Illegale Absprachen

26. April 2018 07:24; Akt: 26.04.2018 14:57 Print

Bündner Baukartell wird von der Weko gebüsst

Die Wettbewerbskommission straft Bündner Bauunternehmen wegen illegaler Preisabsprachen. Die Busse beläuft sich auf insgesamt 7,5 Millionen Franken.

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Im Unterengadin manipulierten Bauunternehmen über Jahre hinweg Beschaffungen im Hoch- und Tiefbau. Die Wettbewerbskommission hat sieben Firmen mit rund 7,5 Millionen Franken gebüsst. Die Firmen sprachen die Preise ab und legten fest, wer den Zuschlag erhalten soll.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bauunternehmen im Kanton Graubünden von der Wettbewerbskommission (Weko) gebüsst werden. Bereits im Juli 2017 liess sie illegale Absprachen im Münstertal aufliegen. Damals deckte die Weko auf, dass Hoch- und Tiefbauunternehmen zwischen 2004 und 2012 bei über 100 Ausschreibungen die Preise absprachen und bestimmten, wer den Submissionszuschlag bekommt.

Die Weko hat nun eine weitere kartellrechtliche Untersuchung im Kanton Graubünden abgeschlossen, wie sie am Donnerstag bekannt gab. Sie stellte fest, dass Bauunternehmen in verschiedenen Kartellen mehrere hundert Ausschreibungen im Hoch- und Tiefbau abgesprochen hatten.

Vom Baumeisterverband organisiert

Die Bauunternehmen stimmten jeweils untereinander ab, welches von ihnen den Auftrag erhalten soll. Meist wurden gleichzeitig die Offertpreise bestimmt. Einen Teil der Kartelle führten die Bündner Bauunternehmen systematisch und über mehrere Jahre hinweg durch, wie das Online-Magazin «Republik» und die «NZZ am Sonntag» aufdeckten. Die Abreden wurden zum Teil an den vom bündnerischen Baumeisterverband organisierten Vorversammlungen getroffen.

Die Kartelle betrafen Ausschreibungen des Kantons Graubünden, von Gemeinden des Unterengadins und von Privaten. Die Auftragshöhe der abgesprochenen Bauarbeiten reicht von wenigen zehntausend bis zu mehreren Millionen Franken.

Konkret büsste die Weko sieben Unternehmen mit insgesamt über 7,5 Millionen Franken. Dazu zählen Foffa Conrad AG, Bezzola Denoth AG, Zeblas Bau AG, Lazzarini AG, Koch AG Ramosch, Alfred Laurent AG und René Hohenegger Sarl.

Bussenhöhe variiert stark

Die Bussen bewegen sich pro Unternehmen zwischen einigen zehntausend bis rund fünf Millionen Franken - je nach Schwere und Anzahl der Kartellgesetzverstösse. Bei einem Teil der Unternehmen hat die Weko die Busse reduziert, weil diese mit ihr kooperierten. Wegen Verjährung nicht gebüsst wird die Impraisa da fabrica Margadant.

Der Baumeisterverband zahlt ebenfalls keine Busse, muss aber die Verfahrenskosten tragen, da er zum Teil an der Organisation dieser Kartelle beteiligt war. Die Entscheide der Weko sind noch nicht rechtskräftig und können an das Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 26.04.2018 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich geht was

    Wundert mich nicht, Korruption gibt es nicht nur im Ausland. Bei uns ist alles einfach schöner verpackt. Preise und Baustandard driften immer weiter auseinander.

  • Insider am 26.04.2018 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Ist bekannt und darf nicht toleriert werden.

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  • Urs am 26.04.2018 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absprechen!

    Solche Absprachen müssen gebüsst werden. Wer bezahlt am ende der Kette. Der Mieter und Konsument.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seppl am 26.04.2018 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Ja wir Bündner schauen noch für einander. Es verwundert mich nicht das dieses Verhalten bei den Unterländern etwas befremdlich wirkt. Hauptsache bei der Zweitwohnungsinitiative ein fettes Ja in die Urne gelegt ohne sich über die Konsequenzen im klaren zu sein. Irgendwie muss nan ja die Arbeitsplätze in den Alpentälern erhalten. Kartell? wohl eher Zunft!

    • Xeno72 am 29.04.2018 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seppl

      Ihr bizarres Votum belegt, dass das Kartellrecht viel zu milde ist.

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  • Evi am 26.04.2018 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohin geht das Geld?

    Mich würde interessieren wohin das Geld fliesst. Der Verbraucher, der wegen Kartellabsprachen jahrelang zu viel bezahlt, erhält keine Rückzahlung

    • Xeno72 am 26.04.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Evi

      Bussen fallen immer in die Kasse des büssenden Gemeinwesens, hier des Bundes.

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  • Bündner am 26.04.2018 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Da tragen viele Mitschuld daran...

    Da habt ihr eine weitere negative Folge der Zweitwohnungsinitiative. Dachtet ihr etwa, dass sich Gehälter und Stellen bei schlagartig extrem gesunkenen Auftragsvolumen nicht wegradieren würden? Ein Preiskrieg hat begonnen der alles geschädigt hat in der Wertschöpfungskette, so wurde dem ein wenig Einhalt geboten bevor die Preise ganz im Keller landen. Vielen Dank unbetroffene Unterländer, Gruss, ein Bündner in der Baubranche

  • Stefan Meier am 26.04.2018 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alltag

    Die Politik soll involviert gewesen sein, ganz erstaunlich!

  • Namebekannt am 26.04.2018 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kriminelle?...

    Das ist im Graubünden nicht nur in der Bauszene so. Leute die übermässig zu Geld kommen werden dort vergöttert und von den lokalen geschützt. Wird man dagegen laut, steht Dorfmobbing an. Die lokalen collegas sehen darin keine Kriminalität. All dies unter dem Schutzmantel des Erhalten der eigenen Kultur.