Roger de Weck

19. Mai 2010 17:52; Akt: 20.05.2010 00:50 Print

Was macht eigentlich der SRG-Chef?

von Ronny Nicolussi - Seine Wahl hat es auf die Titelseiten aller grossen Tageszeitungen geschafft. Doch was sind überhaupt die Aufgaben und Möglichkeiten des neuen SRG-Generaldirektors?

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Seine Wahl wurde kontrovers diskutiert. Ab dem 1. Januar 2011 wird Roger de Weck beweisen müssen, ob er die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllen kann. Auf den 56-Jährigen warten grosse Herausforderungen. Der Service Public wird in letzter Zeit auch in der Schweiz vermehrt infrage gestellt. In der EU gibt es gar Tendenzen, die Grundversorgung ganz abzuschaffen. Während der Regierungszeit von Premierministerin Margaret Thatcher in de 80er Jahren wurden in England dadurch die Privatsender stark. In Frankreich hat Staatspräsident Nicolas Sarkozy dem öffentlich rechtlichen Sender France 2 die Werbung weggenommen und damit die private Konkurrenz gestärkt. Wird sich de Weck auch mit einem solchen Szenario befassen müssen? Klar ist: Der Anteil am Werbekuchen wird für das Fernsehen kleiner werden. Für den designierten SRG-Generaldirektor wird sich die Frage stellen, inwiefern die SRG von Werbung abhängig sein will. Kopfzerbrechen dürfte de Weck die finanzielle Situation der SRG bereiten. 2009 betrug der Verlust 47,7 Millionen Franken und im laufenden Jahr wird gar ein Defizit von 75 Millionen Franken erwartet. Damit dürften sich die Verluste unter de Wecks Vorgänger Armin Walpen (Bild) in den letzten vier Jahren seines Wirkens als Generaldirektor auf rund 220 Millionen Franken summieren. Bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt wird de Weck erste Entscheidungen fällen müssen. Zum Beispiel wer auf den Sessel des neuen «Superdirektors» für Radio und Fernsehen in der Deutschschweiz gehört. Mit Argusaugen verfolgen wird die Politik, welche Prioritäten der neue Generaldirektor mit dem ihm zur Verfügung stehenden Geld setzen wird. Medienexperte Roger Blum prognostiziert ein Tabubruch. Zwar stehe eine Grundversorgung in allen Landesteilen in allen Landessprachen ausser Diskussion. , sei jedoch eine andere Frage.

Die grössten Baustellen für den neuen SRG-Direktor

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Die Wahl Roger de Wecks zum Nachfolger von SRG-Generaldirektor Armin Walpen hat für kontroverse Reaktionen gesorgt. Ab 2011 wird er beweisen müssen, wie er die grossen Herausforderungen der SRG meistern will. Allein: was darf ein Generaldirektor der SRG und was nicht?

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«Der Generaldirektor ist der Motor der SRG-Unternehmensphilosophie, er muss das gesamte Unternehmen zusammenhalten und dafür sorgen, dass die SRG die im Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) festgehaltenen Vorschriften einhält», erklärt der emeritierte Professor für Medienwissenschaften und Schweizer Medienexperte Roger Blum. Dazu gehört laut Gesetz die Sicherstellung der Grundversorgung in den Landessprachen in sämtlichen Gebieten der Schweiz.

Keine primäre Aufgabe de Wecks wird es sein, auf Sendungen direkten Einfluss auszuüben. Sofern dies «im Interesse des Gesamtunternehmens steht», könnte er im Alleingang die Absetzung von Sendungen veranlassen. Es gehe aber nicht darum, dass der Direktor beispielsweise festlege, wie ein Beitrag der Rundschau aussehen soll, sagt Blum. Er könne jedoch Vorgaben machen, welche Standards bei der Berichterstattung zu beachten seien. «Zum Beispiel, dass es nicht korrekt ist, bei einem Streit nur eine Seite zu konsultieren», so Blum. Diese Standards sind allerdings seit Jahren festgelegt. «Stimmt», räumt der Medienexperte ein: «Der Direktor kann sie aber auch ändern, verfeinern oder neu interpretieren.»

Garant des gesetzlichen Auftrags

Als Linienvorgesetzter legt de Weck zudem den Leitern der Unternehmenseinheiten – also auch dem künftigen «Superdirektor» von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen SF – die Jahresziele des Gesamtunternehmens fest. Sollte sich ein Leiter einer Unternehmenseinheit nicht mehr an die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags halten, wäre der Generaldirektor verpflichtet, ihn zurückzupfeifen. Laut Blum könnte dies der Fall sein, wenn sich ein Fernsehdirektor beispielsweise entscheiden würde, wegen der Zuschauerquote boulvardeskere Sendungen zu machen. Zudem kann er die Entlassung von Angestellten beantragen.

Vielmehr als um einzelne Sendungen und Personalentscheide muss sich der Direktor aber um publizistische Leitlinien kümmern. Blum sagt, man müsse sich eine Kaskade analog zur Gesetzgebung vorstellen: «Der Generaldirektor bestimmt die Verfassung, die Regionalleiter die Gesetze, die Redaktionsleiter die Verordnungen und die Journalisten an der Front setzen die Vorgaben um.»

Machtwort bei wichtigen Personalentscheiden

Mächtig ist der Generaldirektor bei der Besetzung von wichtigen Posten in der obersten Etage der SRG. Die Geschäftsleitung der Organisationseinheiten kann er im Alleingang bestimmen und wenn in der Geschäftsleitung, an der sämtliche Unternehmenseinheiten beteiligt sind, kein Einvernehmen zustande kommt, entscheidet er abschliessend. Das spielt besonders dann eine grosse Rolle, wenn es um die Verteilung der Einnahmen geht, da nirgends vorgeschrieben ist, wie hoch der Beitrag beispielsweise für die Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (RSI) oder die Onlineplattform Swissinfo sein muss.

Daneben ist der Generaldirektor auch für die Erarbeitung und Umsetzung der Unternehmensstrategie, die Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und die «operative, effektive und effiziente» Unternehmensführung verantwortlich, wie die SRG im vergangenen Herbst in ihrer Projektbeschreibung zur Findung des neuen Generaldirektors ausformuliert hatte.

Guter Draht ins Bundeshaus

Eine zentrale Rolle spielt der SRG-Direktor aufgrund der komplizierten Organisationsstruktur der SRG im Kontakt nach aussen. Das grösste Unternehmen für elektronische Medien der Schweiz ist mit seinen Regionalgesellschaften einerseits als Verein und andererseits als ganz normales Unternehmen organisiert. Der Direktor müsse sich daher regelmässig mit Politikern, Verlegern, sowie den Partnern im In- und Ausland austauschen, erklärt Blum.

Besonders kräftig für die SRG lobbyieren wird de Weck wohl im Bundeshaus müssen. «Schliesslich entscheidet das Parlament über das RTVG und damit über die Rahmenbedingungen für die SRG», so Blum. Der Bundesrat kann überdies neben der Konzessionserteiltung auch über Gebührenerhöhungen oder -senkungen entscheiden. Ein guter Draht zu Medienminister Moritz Leuenberger ist daher bestimmt kein Nachteil. Der Kontakt ins Ausland ist laut Blum vor allem bei Sport-Übertragungen wichtig, da diese gleich für die deutsch-, französisch- und die italienischsprachigen Sender eingekauft werden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.V. am 19.05.2010 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Linker mehr...

    Wieder ein Linker an der Macht der 4. Staatsgewalt im Lande. Meiner Meinung nach ist ein grosser Teil der SF Propaganda an den grossen Problemen mit Ausländern in unserem Land schuld. Dort wird immer alles gut geredet und die Tatsachen und negativen Seiten lieber unter den Tisch gekehrt, verdrängt.

  • K.G.H. am 20.05.2010 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    RDW versus Blocher

    Beide haben eine Gesinnung. Beide haben ein Recht darauf. Der Unterschied: Blocher war nicht fähig, vom Gesinnungspolitiker zum Bundesrat (für alle) zu werden. RDW wird (weil er liberal und intelligent ist) den Wechsel vom Publizisten zum GD eines öffentnlich rechtlichen Mediums schaffen. Die Befürchtungen der Rechtsnationalen zeigen auf, was wir zu berfürchten hätten, wäre einer der ihren gewählt worden. Ich hoffe allerdings schon, auf eine Versachlichung der politischen Debatten spürbar wird. Es ist wirklich abartig, wenn Brennwald sein Mirkrofon dem jeweils answesenden SVPler "ausleiht

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  • David Neuhaus am 20.05.2010 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder ein Moritz Leuenberger Duzfreund!

    Man mag ja über Roger de Weck denken was man will, grundsätzlich soll er ja die Chance haben sich zu beweisen. Was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass unser lieber moritz wieder einmal einen persönlichen Freund in ein lukratives Amt gehoben hat. Seine Unfähigkeite u.a. für Personalentscheide hat er ja schon mehrmals bewiesen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • claudia am 20.05.2010 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    da kann man hoffen

    einerseits meint er es sicher sehr gut (sehr soziale und global), anderseits hat er vom leben, der normalen bützer, einfach keine ahnung und was mit den finazen passieren wird, steht in den sternen. sicher ist aber, dass er noch nie sparen musste.

  • Hang M. Heier am 20.05.2010 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Informativer Artikel, ...

    Ronny Nicolussi. Danke.

  • Rebecca W. am 20.05.2010 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Doofes Hickhack

    Viele können einfach nicht anders, als alles, was sie lesen, gleich in die Kästchen "links"/"rechts" reinzupressen. Andernfalls müssten sie sich ja noch ernsthaft mit Themen auseinander setzen (und das auch noch selbstständig ohne die Väter Brunner und Levrat im Rücken) und feststellen, dass de Wecks Einfluss, was das jeweilige Programm anbelangt, begrenzt ist. Aber selbstständig zu denken, das traut man sich halt lieber nicht zu. Schade eigentlich. Schade auch für unsere so hoch gelobte Halbdirekte-Demokratie.

  • Pit Rorschach am 20.05.2010 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Die linken freuts...

    ...die rechten reut's. Ich verstehe nicht, dass ausgerechnet de Weck, der beim"Tagi" ein finanzielles Sesaster veranstaltet hat, nun die SRG aus dem finanziellen Desaster retten soll. Da wird der Bock zum Gärtner gemacht.

  • Paul Buchegge am 20.05.2010 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Seriöse Durchführung der Wahl

    Es ist wirklich erstaunlich,dass in der heutigen Zeit der alltäglichen Indiskretionen das Wahlgremium der 41 SRG-Delegierten dicht gehalten hat.So war es möglich, dass die Kandidatur de Weck über so viele Ausscheidungsrunden (an deren Ende ein abschliessendes Assessment durch externe Profis stand) geheim gehalten werden konnte.Nur so wurde die allg. Überraschung bei der Bekanntgabe der Wahl überhaupt erst perfekt.Wären die 6 in die engere Wahl gekommenen Kandidaten schon vorzeitig bekannt geworden,wären sie von den interessierten Kreisen wohl einzeln zum Abschuss freigegeben worden.