Häusliche Gewalt

23. November 2010 13:47; Akt: 23.11.2010 14:27 Print

Wenn die Teenager-Liebe gewalttätig wird

von Lukas Mäder - Nicht nur bei erwachsenen Paaren, sondern auch zwischen Jugendlichen kommt es häufig zu Gewalt. Die Betroffenen leiden schwer darunter.

storybild

Im Bereich Krisenintervention gebe es zu wenige Angebote wie das Mädchenhaus oder das Schlupfhuss, Sandra Fausch, Co-Leiterin der Bildungsstelle Häusliche Gewalt in Luzern. Archivaufnahme des Schlupfhuus in Zürich.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Klischee von der romantischen Jugendliebe stimmt oft nicht. Jede vierte bis fünfte junge Frau wird Opfer von körperlicher Gewalt ihres Freundes, zeigen Zahlen aus den USA und aus Grossbritannien. Männliche Teenager sind bis zu 18 Prozent betroffen. Schweizer Teenager dürfen ähnlich häufig zu Opfern werden. «Diese Zahlen stimmen mit der Erfahrung aus meiner praktischen Arbeit im Mädchenhaus Zürich überein», sagt Sandra Fausch, Co-Leiterin der Bildungsstelle Häusliche Gewalt in Luzern. Zahlen für die Schweiz gibt es keine, aber Fausch schätzt: «Gewalt kommt bei jugendlichen Paaren ähnlich häufig vor wie häusliche Gewalt unter Erwachsenen.» Je nach Befragung sind zwischen 10 und 20 Prozent der Frauen bereits einmal Opfer von körperlicher Gewalt ihres Partners geworden. Von sexueller Gewalt sind rund 10 Prozent betroffen.

Doch körperliche und sexuelle Gewalt ist nur ein Aspekt bei jugendlichen Paaren. Viel häufiger kommt es zu psychischer Gewalt, wie Fausch sagt. In einer englischen Studie gaben drei Viertel aller Mädchen und die Hälfte aller Knaben an, davon schon betroffen gewesen zu sein. «Psychische Gewalt empfinden die Betroffenen als genauso einschneidend wie körperliche Gewalt», sagt Fausch. Oft kommt es zu einer Kontrolle des Partners, die als einfache Eifersucht beginnt. Diese würde laut Fausch häufig als Liebesbeweis missverstanden, könne aber fliessend übergehen in eine Kontrolle, wann und mit wem sich der Partner trifft. Ebenfalls speziell bei Jugendlichen verbreitet ist das Zurschaustellen im Internet oder via Handy. Ein Viertel aller jugendlichen Mädchen gaben laut einer amerikanischen Studie an, schon einmal explizite Bilder von sich gepostet oder verschickt zu haben. Gut die Hälfte davon habe das unter Druck getan.

Drogen und Selbstverletzung

Die Auswirkungen solcher Gewalt in Teenager-Beziehungen sind drastisch. Betroffene Jugendliche zeigen ein risikoreicheres und gesundheitsschädigerendes Verhalten. Dazu gehört ein vermehrter Drogen- und Alkohol-Konsum, wie Fausch auch aus ihrer praktischen Arbeit weiss. «Die Betroffenen wollen sich ablenken oder betäuben.» Vor allem Mädchen und junge Frauen haben häufiger Essstörungen oder fügen sich selbst Verletzungen zu. «So wollen sie den Schmerz betäuben, den die Gewalt auslöst», vermutet Fausch. Vielleicht sei es auch eine Möglichkeit, irgendwie die belastende Erfahrung zu verarbeiten.

Von diesen Vorgängen ahnen die Eltern oft nichts – genauso wenig wie von der Gewalt in den Beziehungen. Zwar gebe es einen Austausch, so dass die Eltern meist von der Beziehung ihres Kindes wissen, sagt Flausch. «Sie haben aber keine Ahnung, was genau in der Beziehung läuft, und sprechen nicht über schlechte Erfahrungen.» Grund dafür könnte laut Flausch sein, dass die Eltern sich gar nicht vorstellen können, dass es zu Gewalt kommen könnte in der Beziehung ihres Kindes.

Sensibilisierung auf mehreren Ebenen

Doch die Jugendlichen sind nicht unbedingt auf die Hilfe der Eltern angewiesen. «Erstaunlicherweise schaffen es Jugendliche einfacher als Erwachsene, selbst Hilfe zu holen beispielsweise bei einer Jugendberatung», sagt Fausch. Doch dazu braucht es neben einer Information der Jugendlichen auch das entsprechende Hilfsangebot – und hier besteht Nachholbedarf. Gerade im Bereich Krisenintervention gibt es zu wenig, sagt Fausch. Das Mädchenhaus oder das Schlupfhuus seien häufig ausgebucht. Dass das Angebot von Anlaufstellen knapp ist, glaubt auch Irene Huber Bohnet von der Fachstelle gegen Gewalt, die beim Gleichstellungsbüro des Bundes (EBG) angesiedelt ist. «Doch diese sind wichtig, da die Jugendlichen in einem Alter sind, in dem sie sich nicht mehr an die Eltern wenden.»

Da in der Schweiz nur wenig über Gewalt in Teenager-Beziehungen bekannt ist, sind die Fachkräfte auch nicht speziell sensibilisiert. Deshalb sei eine vermehrte Schulung der Beratungsstellen nötig, sagt Fausch. Parallel dazu müsse aber auch die Grundlagenforschung vorangetrieben werden. «Denn die Fachpersonen müssen wissen, was in Beziehungen zwischen Jugendlichen passiert, um sie unterstützen zu können.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andi am 23.11.2010 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Dumm findet Dumm

    Ich wurde mal Zeuge wie ein Jugendlicher seine Freundin zusammenschlug. Als ich dazwischengehen wollte betrohte der Jungendliche mich aufs Massivste und drohte gar mit dem Tod. Danach fragte mich die geschlagene Frau, wieso ich mich eigentlich eingemischt hatte, ich hätte doch einfach weitergehen sollen...

    einklappen einklappen
  • Helene Kielholz am 24.11.2010 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt

    Schon vor mehr als 40 Jahren haben Arzte,Jugendsozialberater , Lehrer Versagt um Gewalt an Kindern und Tenagern ( Schlagen und Vergewaltigungen ) Anzuzeigen . Ich habe das am eigenen Leib erfahren ! Was solls ich bin auch alt geworden und es wird sich nie was àndern !

  • max hart am 24.11.2010 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    wer eine frau schlägt

    zeigt wie tief unten er sein niveau definiert. es gibt nie einen grund eine frau zu schlagen. auch die frauen sollen die männer nicht schlagen, wir leben ja mit der gleichberechtigung! natürlich können eingebildete frauen wut verursachen, wenn sie den freund wie dreck behandeln. doch bevor man zuschlät sollte man sein hirn benutzen und sich trennen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • B & T am 24.11.2010 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Gentlemen oder Schlägertyp

    Soweit wir dies beurteilen können oder auch dürfen, empfinden wir dies als eher stossend. Wir sind selbst noch Teenies und wir wissen wie man mit Frauen umzugehen hat. Es kommt alles auf die Erziehung der Eltern drauf an. Wir mussten lernen, dass ein Gentlemen besser bei Frauen ankommt als ein Schlägertyp. Deshalb, denken wir, schiesst sich der Schlägertyp ein Eigentor, wenn er sich so verhält. Deshalb sollten wir alle uns an der Nase packen und eingreiffen, wenn wir so etwas sehen. Sozusagen denn Männer-Ehrenkodex ehren: - Ein Mann schlägt keine Frau!!!

    • Andy am 24.11.2010 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      @B & T

      Und was macht Mann wenn Frau einem schlägt? Ich vertrete den gleichen Ehrenkodex! Aber irgendwo hat es eine Grenze! Die heutigen Mädchen wissen nicht wo ihre Grenzen sind! Ich würde denen doch schon gerne mal links und rechts eine runterhauen einfach damit sie wissen, dass sie nicht alles dürfen! Also so einfach ist das nicht! ich würde eher sagen: Ehre dem, dem ehre gebührt!

    • B & T am 24.11.2010 20:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Andy

      Haha... Grundsätzlich hast du ja schon recht... Aber ich denke runterhauen ist nicht die richtige Methode. Ich finde ignorieren schadet ihrem Ego viel mehr!

    • Bruno am 24.11.2010 20:30 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Find ich auch, man schlägt keine Frau. Aber es liegt an der Frau, sowas nicht zu verzeihen und wenn nötig hilfe holen.Wenn man als Mann von der Frau geschlagen wird, würd ich sie nicht schlagen, sondern davonlaufen ohne weiteren Kommentar. Man muss dann einfach konsequent bleiben. Nur so lernen schlagende Leute an sich selbst zu arbeiten.

    • Pat am 25.11.2010 07:29 Report Diesen Beitrag melden

      Dialog vs. Prügel

      Ich lese immer, man schlägt keine Frau. Richtig wäre jedoch, man schlägt überhaupt niemanden. Ich finde es absolut niederträchtig, wenn man nur noch mit Gewalt argumentieren kann. Ich denke, das ist ein grosses Problem unserer Gesellschaft. Die Jungen verlernen immer mehr sich richtig zu artikulieren. Oft höre ich junge Menschen, die einen dermassen beschränkten Wortschatz besitzen, dass ich mir zunehmend etwas Sorgen mache, wie das alles noch enden wird. Die Sprache ist das wichtigste Gut unserer Gesellschaft. Geht diese verloren, landen wir wieder im Keulenzeitalter.

    • Andy am 25.11.2010 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      ja kein missverständniss!

      Also ich schlage auch keine Frauen! Ausser 1mal, aber das war ne sanfte kleine Ohrfeige. Aber auch nur als Reaktion weil ich grundlos eine bekam. Seit dem hat sie das nie wieder gemacht! Es gibt Menschen die lernen es erst, wenn es ihnen selber passiert! Das mit dem Ignorieren kommt mir vor wie ein ausschnitt von Michael Mittenmeier! Ignorieren kann sau weh tun. @Pat Gewalt kann aber auch eine Lösung sein. Wenn 2 Männer Probleme haben, prügeln sie sich und gehen danach ein Bier trinken. Frauen schweigen und die Freundschaft ist vorbei! (allgemein gesagt, nicht auf alle bezogen)

    einklappen einklappen
  • Helene Kielholz am 24.11.2010 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt

    Schon vor mehr als 40 Jahren haben Arzte,Jugendsozialberater , Lehrer Versagt um Gewalt an Kindern und Tenagern ( Schlagen und Vergewaltigungen ) Anzuzeigen . Ich habe das am eigenen Leib erfahren ! Was solls ich bin auch alt geworden und es wird sich nie was àndern !

  • Andy am 24.11.2010 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    20min Zeitung

    Ich finde es eine frechheit von 20min, dass sie in der Zeitung die Gewalt gegen junge Männer einfach rausgeschnitten haben. Auch in diesem Bericht hier wird die Gewalt gegen Männer vermindert dargestellt. Jede 4.-5. Frau heisst zwischen 20 und 25%. 18% der Männer sind ebenfalls fast jeder 5.! Also bitte gleichberechtigt bleiben. Das Problem bei den geschlagenen Männern ist, dass niemand ihnen glaubt. Den Frauen glaubt man zwar aber handelt ebenfalls nicht. Ist schon traurig, wie wenig möglichkeiten ein Teenager hat, dem unrecht getan wird

    • Kyra am 24.11.2010 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt...

      Für Männer ist es wohl noch schlimmer, da sie emotional genauso leiden, aber wohl immernoch viel weniger damit umgehen können, weil man ihnen 1. vielleicht nicht glaubt und sie 2. nicht als Memmen dastehen wollen. In Australien gab's mal eine Serie über "battered men" - also Männer, die von ihren Frauen vermöbelt und drangsaliert werden. Fand ich super! Das hat einigen bestimmt die Augen geöffnet...

    einklappen einklappen
  • Nightstalker am 24.11.2010 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt an Frauen

    Gewalt und Provokationen an Frauen kann man fast schon wöchentlich auf offenen Strassen beobachten ohne dass jemand eingreift. Aber wenn ich ehrlich bin würde ich mein Leben wegen einer Frau/Mann auch nicht aufs Spiel setzen. Thats life.

  • max hart am 24.11.2010 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    teil 2

    und ich hoffe das es bald keine so eingebildeten teeni-tussen mehr gibt! es gibt nichts schlimmeres als eine ichbinhübschunddarfalles-frau! das zeugt von unreife, die sollten sich besser mal gedanken über die zukunft machen! wie soll so was seine kinder grossziehen...