Schweizer in Istanbul

01. Oktober 2018 21:48; Akt: 01.10.2018 21:48 Print

Wegen Terror-Verdachts an Einreise gehindert

Ein Schweizer will in der Türkei seine Verwandten besuchen. Nach der Ankunft am Flughafen setzen ihn die Zollbehörden nach stundenlangem Warten in den Flieger zurück nach Zürich.

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Nach drei Stunden Flug kommt M. L.*, ein Schweizer mit syrischen Wurzeln, voller Vorfreude am Flughafen in Istanbul an. Um hier seinen Onkel, seine Tante und deren Kinder zu besuchen, die aus Syrien geflüchtet sind, hat sich der gelernte Koch extra eine Woche freigenommen. Dann der Schock: L. wird von zivilen Polizeibeamten beim Zoll aus der Schlange herausgenommen und in einen fensterlosen Raum geführt. «Stundenlang wusste meine Familie nicht, wo ich bin und was mit mir passiert ist», sagt L. in fliessendem Zürcher Dialekt.

Seinen Pass und sein Handy musste er abgeben, sein Koffer wurde durchsucht. So sei es ihm unmöglich gewesen, mit der Aussenwelt in Kontakt zu treten – auch nicht mit einem Anwalt. «Meine Verwandten machten sich riesige Sorgen, sie warteten bereits beim Ausgang und hatten für mich schon mein Lieblingsessen zubereitet», sagt L. Nach einiger Zeit sei er in einen weiteren Raum gekommen, der mit rund zwanzig weiteren Personen gefüllt war. «In diesem Moment verlor ich die Hoffnung, dass ich in die Türkei einreisen darf.»

Schwierige Kommunikation

Da die türkischen Beamten nur schlecht Englisch sprachen, sei die Verständigung schwierig gewesen. «Als ich fragte, aus welchen Gründen sie mich festhalten, wurden sie ohne Grund wütend und laut», so L. Er kann sich nicht erklären, wieso er an der Einreise in die Türkei gehindert wurde. «Erst letztes Jahr besuchte ich meine Verwandten in Istanbul, dort lief alles wie am Schnürchen.»

Nach weiteren Wartestunden sei er von einem Beamten zu einem Flugzeug begleitet worden, das kurz darauf nach Zürich abhob. Erst in der Kabine erhielt er sein Handy zurück. «Und bei der Landung in Zürich wartete die Flughafenpolizei schon auf mich.» Er sei allerdings froh gewesen, dass die türkische Schikane endlich ein Ende fand. «Der zuständige Polizist in Zürich war das komplette Gegenteil seines türkischen Kollegen – sehr freundlich und verständnisvoll.»

«Lachhafter Verdacht»

Im Gespräch mit einem Polizeibeamten will L. herausgefunden haben, wieso er zurückgeschickt wurde: Verdacht auf Mitgliedschaft bei der Terrororganisation IS. «Das ist einfach nur lachhaft – ich verabscheue den IS und verurteile seine Taten aufs Schärfste», sagt L. «Nur weil ich einen Bart trage und arabisch aussehe, werde ich in der Türkei unter Generalverdacht gestellt.»

Auf Anfrage bestätigt das Bundesamt für Polizei (Fedpol), dass die türkischen Behörden über die Rückweisung informiert haben, ohne jedoch eine Zugehörigkeit der Person zu einer Organisation zu nennen. Wie üblich in solchen Fällen sei die Person nach ihrer Ankunft überprüft worden.

Hoffen auf eine Aufklärung

«Die Einreise-Kontrolle in Zürich ergab keine Hinweise auf eine Straftat», sagt Mediensprecher Thomas Dayer. «Es sprach nichts dagegen, die Person wieder gehen zu lassen.»

L. ist froh, wieder zu Hause zu sein. «Als ich meinen Freunden und Arbeitskollegen von meiner Odyssee erzählte, waren sie schockiert.» Er hoffe jetzt, dass die türkischen Behörden das Missverständnis bald aufklären. «Ich würde meine Verwandten trotz allem gern wieder besuchen gehen.»

*Name der Redaktion bekannt

(dk)