Weltweite Umfrage

03. Oktober 2013 02:49; Akt: 03.10.2013 07:20 Print

Wenig Respekt für Lehrer in der Schweiz

Schweizer Lehrerinnen und Lehrer geniessen im internationalen Vergleich ein eher tiefes Ansehen, obwohl das Vertrauen der Bevölkerung ins Schulsystem sehr hoch ist.

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Lehrerinnen und Lehrer haben in der Schweiz im internationalen Vergleich einen eher niedrigen Status, obwohl das Vertrauen ins Schulsystem sehr hoch ist. Das zeigt eine Umfrage in 21 Ländern weltweit.

Den höchsten Status geniessen Lehrpersonen in China, den niedrigsten in Israel. Die Schweiz landet im unteren Teil der Rangliste: Sie nimmt den 15. Platz von insgesamt 21 Nationen ein, wie aus einem Communiqué der Stiftung Varkey GEMS Foundation vom Donnerstag hervorgeht.

Einen ähnlichen Status wie in der Schweiz haben Lehrer laut der Umfrage in Deutschland und Portugal. Deutlich höher ist das Prestige der Lehrpersonen beispielsweise in den europäischen Ländern Griechenland, Niederlande und Grossbritannien sowie in Südkorea oder Neuseeland.

Wenig Respekt

Vergleichsweise tief ist laut der Umfrage auch der Respekt, der Lehrern in der Schweiz entgegengebracht wird. Nur gut ein Fünftel (22 Prozent) der Befragten stimmten der Aussage zu, dass Lehrpersonen von ihren Schülern respektiert werden.

Damit befinde sich die Schweiz aber in guter Gesellschaft mit vielen anderen europäischen Ländern, heisst es im Communiqué der Stiftung. In Asien und im Nahen Osten gaben Umfrageteilnehmer hingegen häufiger an, dass Schüler ihre Lehrer respektieren. Am meisten Respekt gezollt wird den Lehrern in China.

Dort hält die Mehrheit der Befragten auch den Status der Lehrer mit demjenigen von Ärzten vergleichbar. In der Schweiz hingegen wurde wie in den meisten anderen Ländern der Lehrerberuf am häufigsten mit demjenigen des Sozialarbeiters verglichen.

Viel Vertrauen ins Schulsystem

Sehr gut schneidet das Schweizer Schulsystem im internationalen Vergleich ab: Einzig in Finnland schenken die Befragten dem Schulsystem noch mehr Vertrauen. Dies könnte mit dem relativ hohen PISA-Ergebnis der Schweiz zusammenhängen, heisst es im Communiqué.

Die Befragten würden den Lehrpersonen offenbar auch höhere Löhne gönnen. Der Betrag, der in der Schweiz als gerechtes Gehalt für Lehrer empfunden wird, liegt nach Angaben der Stiftung 23 Prozent über dem derzeitigen Durchschnittslohn der Lehrer. Sechs von zehn Befragten sprachen sich für leistungsbezogene Löhne aus.

Die Untersuchung stellte einen Zusammenhang fest zwischen den Leistungen der Schüler und dem Lehrergehalt, das die Befragten für angemessen hielten. Keinen eindeutigen Zusammenhang gebe es hingegen zwischen den Lernergebnissen und dem Status der Lehrpersonen, heisst es im Communiqué.

Erstmals erhoben

Für den erstmals erstellten «Global Teacher Status Index» wurden in 21 Ländern jeweils 1000 Personen befragt. Sie wurden zum Beispiel gefragt, wie sie den Lehrerberuf im Vergleich zu anderen Berufen wahrnehmen oder ob sie ihren eigenen Kindern raten würden, Lehrer zu werden.

Durchgeführt wurde die Umfrage von der Varkey GEMS Foundation. Sie ist der wohltätige Zweig der Firma GEMS Education, die in mehreren Ländern Privatschulen betreibt, darunter auch im waadtländischen Etoy. Verfasst wurde die Studie von Wirtschaftsprofessor Peter Dolton und Oscar Marcenaro-Gutierrez, Privatdozent im Fachbereich für Statistik und Ökonometrie.

Die Befragungen wurden in folgenden Ländern durchgeführt: Ägypten, Brasilien, China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Israel, Italien, Japan, Neuseeland, Niederlande, Portugal, Schweiz, Singapur, Spanien, Südkorea, Tschechien, Türkei, USA.

Gewerkschafter nicht überrascht

Georges Pasquier, Präsident des Westschweizer Lehrergewerkschaft (SER), ist vom schwindenden Vertrauen in die Lehrerschaft «überhaupt nicht überrascht». Dank der Schule sei das allgemeine Bildungsniveau in der Gesellschaft seit der Mitte des letzten Jahrhunderts gestiegen. Die Eltern seien heute deshalb oft gebildeter als die Lehrer.

Besonders in der Schweiz sei dies der Fall, wo Primarlehrer im Gegensatz zu den meisten OECD-Ländern nur gerade einen Bachelorabschluss hätten. Und die Situation verbessere sich nicht: «Mit dem aktuellen Lehrermangel wird heute fast jeder eingestellt», sagte Pasquier.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Hürzeler am 03.10.2013 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt??

    Respektlosigkeit zeigt sich nicht nur Lehrern gegenüber, sondern Respekt ist leider für viele Leute generell ein Fremdwort und das gilt für Jung und Alt!

  • eleisa am 03.10.2013 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es sind nicht immer die Lehrer

    Wenn man die Kommentare liest sind immer die Lehrer schuld, haben viel Ferien bla bla bla. Bin Mutter und habe die Kinder mit Respekt erzogen gegenüber Lehrer und Mitmenschen. Aber viele Eltern erziehen die Kinder zu verwöhnte Gören anstatt mal Nein zu sagen. Lehrer sein ist nicht leicht und bei vielen spricht der Neid wegen den Ferien. Es gibt Lehrer die sich in den Ferien auch weiterbilden. Früher hatten Lehrer ein grosses Ansehen nicht positiv ( Schläge gibts immer noch im Ausland) Die Eltern sind gefragt, Playstation nur am Wochenende und auch wenn man arbeitet kann man erziehen..

  • ein Vater am 03.10.2013 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    die lieben, verantwortungslosen Eltern

    Wenn ich bei meinen Kindern am Elternabend bin, muss ich mich regelmässig fremdschämen. Was da von den einen Eltern gefordert wird, ist schlichtweg eine Frechheit. Erziehung fängt nicht erst in der Schule an, das ist Sache des Elternhauses. Die Lehrer sollte ihren Job machen können, nämlich den Schülern etwas beibringen und nicht die Sonderwünsche all der Prinzessinnen und Prinzen erfüllen müssen, nur damit nicht gleich ein Anwalt auf der Matte steht. ...und nein, meine lieben Eltern, Ihr habt keine Ahnung von Schulunterricht, nur weil Ihr vielleicht selber einmal zur Schule gegangen seid!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dirk Schneider am 04.10.2013 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    d.h. Durchgreifen

    so ganz einfach erstens absolutes Handy Verbot und Einhaltliche Schulkleidung. Dann schlagen wir einen guten Weg ein....

  • kigä am 03.10.2013 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super ausbildungsgang

    ja wer halt drei jahre eine hoch wissenschaftliche ausbildung geniesst und davon nur 13 wochen in die realität,sprich praxis,eintaucht,kann aus meiner sicht noch nicht wissen wie der schulalltag läuft... und so sollen gute lehrer ausgebildet werden...tolle theoretiker...

  • eleisa am 03.10.2013 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es sind nicht immer die Lehrer

    Wenn man die Kommentare liest sind immer die Lehrer schuld, haben viel Ferien bla bla bla. Bin Mutter und habe die Kinder mit Respekt erzogen gegenüber Lehrer und Mitmenschen. Aber viele Eltern erziehen die Kinder zu verwöhnte Gören anstatt mal Nein zu sagen. Lehrer sein ist nicht leicht und bei vielen spricht der Neid wegen den Ferien. Es gibt Lehrer die sich in den Ferien auch weiterbilden. Früher hatten Lehrer ein grosses Ansehen nicht positiv ( Schläge gibts immer noch im Ausland) Die Eltern sind gefragt, Playstation nur am Wochenende und auch wenn man arbeitet kann man erziehen..

  • Herr Hürzeler am 03.10.2013 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt??

    Respektlosigkeit zeigt sich nicht nur Lehrern gegenüber, sondern Respekt ist leider für viele Leute generell ein Fremdwort und das gilt für Jung und Alt!

  • Poodel am 03.10.2013 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Das Niveau des Schweizer Schulsystems...

    ...war nie besonders hoch und im internationalen Vergleich sogar schlecht. Auch die Studienabgänger haben international schlechte Chancen.

    • joël zbinden am 03.10.2013 09:36 Report Diesen Beitrag melden

      Ich hoffe...

      Sie beherrschen die Gabe der Ironie:-)

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