Röstigraben bei PDA

03. November 2016 15:50; Akt: 03.11.2016 15:50 Print

Welsche Frauen gebären deutlich öfter betäubt

von Camille Kündig - Ge­bä­ren­de aus der Romandie lassen sich viel häufiger als Deutschschweizerinnen ein Anästhetikum spritzen. Ein Experte liefert mögliche Erklärungen.

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Im Genfer Universitätsspital lassen sich über 80 Prozent der Gebärenden ein Lokalanästhetikum spritzen. (Foto: Getty Images)

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Am schmerzempfindlichsten sind die Frauen in der Romandie, könnte man zugespitzt sagen. Eine Datenerhebung von 20 Minuten zeigt: Zwischen 62 und 80 Prozent der angehenden Mütter aus der Westschweiz lassen sich bei der Geburt im Spital eine Periduralanästhesie (PDA) spritzen, um ihre Schmerzen zu lindern.

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In der Deutschschweiz tun dies lediglich 25 bis 30 Prozent der Gebärenden. Eine Ausnahme bildet das Universitätsspital Basel. Dort wünscht sich rund die Hälfte der Frauen eine solche Spritze, dasselbe gilt für die Spitäler im Tessin.

Lassen sich Gebärende bei ihrer natürlichen Entbindung ein Anästhetikum injizieren, lindert das ihre Schmerzen beträchtlich, vermag sie sogar ganz zu eliminieren.

Tiefste PDA-Rate im Inselspital Bern

Gebrauch von dem schmerzstillenden Mittel machen die meisten Frauen im Universitätsspital Genf. Dort wählen über 80 Prozent der Gebärenden ein Lokalanästhetikum, um die Niederkunft möglichst schmerzfrei zu erleben.

Die tiefste PDA-Rate hat das Inselspital in Bern. Lediglich 25 Prozent der Gebärden lassen sich hier eine Spritze setzen. Sprecherin Susanne Bandi sagt: «Unsere Ärzte raten nicht ab von der PDA, drängen sie aber auch nicht auf.»

Deutschschweizer wenden sich häufig an die traditionelle Medizin

Doch woher kommt dieser «Röstigraben»? Evolutionsmediziner Frank Rühli sagt: «Die Wahl einer schmerzstillenden Anästhesieform könnte von regionalen medizinischen Traditionen abhängig sein.»

Seine Hypothese: «Es ist denkbar, dass sich der ‹Röstigraben› durch die unterschiedlichen historischen Entwicklungen des deutschsprachigen und frankophonen Gesundheitssystems erklären lässt.»

Im französischen Sprachraum werde die Medizin tendenziell eher staatlich reguliert. Im deutschen Sprachraum hingegen herrsche eine Tradition vielfältiger Behandlungsmethoden. «Hier wenden sich die Leute häufig auch an die traditionelle Medizin.»

Welsche Eltern sind weniger impfkritisch

Diese Theorie stützen auch Zahlen der Nachbarländer: In Deutschland wird die PDA durchschnittlich bei 25 Prozent der vaginalen Geburten eingesetzt, das geht aus einer Auswertung des deutschen Aqua-Instituts (Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen) hervor. In Frankreich hingegen entscheiden sich zwischen 60 und 80 Prozent der Frauen für die rückenmarksnahe Anästhesie (Zahlen variieren je nach Quelle).

In der Schweiz lassen sich die unterschiedlichen medizinischen Traditionen auch an Statistiken der Nutzung von Homöopathie oder an den Impfraten ablesen. So zeigen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit beispielsweise, dass welsche Eltern weniger impfkritisch sind als Deutschschweizer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mister Dude am 03.11.2016 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Geburt

    ist so was von individuell. Das kann von 10 Minuten bis 20 Stunden gehen. Ich denke jede Frau soll das machen was für sie am besten ist.

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  • Weiss, wies geht am 03.11.2016 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit

    Ich habe ein Kind mittels PDA, eines ohne PDA und eines per Kaiserschnitt geboren. Die Geburt per PDA war die schönste und entspannteste von allen. Nach der PDA war ich auch am schnellsten wieder fit. Ich würde sofort wieder so entscheiden. Sollte mich meine Tochter diesbezüglich je um Rat fragen, würde ich ihr die PDA empfehlen.

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  • luna am 03.11.2016 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht weniger wert

    ich habe vor 3 monaten meine tochter geboren. nach 20 stunden wehen hatte ich keine kraft mehr und es ging nichts vorwärts. nach 21 stunden wurde erst die pda gemacht, 2 stunden später war mein sonnenschein da. ich würde es wieder so machen weil einem irgendwann die kräfte verlassen und ich finde das man deswegen nicht weniger wert ist auch wenn manche frauen denken sie seien stärker weil sie keine pda hatten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nichts!!!! am 04.11.2016 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überhaupt

    Ich war mit unserem Sohn 16. Stunden in den künstlich Wehen. Die letzten 5 Stunden bekam ich eine PDA und es hat mir soviel gebrach wie ein Glas Wasser.

  • Monita am 04.11.2016 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmerzfrei

    An alle Mütter die erzählen die Geburt war schmerzlos. Bitte erklährt mir das! Keine Wehen? Oder nur sehr schwach? Ich verstehe es nicht. Haben Frauen wirklich so unterschiedliche Warnehmung, oder sind das eben die, die alle Schmerzen vergessen, wenn das Kind da ist? Bitte klärt mich auf :-)

  • Benni am 04.11.2016 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So oder so

    Meine Hochachtung vor allen Müttern! Möge der süsse Wonneproppen später nicht zur Nervensäge werden

  • Panzer am 04.11.2016 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Möglich wär's

    Das hat mit der Gleichstellung von Mann und Frau zu tun. Frau werden immer mehr zum Mann und vertragen darum keine Schmerzen mehr.

    • Ironistin am 04.11.2016 11:43 Report Diesen Beitrag melden

      @Panzer

      Deshalb werde ich nie Kinder auf die Welt bringen. Das wäre ein Schritt gegen die Gleichstellung und Emanzipation. Sollange Männer keine Kinder bekommen müssen, werde ich das aus Trotz auch nicht tun. Ich finde das äusserst sexistisch, dass diese Bürde nur den Frauen auferliegt und die heutige Medizin und Technik noch nicht fähig ist, auch Männer gebären zu lassen!

    • Emanuelle am 04.11.2016 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Panzer

      Panzer,warum dieser Kommentar? Wir entwickeln uns weiter,haben dadurch mehr Möglichkeiten,hat nichts mit Frausein zu tun!Oder sollen wir lieber alleine unter einem Baum gebären?Wohl kaum!;-)

    • PraktischDenker am 04.11.2016 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Emanuelle

      Würde man bei der Geburt bereits wissen, wie das Kind als Erwachsener einmal wird, wäre das mit dem Baum gar keine schlechte Option. Bei Bedarf könnte man es dann dort gleich wieder verscharren...

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  • liatia am 04.11.2016 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    falscher Begriff

    der Begriff "betäubt" ist falsch und despektierlich. Man fühlt bloss nicht mehr alle Schmerzen, aber ist fern von Betäubung.

    • Claudia am 04.11.2016 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      der Begriff ist richtig

      ... man FUEHLT BLOSS NICHT MEHR! und was ist denn das anderes als betäubt?. Der Sinn des Fühlens wird betäubt.

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