Sexueller Missbrauch

26. Juni 2018 20:48; Akt: 26.06.2018 21:38 Print

Vergewaltiger kommt frei und zieht neben Opfer

Ein mehrfacher Vergewaltiger zieht nach seinem Gefängnisaufenthalt an den gleichen Ort wie sein Opfer – trotz Kontaktverbot. Die Frau fühlt sich ausgeliefert.

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An jenem Montag brach für M. H.* (35) eine Welt zusammen: Als sie bei der Arbeit auf der Post die Neuzuzüger der Gemeinde registrierte, tauchte der Name H. M.* (34) auf. Jener M., der sie über 40 Mal vergewaltigte, bedrohte, ihr nachstellte und zu drei Jahren Haft wegen Vergewaltigung, Nötigung und Drohung verurteilt wurde. Nach vorzeitiger Haftentlassung zieht M. trotz gerichtlichem Kontaktverbot prompt ins gleiche Städtchen wie H., keine 140 Meter von ihrem Arbeitsplatz entfernt.

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H. stutzte: «Aber ich tippte weiter und weiter. Wie eine Maschine. Und verdrängte, was sich zurück in mein Leben geschlichen hatte. Erst als ich den PC ausgeschaltet hatte, brach ich zusammen», schildert sie den verhängnisvollen Tag im «Beobachter». Wieso sie von den Behörden nicht über die vorzeitige Haftentlassung ihres Peinigers informiert wurde, bleibt offen.

Drohung, Vergewaltigung und Gefängnis

H.s Martyrium, das sie dem «Beobachter» schildert, nahm im Dezember 2011 seinen Lauf. Sie lernt M. im Internet kennen, bald folgt die Heirat in seiner nordafrikanischen Heimat. Er zieht nach Graubünden, sie wird schwanger. Es lief gut.

Mit der Geburt der Tochter im Oktober 2012 fingen jedoch die Probleme an: Er stösst sie, wird eifersüchtig. Verfolgt sie auf Schritt und Tritt, zwingt sie zu sich ins Bett. Manchmal viermal pro Woche, über 40 Mal. Sie will nicht, wagt es aber nicht, zu widersprechen. Aus Sorge, dass ihre Tochter etwas mitbekommt.

Schliesslich hält sie es nicht mehr aus, trennt sich von ihm und erwirkt im September 2014 ein Kontaktverbot. Er verfolgt sie trotzdem, steht sogar manchmal in der Wohnung. Den Pass der Tochter hat er mitgenommen, und er droht damit, auch das Kind mitzunehmen. Als sie bei einer Freundin Zuflucht sucht und er dort auftaucht, ruft diese die Polizei. H. M. wird verhaftet und muss ins Gefängnis.

Täter zeigt Opfer an

H. packt ihre Sachen und zieht mit der Tochter um, sie will nochmals neu anfangen. Und jetzt das. M. wohnt nur einen Steinwurf von ihrer Arbeitsstelle entfernt. Sie fühlt sich ohnmächtig, alleingelassen. Ein Brief der Opferhilfe ans Gericht blieb unbeantwortet. Die Polizei sagte: «Wir können erst eingreifen, wenn nochmals etwas passiert.»

Derweil steigt H’s Ex-Mann ihr wieder nach, steht eines Tages plötzlich neben dem Auto, in das sie sich gerade gesetzt hat. «Das Herz explodierte fast, ich bekam keine Luft», schildert sie dem «Beobachter» ihre Todesangst. Laut M’s Beistand ist diese Angst unbegründet, er sei jetzt ein besserer Mensch.

H. wird ihm bald wieder vor Gericht begegnen. M. will sich das Recht erkämpfen, die gemeinsame Tochter zu sehen. Ihren Pass hat er immer noch.


* Name geändert

(dk)