Umstrittener Schleier

04. Mai 2010 23:50; Akt: 05.05.2010 06:23 Print

Was steckt hinter dem Burka-Verbot?

Nach dem Minarett soll die Burka verboten werden. Stehen dahinter berechtigte Sorgen oder nur billige Islam-Hetze?

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Der Ruf nach einem Burka-Verbot wird immer lauter. Entfachen konservative Kreise damit eine Polemik um ein Problem, das in der Schweiz keines ist? Lanciert hat die aktuelle Debatte der Aargauer Grossrat der Schweizer Demokraten, René Kunz. Er stellte den Antrag zur Ausarbeitung einer Standesinitiative, die vom Bund ein schweizweites Burka-Verbot im öffentlichen Raum fordert.

Das Aargauer Kantonsparlament erklärte den Vorstoss am Dienstag mit 89 gegen 33 Stimmen für erheblich. Widerstand leisteten nur SP und die Grünen. Ähnliche Vorstösse werden in Kürze auch die Parlamente der Kantone Bern und Solothurn diskutieren.

Die Frage stellt sich jedoch, ob es in der Schweiz tatsächlich ein Burka-Problem gibt. Nein, ist der Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze überzeugt. Er habe in der Schweiz noch keine Burka-Trägerin gesehen, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Islam-Hetze oder berechtigtes Frauenanliegen?

Bei der Diskussion um den Ganzkörper-Schleier handle es sich um eine Skandalisierung des Islam, bei der gewisse Medien eine bedenkliche Rolle spielten. Bestimmte Aspekte des Islam liessen sich gut in einfache Nachrichten fassen, sagte Schulze. In der Öffentlichkeit falle dadurch rasch ein Urteil, das mit der Realität nichts zu tun habe.

Im Aargauer Kantonsparlament wurde jedoch moniert, die Burka sei ein «Machtsymbol der Dominanz des Mannes über die Frau». Eine Meinung, die alt CVP-Nationalrätin Rosmarie Zapfl teilt. Aber: Der Ganzkörper-Schleier sei einfach der sichtbare Teil der Diskriminierung, welcher die Frauen ausgesetzt seien.

Dahinter stünden viel schwerwiegendere Mechanismen der Unterdrückung wie Zwangsheirat oder Beschneidungenen, sagte die Präsidentin des Frauendachverbandes alliance F gegenüber der SDA. Und dabei handle es sich um schwere Menschenrechtsverletzungen.

Ein Burka-Verbot könne diesen zwar nicht Einhalt gebieten. «Man kann aber ein Zeichen setzen und sagen: Bis hier und nicht weiter!», sagte Zapfl. Dass damit auch jene Frauen eingeschränkt werden, die freiwillig eine Burka tragen, nimmt Zapfl in Kauf.

Eine Haltung, die Amnesty International heftig kritisiert. Die Menschenrechtsorganisation hält ein Burka-Verbot für weder angemessen noch ein Schritt für mehr Frauenrechte. Ein generelles Verbot beschneide die freie Meinungsäusserung sowie die Religionsausübung von Frauen, die freiwillig einen Schleier oder eine Burka tragen würden.

Konservative machen mobil

Der Lausanner Politikwissenschafter Georg Lutz sieht in der Diskussion um ein Burka-Verbot ein «hochgradig symbolisches Problem», wie er gegenüber der SDA sagte. Er vermutet, dass darin «das national-konservative Element viel relevanter» sein wird als Frauen, die ebenfalls ein Verbot fordern.

Dies habe der Konflikt um das Minarett-Verbot gezeigt. Eine andere Frage sei, ob sich ein solches Verbot politisch überhaupt durchsetzen lasse. «Geht es an die Umsetzung, müssen Politiker sich fragen, was das Verbot konkret heissen würde, zum Beispiel für das Tragen von Kopftüchern oder für Nonnen», sagte Lutz gegenüber der SDA.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Santiago am 06.05.2010 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Das Bröckeln der neutralen Schweiz

    warum muss die schweiz ein burkaverbot fordern...man sieht ja nun wirklich nicht mehr als 1x in 10 jahren eine burkaverschleierte frau...müssen die schweizer wieder beweisen (wie bei der minarettabstimmung)dass sie ein rassistisches kleindenkendes volk ist??

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  • Markus am 05.05.2010 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Notwendig

    Erstaunlich, dass es immer noch Ewiggestrige gibt, die in ihren harmonischen Traumwelten leben und die zukünftigen Probleme der Schweiz nicht sehen wollen. Es ist absolut notwendig dem sich ausbreitenden Islam die Grenzen zu zeigen und Auswüchse wie die Burka von vorneherein zu verhindern. Genau gleich hat man das vor über 160 Jahren auch mit dem konservativen Katholizismus gemacht. Ich denke mal, das war gut so!

  • A. R. Gauleiter am 06.05.2010 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon, denn schon...

    Super gemacht liebe Aargauer, aber bitte verbietet doch auch gleich die weissen Socken!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chalid ibn al-Walid am 17.05.2010 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bischofskonferenz mit Doppelmoral

    Die Schweizerische Bischofskonferenz hat beschlossen, ein Burka-Verbot zu unterstützen. Da musste ich schon schmunzeln, denn die katholischen Bischöfe sollten im Moment die Letzten sein, welche irgendein religiöses Verbot fordern. Ansonsten müsste man sich ja auch überlegen, ob man das Zölibat in der Schweiz nicht verbieten möchte, da es eindeutig die Pädophilie fördert. Oder vielleicht sollte man den Bischöfen und Priestern verbieten, überhaupt Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen. Und dass Fraue keine Bischöfinnen werden dürfen, ist auch ein Skandal, deshalb muss sofort ein neues Gesetz her

  • ...... am 17.05.2010 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    gedankenloser Verbot

    ich verstehe nicht wie manche Menschen es damit haben, dass Burka oder Verschleierungen etwas damit zu tun hat, dass die Frauen geringer geschätz werden oder unter dem Drang der Ehemänner oder weiss nicht was, die Bedeckung tragen? Eyh wir leben im zwanzigsten Jarhundert,mittlerweile muss mach nichts machen, was mann nicht will. Schnallt das endlich,dass die, die Verschleiert sind es auch wollen und nicht unter Zwang das machen!!! und das mit dem Burka Verbot find ich eine Beleidigung und Verletzung des Freiheisrechtes.Wenn dies in kraft tritt, ist das der Beweis das die Schweiz rassistisch is

    • sanara am 26.05.2010 23:57 Report Diesen Beitrag melden

      unterdrückung, ganz sicher nicht?!

      bist du dir da ganz sicher das dies nicht mit unterdrückung zu tun hat.? da liegst du aber ziemlich falsch! es gibt viele muslimische frauen die ein kopftuch tragen müssen, weil mann es ihr vorschreibt !nicht um sonst gibt es noch frauen aus muslimischen familien die ungewollt verheiratet werden! Und wehe du stellst dich gegen die familie! ein todesurteil!!

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  • Corinne am 16.05.2010 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Scheich Abdurrahman,

    der in der Al-Diraa-Moschee im Zentrum der saudischen Hauptstadt Riad predigt, sagte: "Wenn ein Muslim seine Religion nicht schützen kann, dann soll er auswandern. Denn das Land Gottes ist groß." Der saudische Prediger erklärte weiter: "Wenn die Muslime, die dort leben, die Botschaft ihres Glaubens nicht verbreiten dürfen, dann sollen sie das Land des Unglaubens verlassen."

    • Erwin Flück am 19.06.2010 11:41 Report Diesen Beitrag melden

      Ganzkörperverschleierung verbieten

      Burkas und Nikabs gehören nicht in die Schweiz! Wer sich derart vermummt, dokumentiert damit:Ich will nichts von dir wissen, du sollst aber von mir auch nichts wissen! Diese Leute kommen nicht in die Schweiz, weil sie mit uns leben wollen, sondern sie schätzen unsere Sicherheit, Freiheit und den relativen Wohlstand. Erwin Flück, Dulliken

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  • Laura am 14.05.2010 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    SF1 Der Club - Thema:

    "Braucht die Schweiz ein Burka-Verbot?" Diese Sendung hätte so manchen deutlich gemacht worum da eigentlich get's. Aber 20 min hat die Sendung verpasst, oder eher für nicht erwähnenswert betrachtet. Zumindest ich habe nichts davon gefunden.

  • Laura am 14.05.2010 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    FÜR DIE TOLERANTEN Teil 2

    Wie Frau Illi zum Islam kam: Sie ist zum Islam konvertiert nachdem sie auf eine Reise in Dubai den Muezzin gehört hat. Ein Glück also, dass wir das Minarettenbau-Verbot angenommen haben, sonst würde heute da von Niqab-Trägerinnen nur so wimmeln. Erwartungsgemäss verunmöglichte diese radikale Konvertitin eine sachliche Diskussion. Natürlich betonte sie "im Club" wiederholt ihre selbstzugewiesene Opferrolle. Emotionale Erpressung: Sie ist entschlossen, bis am Ende ihres Lebens z.H. zu bleiben, oder "von Tür zu Tür" gefahren zu werden. Kindischer Trotz, denn WEN bestrafft sie damit?