Felssturz-Serie

15. August 2019 07:45; Akt: 15.08.2019 08:31 Print

Jeden Tag donnern Riesenbrocken ins Tal

In der Schweiz häufen sich diesen Sommer die Extrem-Ereignisse. Die Gefahr ist auch für Wanderer gross.

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In den letzten Wochen gab es haufenweise Murgänge, Rutschungen, Steinschläge und Felsstürze. Am Montag lösten sich nach einem Gewitter bei Avers GR grosse Brocken Geröll und Fels: Sie fielen auf die Kantonsstrasse, seither ist das Tal von der Aussenwelt abgeschnitten (20 Minuten berichtete).

In Brienz GR donnerte am Dienstag ein 100-Tonnen-Stein direkt am Spielplatz vorbei ins Tal. Am Mittwoch kam es zu einem Felssturz am Piz Cengalo. Am Montagabend traf ein Felssturz die Kantonsstrasse und die Schiene zwischen St. Niklaus und Zermatt. Anfang Juli wurde eine Basler Wanderin (55) im Naturpark Gantrisch im Berner Oberland von einem herabstürzenden Stein derart schwer verletzt, dass sie noch vor Ort ihren Verletzungen erlag. Die Liste der Ereignisse liesse sich noch verlängern.

Häufigere Felsstürze

Ein Teil der Abgänge in den letzten Tagen sei auf die teils lokal extremen Niederschläge zurückzuführen, sagt ETH-Professor Simon Löw. Bei Regen steige die Gefahr für Felsstürze drastisch an. Zudem bewirke der Klimawandel, dass Permafrostböden tauten und Gletscher sich zurückzögen. «Die Dynamik und Intensität der Niederschläge verändert sich durch den Klimawandel – und zwar ungünstig.»

Dadurch werde es auch in den Schweizer Alpen gefährlicher: «In einer kürzlich verfassten Arbeit konnten wir zeigen, dass es aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahrzehnten immer häufiger zu Felsstürzen von bis zu mehreren 100'000 Kubikmeter Volumen kam», so Löw. Auf der anderen Seite hat sich in den letzten 300 Jahren die Häufigkeit von Bergstürzen nicht verändert.

Im Vergleich zum Ausland würden der Bund, die Kantone und Gemeinden aber viel tun, um die Gefahren zu minimieren. «Beispielsweise sind viele gefährdete Strassenabschnitte systematisch markiert und mit Schutzbauten ausgestattet», sagt Löw. Anders sehe es auf Wanderwegen im Gebirge aus. «Als Laie kann man die Gefährlichkeit einer Situation nur schlecht einschätzen. Daher lebt gefährlicher, wer häufig in alpinem Gebiet unterwegs ist.»

«100 Millionen für Schutzwälder und -dämme»

Arthur Sandri von der Abteilung Gefahrenprävention im Bundesamt für Umwelt (Bafu) betont, dass Bund, Kantone und Gemeinden die Aufgabe hätten, Menschenleben und erhebliche Sachwerte vor Naturgefahren wie Stürzen und Rutschungen zu schützen. Jährlich würden sie rund 100 Millionen Franken in den Schutz vor Steinschlag, Lawinen und Rutschungen investieren, etwa mittels Schutzwäldern, Hochwasserschutzdämmen, Lawinenverbauungen oder Sperrungen.

Er appelliert auch an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen:«Grundsätzlich schützt man sich vor Rutschungen am besten, indem man die Gefahrenkarte beachtet und sich während Starkniederschlägen nicht in exponierten Gebieten aufhält.» Der zunehmende Anspruch, auch in der Freizeit in Risikogebieten – also entlang Bächen und Flüssen im alpinen Raum – geschützt zu werden, sowie die stetige Ausdehnung der Nutzung potenziell gefährlicher Gebiete durch den Menschen seien die grössten Herausforderungen, sagt Sandri.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susi am 15.08.2019 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stoppen, jetzt

    Bei uns bröckeln die Berge, in der Artis und im Süden brennen die Wälder, Wirbelstürme fegen über Europa, der Amazonas wird abgeholzt, da finanziert die CS fleissig mit, in Brasilien das gleiche, Mamutbäume müssen fallen nur für den Profit der Eliten, stoppen wir endlich die Massentierhaltung, jeder Bauer nur soviel Tiere, die er mit seinem Land auch füttern kann, ernähren wir uns wieder wie vor dieser Globalisierung, die alles zerstört.

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  • Margrit Aegerter am 15.08.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ansatz ändern

    Das Problem sind halt schon wir. Viele Gebiete werden unbewohnbar. Danach wird dort dafür wieder echte Natur. Ich glaube aber immer noch nicht, dass wir mit den 5rp für ein Plastiksäckli und diversen Gebühren die Natur retten... Der Ansatz ist falsch, die Grossindustrie muss zurückgebunden werden, auch die industrielle Tierhaltung. Ich denke an grosse Klimasünder wie China, Asien generell, USA, Russland, Südamerika, Stromerzeugung in D mit Kohle usw. Da schweigt man aus wirtschaftspolitischen Gründen lieber und zockt dafür einfacher uns ab. Jeder sollte im Alltag bei sich anfangen.

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  • Ein Kenner am 15.08.2019 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich

    Natürlich. Aus Wanderwegen werden Downhillstrecken. Nebst Wanderer-Hechtrollen sieht man auch die zusätzliche starke Erosion des Bodens durch Fahrräder verursacht. Die Murmeltiere rennen um ihr Leben. Die Kühe sind verrückt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bobo am 15.08.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    jeder der angst hat soll

    zuhause bleiben, die andern werden ihnen das hoch anrechnen

  • zyniker am 15.08.2019 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    retourkutsche

    alles normal. gabs schon immer.

  • Geologe am 15.08.2019 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Man nennt dies auch Erosion

    Dass die Berge bröckeln ist seit Millionen von Jahren so und nennt sich Erosion. Was soll der Klimahype nun konkret damit zu tun haben? War das bröckelige Gestein früher Permafrost? Wohl kaum, wenn Strassen getroffen wurden.

  • Geo Llog am 15.08.2019 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Steinreiche Brocken

    Wenn das so weiter bröckelt, wird es in einer Million Jahren keine Strassen mehr über die Alpen geben. Und vielleicht wird bis dann auch noch den Elektoautos der Stecker gezogen.

    • Rea List am 15.08.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Geo Llog

      Bis in einer Million Jahren gibt es den Menschen nicht mehr, wir sägen munter an unserem eigenen Ast. Hoffentlich kann sich die Erde von uns erholen, bevor sie in einigen Milliarden Jahren von der Supersonne verglüht wird.

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  • Oswald am 15.08.2019 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ötzi rächt sich

    Müsst halt noch mehr Strassen und Häuser bauen in den Bergen, um Touris zu generieren.