Kirchenbrand in Herzogenbuchsee

25. Dezember 2019 14:45; Akt: 25.12.2019 14:45 Print

Der Kirchenbrand trifft seltene Fledermäuse

In der reformierten Kirche in Herzogenbuchsee leben seltene Fledermausarten. Was der Kirchturmbrand für die Populationen bedeutet, erklärt Experte Oliver Fiechter.

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Alle in der Schweiz lebenden Fledermausarten sind gefährdet und stehen deshalb unter Schutz. Drei Arten bewohnen im Sommer die Kirche in Herzogenbuchsee, deren Turm am 24. Dezember in Brand geriet. Die Grossen Mausohren und die Zwergfledermäuse ziehen im Kirchenschiff ihre Jungtiere auf. Im Kirchturmdach ziehen die Breitflügelfledermäuse ihren Nachwuchs auf.

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Olivier Fiechter vom ARGE Fledermausschutz Oberaargau BE sagt, dass sich die Fledermäuse glücklicherweise gerade nicht in der Kirche aufhalten. «Weil es in der Region fast keine natürlichen Winterquartiere gibt, ziehen sie sich über die kalte Jahreszeit in Gebiete zurück, wo es noch geeignete Winterquartiere gibt – in Höhlen, alte Naturkeller oder geeignete Baumhöhlen.» Dort würden sie Winterschlaf halten.

Neuer Platz für die Fledermäuse?

Trotzdem stellt der Kirchenbrand laut Fiechter für die rund elf zur Kolonie gehörenden Breitflügelfledermäuse ein Problem dar. «Wenn die Tiere zurückkehren, müssen sie sich eine neue Ecke in der Kirche suchen.»

Das Problem sei, dass diese Art relativ gross sei und womöglich keine geeignete Stelle im Kirchenschiff finde. Dann würden sie weiterziehen und es könnte zu einer Aufteilung der Gruppe kommen. «Ein neuer Standort ist auch immer mit Gefahren verbunden, insbesondere wenn Katzen dort leben. Diese jagen leider gerne die Jungtiere der Fledermäuse», sagt Fiechter.

Ungünstige Umweltbedingungen

Im Oberaargau sind nur sechs Quartiere bekannt, in denen Breitflügelfledermäuse leben, die grösste Kolonie umfasst zwanzig Tiere. «Die grossen Arten sind stärker vom Aussterben bedroht, da sie grössere Insekten wie Mai- oder Junikäfer jagen. Diese werden aber immer seltener.»

Auf dem Speiseplan von Fledermäusen stehen Insekten. Da es immer weniger Naturwiesen und Hecken gebe werde die Nahrung für die Fledermäuse knapper, so Fiechter: «Die Umweltbedingungen für das Überleben der Fledermäuse stimmen überhaupt nicht mehr.»

Hecken und Naturwiesen als Rettung

Laut Fiechter versucht der Fledermausschutz Oberaargau Gegensteuer zu geben: «So werden Hecken angepflanzt, Waldränder aufgewertet und Blühstreifen angelegt. In Roggwil wurde ein insektenfreundlicher Garten angelegt, der aufzeigt, was man für die Fledermäuse alles machen kann.» Bauern, die Kantone, der Bund und Private müssten diesbezüglich noch grössere Anstrengungen unternehmen.

Weiter versuche ARGE, alte Naturkeller von Bauernhöfen als Schlafplätze für die Tiere zu reaktivieren, sagt Fiechter. Auch sogenannte Fledermauskästen, die man an Gebäuden und Bäumen aufhängt, sollen für mehr Lebensraum sorgen. Damit könne Neubauten, in die die Fledermäuse nicht hinein können, entgegengewirkt werden. «Das Problem ist aber, dass viele Leute Fledermäuse nicht am Haus haben wollen. Sie stören sich am Kot der Tiere, dabei ist das der beste Dünger für den Garten.»

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reini Beerli am 25.12.2019 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sherman

    Habe gerade den bericht gesehen im tele m1. Super was die rettungskraefte geleistet haben, sehr schwieriger einsatz gewesen. Was mich sehr geaergert hat,ist die aeusserung von dem alten herr wo so primitiv ueber die rettungskraefte gelaestert hat. Schaemen soll er sich. Erwarte dass es sich entschuldigt und das in der oeffentlichkeit und auch bei den rettungskraeften. So einer ist eine zumutung und wahrscheinlich noch von herzogenbuchsee

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  • Guardevoir am 25.12.2019 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Beruhigt

    Herzlichen Dank für den Bericht! Schön zu hören, dass keines der Tierchen zu Schaden gekommen ist.

  • MD am 25.12.2019 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneller Aufbau !

    Könnte man denn den Kirchturm nicht schnell genug wieder fledermausgerecht aufbauen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bauingenieur am 26.12.2019 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Planung und Ausführung durchdenken

    Einerseits schade; der Wiederaufbau kostet Geld und zweitens, hoffentlich merken die Menschen, dass nicht alle Baumaterialien gleichermassen geeignet sind. Hier Kupferdeckung - die Feuerwehr konnte kein Loch finden, um den Brand mit Wasser zu bekämpfen...

    • Mauro Genovese am 27.12.2019 00:26 Report Diesen Beitrag melden

      Ist Denken Glückssache?

      Wer die Tragweite seiner Handlungen nicht abschätzen kann, sollte unter Vormundschaft gestellt werden.

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  • Umaniemi am 26.12.2019 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pressefreiheit

    Wenn man die Schandtaten der Kirche ansprechen will wird der Kommentar " Leider nicht freigegeben"...

  • Federmäuse am 26.12.2019 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Problemlos

    Wir haben schon immer Fledermäuse im Dach, mit Wochenstuben (Jungtieraufzucht). Wer es nicht weiss, merkt rein gar nichts von den Tieren.

  • Andreas Inderbitzin am 26.12.2019 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten

    Linksextreme stürmen reformierte Kirche und es sind keine Kommentare möglich. Fledermäuse von Brand im Kirchenturm vertrieben und es folgen 340 Kommentare.

  • Niederoenzerin am 26.12.2019 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten werden nicht erkannt.

    Und die Kosten? Es ist eine Frage der Zeit und der Steuerfuss muss erneuert erhöht werden. Individualkosten wie Notfälle wurden im Budget 2020 nur in einer geringen Summe einberechnet. Ich fühle mit, mit den Geringverdienern. Ist es fair auf den Schwächsten runzuhacken? Von der Schule von Buchsi, welche einen Anwalt engagieren musste, welche die Steuerzahler bezahlen, will ich gar nicht sprechen. Kosten, Kosten und Kosten und keine Ahnung von Kalkulation. Die Gemeinde wird heruntergewirtschaftet. Danke den Feuerwehrleute welche ihr Bestes gegeben haben. Merci.

    • Freigeist am 26.12.2019 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      Parteien Problem erkannt

      FDP und SVP Buchsi haben das Problem erkannt und wollten handeln. Auch wenn ich beide Parteien ansonsten nicht Unterstütze, in diesem Fall, wäre es wohl ratsam gewesen zuzuhören.

    • Leib & Leben am 26.12.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

      Untersuchungen Ausweiten

      In Anbetracht der erschütternden Tatsache, dass durch den Brand die Gesundheit und das leben von relativ vielen Menschen gefährdet wurde (sogenannt schwerer Fall..!) müssen die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft in alle Richtungen erweitert werden. (Sollten Spuren von Munition- und/oder Sprengstoff dedektiert werden, müsste die Bundesanwaltschaft zwingend und unverzüglich in die Ermittlungen eingeschaltet werden..!)

    • Steuerzahler vor Ort am 26.12.2019 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niederoenzerin

      Was die Niederönzerin schreibt stimmt. Man diskutiert, ob Schulreisen für 3'000 Franken gestrichen werden, hält aber unter dem Deckel das x-tausend Franken für einen Anwalt ausgegeben werden, damit man Missstände an der Schule nicht lösen muss. Die Gemeinden Buchsi-Oenz haben ein Führungsproblem. Kommentare wie die von Feuerwehr-Insidern wie Pedro Specht & Karl Franzen zeigen, dass sich das in diesem Fall verheerend auswirkt. Kulturgut und die Fledermauspopulation wurde geschädigt und die Steuerzahler werden auch hier für die Folgen der Führungsmängel gerade stehen müssen.

    • Ex-Buchserin am 26.12.2019 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      Führungskompetenzen

      Ich zweifle die Herren im Gemeinderat an, lieber Käffele. Am richtigen Ort sparen und Personen in den falschen Positionen den blauen Brief übergeben.

    • Captain Nachsicht am 26.12.2019 23:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Steuerzahler vor Ort

      Gegenüber (selbsternannten?) Experten wie Pedro S. und Karl F. bin ich skeptisch. Ausser Anklagen kam aus dieser Richtung nichts Konkretes, was zum Erhalt des Kirchturms geführt hätte. Für die zu kurze Leiter (Material wird von der Gebäudeversicherung vorgegeben und subventioniert) wurden private Teleskopbühnen sowie ein Kran aufgeboten, welcher jedoch zu spät bereit war. Auch die Kata Hi Ber Kp braucht an Feiertagen 12 Stunden Vorlaufzeit und auch die haben bestenfalls "nur" einen Liebherr 1090 mit 50 m Ausleger. Oder vielleicht sind im Innenangriff Soldaten einfach entbehrlicher als ADF..

    • Steuerzahler vor Ort am 26.12.2019 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Captain Nachsicht

      In solchen Fällen müsste man bei der Berufsfeuerwehr in Bern nachfragen? Vielleicht hätte diese Material oder Ideen gehabt um einem zweiten Brandausbruch vorbeugen zu können? Eine gute Führung kann einschätzen, wann zusätzliche Hilfe von ausserhalb nötig ist und fordert diese an. Es ist keine Schande, wenn man für schwierige Fälle professionelle Hilfe anfordert. Leider scheinen die hiesigen Behörden nicht darauf ausgerichtet zu sein, schwierige Probleme proaktiv anzugehen.

    • Gefahr im Verzug am 26.12.2019 23:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Niederönzerin um 21:34

      Wie Recht du hast, die Kernkraftwerke Gösgen, Leibstadt usw. sind nach deiner Denke also lebensgefährlich und die somit hochkriminellen Betreiber sind Verbrecher, die erwiesenermassen mit dem Leben und der Gesundheit von Millionen von Schweizer Bürgern. Ohne Wenn und Aber. (copy paste 23:58)

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