Prävention wirkt

30. Juli 2015 11:22; Akt: 30.07.2015 16:23 Print

Weniger Risiko-Trinker dank harter Gesetze

Je strikter die Alkohol-Gesetze der Kantone, desto weniger Jugendliche trinken übermässig. Doch junge Kampftrinker erreicht die Prävention nicht.

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Junge Männer wie diese auf der Landiwiese in Zürich trinken weniger, wenn die Alkoholgesetze in den Kantonen strikt sind. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Kantone, die mit Härte den Alkoholverkauf limitieren, haben deutlich weniger Jugendliche, die übermässig trinken. Dies hat eine Studie der Uni Zürich und des CHUV in Lausanne ergeben, die rund 5700 junge Schweizer Männer befragte. Knapp die Hälfte davon sind risikoreiche Trinker. Das heisst, mindestens einmal im Monat trinken sie mehr als sechs alkoholische Getränke auf einmal. Ein Drittel der Befragten trinkt zudem so oft, dass die Studienautoren von einem Alkoholproblem reden.

«Bei den Alkoholgesetzen geht es unter anderem um Kioske und Tankstellen, die Alkohol an Jugendliche verkaufen», sagt Mitautor Simon Foster. So hätten einige Kantone lokale Einschränkungen des Alkoholverkaufs, etwa in Schwimmbädern oder an Kiosken, oder zeitliche Einschränkungen wie ein Nachtverkaufsverbot.

Schweizweites Nachtverkaufsverbot wäre möglich

«Prävention wirkt, das hat diese Studie eins zu eins bestätigt», sagt Sprecherin Mona Neidhart vom Bundesamt für Gesundheit. Massnahmen wie die Einführung von höheren Preisen und die Einschränkung der Erhältlichkeit hätten einen klaren Einfluss auf den Konsum. «Es wird weniger getrunken.» Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen in Kraft seien, sei jedoch das Ergebnis eines politischen Aushandlungsprozesses. So werde derzeit das nationale Alkoholgesetz in den eidgenössischen Räten beraten. Neidhart: «Dort besteht die Möglichkeit, zum Beispiel ein schweizweites Nachtverkaufsverbot für alkoholische Getränke festzulegen.»

Einen weiteren Punkt zeigt die Studie ebenfalls auf: Wenn Jugendliche trinken, um etwas Aufregendes zu erleben oder um sich gegen die Gesellschaft aufzulehnen, haben die Gesetze kaum eine Wirkung. Simon Foster: «Diese jungen Männer mit dem höchsten Risiko können mit den bestehenden Präventionsmassnahmen nur schwer erreicht werden.»

Jugendliche auf dem Land trinken mehr

Das Problem kennt man beim Blauen Kreuz. «Mit dem Zeigefinger kommt man hier nicht weit», sagt Philipp Frei. Auf diese Jugendlichen müsse man mit Präventionskonzepten nahe am Alltag der Betroffenen eingehen. «Wir fragen Jugendliche etwa, was sie mit dem vielen Trinken erreichen wollen.» Oft sei das Ziel der Jungs, Mädchen zu beeindrucken und anzumachen. «Wir zeigen ihnen dann, dass Mädchen absolut nicht auf betrunkene Jungs stehen.»

Interessant sind auch weitere Ergebnisse der Studie. So zeigt die Befragung, dass Deutschschweizer (48%) mehr als Romands (44%) übermässig trinken. Dasselbe gilt für ländliche Regionen, wo dies bei jungen Männern deutlich öfter vorkommt (51%) als in der Stadt (42%).

Frei, Sprecher des Blauen Kreuzes, meint zum Stadt-Land-Unterschied: «Auf dem Land gibt es viele Dorffeste und Vereine, wo Alkohol einfach dazugehört.»

(ann)