass es einige gibt, die kriminell oder gewalttätig werden.» Alther hat das Gefühl, in der Schweiz sei man zum Teil zu tolerant gegenüber Menschen, die aus der Reihe tanzen würden: «Ich habe selber ein Unternehmen geführt mit zweiz Dritteln Mitarbeiter aus dem Balkan. Das hat wunderbar geklappt, weil ich den Tarif stets strikt durchgegeben habe.»

Für die Zukunft aber ist er optimistisch. Es sei nur eine Frage der Zeit bis auch die albanische Kultur in der Schweiz akzeptiert werde: «Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als der Fremdenhass den Italienern galt.» Jede Kultur brauche eine gewisse Zeit, um in der Schweiz akzeptiert zu werden.

Bashkim Iseni, Leiter der albanisch-schweizerischen Website Albinfo ist vom Resultat der Studie überrascht: «Ich hatte eigentlich das Gefühl, die Albaner würden immer besser in die Schweizer Gesellschaft passen.» Vor allem Secondos seien meist vollständig integriert. Ausserdem hätten Albaner den Ruf, fleissige Arbeiter zu sein – etwa vergleichbar mit den Schweizern. Weiter beruhe die angebliche Berührungsangst nur auf Einseitigkeit: «Albaner arbeiten sehr gerne mit Schweizern zusammen.»

«Der Schweizer plant, der Albaner denkt nachher»

Ermira C. (20) ist Albanerin und berufstätig, sie stimmt dem Resultat der Studie zu: «Es ist wirklich so, dass viele Schweizer immer noch Vorurteile gegenüber Albanern haben.» Das führe dazu, dass man nichts mit ihnen zu tun haben wolle, auch nicht am Arbeitsplatz. Das grösste Problem sei, dass die albanische Kultur in der Schweiz noch nicht wirklich angekommen sei. «Bei den Italienern ist es anders. Man kennt zum Beispiel ihre Gerichte und Ferienorte.» Albanien hingegen sei für viele ein entferntes Land, dessen Kultur nichts mit der Schweiz zu tun habe.

Bei der Arbeit würden sich die schweizerische und die albanische Kultur auch unterscheiden: «Der Schweizer plant, organisiert und führt aus. Der Albaner hingegen fängt mit der Arbeit an und denkt erst über die Probleme nach, wenn sie sich stellen.» Das könne zu Meinungsverschiedenheiten führen auf dem Arbeitsplatz. Um dem Rassismus entgegenzuhalten, sollten Firmen versuchen, möglichst auch Albaner einzustellen. So würden kulturell vielfältige Gruppen entstehen: «Somit kann jeder vom anderen etwas lernen und Einblicke in andere Kulturen bekommen.»

Laut der albanischen Studentin Enxhi H. (23) haben Schweizer Angst davor, ihre Identität zu verlieren: «Die Schweizer denken wahrscheinlich, ihre Identität beschützen zu können, wenn sie nur mit Leuten zu tun haben, die ihnen kulturell nahestehen.» Das sei bei Albanern nicht der Fall. Klar könne man sagen, Albaner seien grundsätzlich vielleicht etwas auffälliger und chaotischer als Schweizer, doch wenn man sich von beiden Seiten her entgegenkommt, könne der perfekte Mix zwischen albanischer und Schweizer Kultur entstehen. Dazu müssten aber die Schweizer zuerst einmal merken, dass sie nicht immer im Recht sind, nur weil sie hier heimisch sind.

«Qualifikation wichtiger als Ethnie»

Der Sprecher des Arbeitgeberverbandes Fredy Greuter betont, dass man bei der Rekrutierung nicht auf die Ethnie schaue, sondern nur auf die Qualifikation: «Das führt dann zum Teil halt dazu, dass man eher einen Einheimischen anstellt.» Es gebe auch viele Unternehmen, die sich bewusst für die Integration von Ausländern einsetzen und somit eine gesellschaftliche Leistung erbringen würden.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 14.02.2015 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Religion

    Angenommen ich als Schweizer lerne eine wunderschöne Albanerin kennen, würde ich da in ihrer Familie super aufgenommen? Das würde doch viel mehr Probleme generieren als mit einer Italienerin. Wieso? Ganz einfach, da die Religion hier immer im Wege steht.

  • Italo/Schwezer am 14.02.2015 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also ein Vergleich mit den Italienern kann man nic

    Wieso macht man immer einen Vergleich mit den Italienern?? Das mit den Italienern ist eine ganz andere Story...Sie haben Tunnels gebaut, Strassenvernetzungen gebaut zwischen der Schweiz und Italien, das Essen, die Mode und noch vieles mehr!!

    einklappen einklappen
  • chueli ueli am 14.02.2015 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meine meinung

    für mich hat die italianita einfach mehr sexapeal und charme.. die leute sind leidenschaftlich und das essen ist einfach das beste..

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • suzie am 15.02.2015 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Albanerin

    unsere Lehrtochter ist Albanerin und die beste Lehrtochter, die wir je hatten - fleissig, wissbegierig und sehr nett. Mit den Italienerinnen hatten wir nur Probleme - Nägeli lackieren, Natel konsultieren und möglichst wenig arbeiten. Und all die Männer hier, die was erzählen von wegen "die Familie einer wunderschönen Albanerin würde einen Schweizer nicht akzeptieren" haben voll am Thema "mit Albanern zusammenARBEITEN" vorbeigelesen - abgesehen davon, dass die Aussage zeigt, dass es schweizer Männern nur ums Aussehen geht bei einer Frau. Schwach.

  • :) am 15.02.2015 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Integration"

    Ihr greift uns auch jedes mal mit solchen Berichten an und lässt uns keine Zeit euch mal vom Gegenteil zu überzeugen. Ausserdem ist es kein guter Vergleich uns mit den Nachbarsländern zu bewerten

  • Reto Hitz am 15.02.2015 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wie man in den Wald ruft

    Ich arbeite auch mit einer Albanerin und diese ist auch OK ! Das einzige was ich hasse ist das es gewisse Landsleute sind, die einfach Respektlos sind und meinen sie seien König und dürfen alles machen . Die die sich anständig verhalten sind zuhause und werden so nicht wahrgenommen .

  • Ver Halten Woisch am 15.02.2015 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhalten

    Es liegt nicht an der Herkunft einer Ethnie sondern an Verhalten eines Einzelnen.

  • Gonzo am 14.02.2015 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    ich finde viele Kulturen sind allgemein eine Bereicherung. Meine vielen Erfahrungen mit Ausländer waren aber gerade mit Kosovaren leider oft negativ. Seien es mit Beleidigungen, Überheblichkeit, Besserwisserei und Respektlosigkeit. Das schlechte Image kommt nicht von Ungefähr.