Neue Regelung

03. Juli 2017 21:20; Akt: 03.07.2017 21:20 Print

Weil ihre Tiere stinken, droht den Biobauern Ärger

von Nikolai Thelitz - Ställe mit Auslauf stinken mehr, darum prüft der Bund grössere Abstände zu Wohnhäusern. Die Bauern fürchten sich vor Umbau-Kosten.

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Schonender Einsatz von Pestiziden, Auslauf für die Tiere und Rücksicht auf die Biodiversität: So läuft es in immer mehr Schweizer Bauernhöfen. Ganze 386 Betriebe haben sich per 1. Januar 2017 neu bei Bio Suisse angemeldet, der Bio-Umsatz stieg im letzten Jahr um 7,8 Prozent. Bereits 13,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird nach Bio-Standard genutzt.

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Dieser Boom hat jedoch auch eine Schattenseite: Mehr Gestank. Während sich die starken Gerüche in einem geschlossenen Schweinestall filtern lassen, entweichen Sie im Auslauf-Bereich in die Umwelt. Gleichzeitig nimmt die Wohnbevölkerung in der Nähe von Bauernhöfen laufend zu.

«Bund sieht erhöhtes Konfliktpotenzial»

Weil dies laut dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zu «erhöhtem Konfliktpotenzial» führt, greift die Behörde nun ein. Laut der «NZZ am Sonntag» soll die Luftreinhalteverordnung überarbeitet werden, die die Bevölkerung vor Tiergeruch schützen soll.

Dort ist minutiös festgehalten, bei wie vielen Tieren welcher Abstand zwischen Wohnhäusern und Ställen einzuhalten ist. So muss beispielsweise ein Stall mit 5000 Hühnern mindestens 113 Meter Abstand zum Wohngebiet haben.

«Landwirte haben es schon schwer genug»

Die Grundlage für diese Richtlinien bilden Studien der Forschungsanstalt Agroscope. Diese legte offenbar letzten Sommer einen Entwurf für eine Änderung vor, der zu teilweise grösseren Mindestabständen geführt hätte, die viele bestehende Ställe nicht erfüllt hätten.

Gegen die Pläne des Bundes wehren sich die Bauern. «Wenn die Regeln verschärft werden, müssen viele Bauern ihre Ställe kostspielig umbauen oder verschieben. Die meisten könnten das finanziell nicht verkraften und alternative Standorte sind kaum zu finden», sagt Landwirt und SVP-Nationalrat Markus Hausammann.

«Das wäre eine Entlastung für die Anwohner»

Er will darum in einer Interpellation vom Bundesrat wissen, ob es tatsächlich zu grösseren Mindestabständen kommen könnte und ob Bauerndörfer von strengen Regelungen ausgenommen werden könnten. «Wer auf dem Land wohnt, ist sich den Geruch gewöhnt, und wer aufs Land zieht, weiss, auf was er sich einlässt. Die Interessen können nicht gleich gewichtet werden wie in Stadt oder Agglomeration.»

Für Monika Sommer vom Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) wäre eine strengere Regelung hingegen wünschenswert. «Das wäre eine Entlastung für Anwohner, die unter den Gerüchen, aber auch unter Lärmemissionen der Tiere leiden.»

«Auf dem Land ist die Toleranz grösser»

Die neuen Richtlinien des Bundes müssten dabei sicherstellen, dass die Bevölkerung vor unangenehmen Gerüchen und auch vor möglichen gesundheitlichen Folgen geschützt sei. «Wenn Agroscope und das Bundesamt zum Schluss kommen, dass es strengere Regelungen braucht, dann ist das sicherlich gerechtfertigt.»

Sommer sieht jedoch auch die Anliegen der Landwirte als berechtigt. «Wenn ein Bauernbetrieb wegen strengerer Regeln umbauen muss, sollte die Zumutbarkeit im Einzelfall geprüft werden und auch die Interessen des Landwirts berücksichtigt werden.» Gerade auf dem Land sei die Toleranz für die Bauernbetriebe grösser, weshalb hier lockerere Regeln gelten könnten. Wie genau sich der HEV zu den neuen Vorgaben des Bundes stellt, will man laut Sommer nach der Publikation der Richtlinien entscheiden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Milunidu am 03.07.2017 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf dem Land

    Wer aufs Land zieht muss damit leben, dass es etwas anders riecht als in der Stadt. Das auch mal ein Hahn kräht oder man Kuhglocken hört. Entweder man akzeptiert das, oder sonst sollte man sich ein Haus in der Stadt suchen. Viecher machen nun mal Mist und riechen auch - gopf nomau!

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  • doris stiebellehner am 03.07.2017 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dichtestreas

    dichtestress. wieso müssen sich eigentlich immer die bereits ansässigen an die neuen anpassen? jeder der in die nähe eines bauernhofes/flughafens/bahnhofs/Badi etc... sollte doch wissen, dass das mehr Emissionen gibt. möchte ich das nicht, ziehe ich nicht dort hin...

  • M.Furrer am 03.07.2017 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wie denn?

    Wie sollen denn die Abstände zu den Wohnhäusern immer grösser werden, wenn immer verdichteter gebaut wird?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cono am 04.07.2017 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Fleischesser,weniger Gestank

    Esst weniger Fleisch dann ist das Problem gelöst.

  • Frankyboy am 04.07.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Menschen

    Alle reklamieren wegen dem gestank, aber haben selber vergessen woher ihre Wurzeln eig. kommen. Ohne Bauern, keine Menschheit mehr.

  • Panzer am 04.07.2017 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Ein bisschen Rücksichtnahme seitens der Bauern ist natürlich zu viel verlangt. Was auch sonst...

    • Fragende am 04.07.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte?!

      ....seitens der Bauern? Wieso nicht gleich....seitens der Tiere? Hallo!!!! Die Bauern waren zuerst da.

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  • P.S. am 04.07.2017 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bauernlobby = Gejammer

    Niemand in der Schweizer Politik stellt sich so dermassen als Opfer dar, wie die Bauern. Die Mehrheit von uns will ihnen ja helfen und subventioniert gerne für die harte Arbeit. Auch ich. Aber sobald etwas auch nur schon angedacht wird, schreien die Bauern. Man könnte auch nur zukünftige Bauten diesen Regeln unterstellen und keiner der Bauern müsste teuer umbauen.

  • Ludwig am 04.07.2017 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Tierwohl

    Wenn einer die Tiere nicht im eigenen dreck liegen lässt, wie es sein sollte, dann stinken sie auch nicht so sehr. Tierwohl und Bio sind nicht das gleiche. Ich finde schon, dass wir mehr für das Wohl der Tiere tun müssen. Das wird letztlich natürlich auch höhere Kosten mit sich bringen. Umgekehrt, wie oft dem Bürger eingeredet wird: wenn das Fleisch teuerer wäre, heißt noch lange nicht, dass es dadurch den Tieren besser ginge. Nur indem wir die Tiere vor dem Menschen besser verbergen, wird die Situation noch lange nicht besser werden. Auch ein Schwein mag nicht unbedingt stinken müssen.