Freiburg

09. Mai 2010 08:39; Akt: 09.05.2010 08:46 Print

Weniger Geld wegen Kopftuch

Die Stadt Freiburg kürzt Musliminnen wegen ihrer Kopfbedeckung die Sozialleistungen.

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Die Forderung nach einem Verbot der Burka hat den islamischen Dresscode für Frauen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Schleiertypen. Überall in der muslimischen Welt ist der verbreitet. Der Ausdruck Hidschab bezeichnet manchmal auch die gesamte islamisch korrekte Bekleidung für Frauen; er wird aber oft nur für das Kopftuch verwendet. Der Hidschab lässt das Gesicht frei, bedeckt aber die Ohren, die Halsregion und eventuell die Schultern. Der Hidschab kann bunt sein und durchaus auch als modisches Accessoire verwendet werden. Unterschiedliche Formen des Kopftuchs werden genannt. Die Al-Amira (Bild) besteht aus zwei Teilen; einer Art Kappe und einem schlauchförmigen Tuch. Die . Der Kopf ist bei der Abaya bedeckt, das Gesicht bleibt frei. Die Hände bleiben unbedeckt oder werden, bei strenger Auslegung, bedeckt. Die Abaya ist in der gesamten arabischen Welt verbreitet, vor allem auf der arabischen Halbinsel. Der (Farsi für «Zelt») ist die iranische Variante der Abaya. Er besteht aus einem grossen, in aller Regel dunklen Tuch, das die Form eines Halbkreises hat. Das Tuch wird über den Kopf und um den Rumpf geschlungen, so dass lediglich das Gesicht - oder auch nur ein Teil des Gesichts - frei bleibt. Der Tschador lässt das Gesicht und die Hände frei; er hat allerdings keine Schlitze für die Hände. Er wird in der Öffentlichkeit über der eigentlichen Kleidung getragen. Beim handelt es sich um eine Gesichtsverhüllung. Der Schleier wird in Kombination mit einem Tschador getragen, oder mit einem anderen langen, meist dunkel gefärbten Gewand. Es gibt unterschiedliche Formen; manchmal wird das Gesicht total verhüllt, wobei der Stoff blickdurchlässig ist, so dass die Trägerin ihre Umgebung sehen kann. Andere Formen lassen einen Augenschlitz frei, sind ansonsten aber blickdicht. Der Niqab ist vor allem in Saudi-Arabien, im Jemen und in anderen Regionen der Arabischen Halbinsel verbreitet. Die , die extremste Form der Verhüllung, ist vor allem in Afghanistan und zum Teil auch in Pakistan verbreitet. Sie besteht aus einem grossen Stofftuch, das oft in einem hellblauen Farbton gehalten ist. Im Kopfbereich ist eine Art von flacher Kappe eingenäht; die Augenpartie weist eine Aussparung auf, die quasi als Sichtfenster dient. Es ist durch ein Gitter aus Stoff oder Rosshaar abgedeckt. Das Gesicht ist daher bei der Burka vollständig bedeckt.

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Die Stadt Freiburg hat mehreren Musliminnen die Sozialleistungen für drei Monate um 15 Prozent gekürzt, weil die Frauen bei der Arbeit das Kopftuch nicht ablegen wollten. Das berichtet die «SonntagsZeitung». «Es darf nicht sein, dass Frauen wegen dem Kopftuch keine Arbeit finden und deshalb jahrelang in der Sozialhilfe bleiben», sagt die zuständige Freiburger Sozialdirektorin Marie-Thérèse Maradan (SP) gegenüber der «SonntagsZeitung».

Gegen die Kürzungen ist ein Rekurs hängig. Auch im Kanton Zürich gibt es Fälle, in denen religiöse Vorschriften die Integration von Klienten verhinderten. Ruedi Hofstetter, Chef des Sozialamts des Kantons Zürich, wartet darum gespannt auf den Entscheid in Freiburg: «Es ist wünschenswert, wenn ein Sozialamt einer grösseren Stadt einen Musterfall gerichtlich überprüfen lässt, damit wir wissen, ob solche Kürzungen zulässig sind.»

Für Qaasim Illi, Sprecher des Islamischen Zentralrats Schweiz, ist das Vorgehen der Freiburger diskriminierend. «Es darf die Entscheidung Arbeitsstelle oder Islam nicht geben.»