Schwangerschaftsabbruch

28. Juni 2011 10:19; Akt: 28.06.2011 10:29 Print

Wer abtreibt, soll künftig selber bezahlen

von Ruedi Studer - Nächste Woche wird die Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» eingereicht. Abtreibungen sollen nicht mehr von der Grundversicherung bezahlt werden.

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Kurz vor der Abtreibung: Ein Arzt bereitet einen Schwangerschaftsabbruch vor. (Bild: Keystone)

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Der jahrzehntelange Streit um Abtreibungen geht in eine neue Runde: Am 4. Juli wird die eidgenössische Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» eingereicht, wie Dominik Müggler vom Initiativkomitee gegenüber 20 Minuten Online bestätigt. «Das Initiativkomitee wird der Bundeskanzlei gegen 110 000 beglaubigte Unterschriften überreichen können», freut sich Müggler, der den abtreibungskritischen Verein «Mamma» präsidiert.

Die vor allem von christlichen und konservativen Kreisen getragene Initiative verlangt, dass Abtreibungen künftig nicht mehr von den Krankenkassen über die obligatorische Grundversicherung bezahlt werden müssen, sondern von den Betroffenen selbst – entweder aus dem eigenen Sack oder über eine Zusatzversicherung. «Eine solche Versicherung würde zwei bis drei Franken im Monat kosten», meint Müggler.

Für die Initianten steht allerdings nicht der finanzielle Aspekt im Vordergrund, sondern der ethisch-moralische. «Es geht um die Gewissensfreiheit», sagt die Solothurner CVP-Nationalrätin Elvira Bader, Co-Präsidentin des Initiativkomitees. «Ich will nicht gezwungen sein, etwas mitzufinanzieren, das ich nicht vertreten kann.» Noch deutlicher wird der fünffache Familienvater Müggler: «Abtreibungen sind für mich ein verabscheuungswürdiges Unrecht. Dass ich gezwungen bin, mit meinen Krankenkassenprämien Abtreibungen anderer mitzuberappen, ist für mich nicht akzeptabel.»

«Dieselben Fundis»

Bei Frauenrechtlerinnen stösst das neue Volksbegehren auf Widerstand: «Ich habe stets gehofft, dass die Initiative nicht zustande kommt. Es sind wieder dieselben Fundis, die eigentlich ein Totalverbot für Abtreibungen wollen», sagt Anne-Marie Rey, die ehemalige Co-Präsidentin der mittlerweile aufgelösten Schweizerischen Vereinigung für Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs.

Wenig begeistert über die Initiative zeigt sich auch die Zürcher alt SP-Nationalrätin Barbara Haering. Sie ist quasi die «Mutter» der heute geltenden Fristenregelung, wonach der Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen straflos ist, sofern die schwangere Frau eine Notlage geltend macht. 1993 hatte sie eine entsprechende Parlamentarische Initiative eingereicht, 2002 sagte das Volk in einer Abstimmung deutlich ja zur Fristenregelung. «Wir haben akzeptiert, dass eine Frau nicht nach dem Motto ‹Mein Bauch gehört mir› frei entscheiden kann, sondern dass der straflose Schwangerschaftsabbruch nur in einer medizinischen oder seelischen Notlage geltend gemacht werden kann», so Haering. Diese müsse eine Betroffene zudem schriftlich bezeugen. «Das war bereits ein Kompromiss», betont die ehemalige Nationalrätin.

Eine Frau nehme nie ohne Not einen Schwangerschaftsabbruch vor, daher sei es auch richtig, dass die Grundversicherung die Kosten übernehme, argumentiert Haering: «Es handelt sich nicht um eine Schönheitsoperation.» Würde die Initiative umgesetzt, sei ein «Schwarzmarkt für Schwangerschaftsabbrüche» zu befürchten, welcher vor allem von finanziell schwächeren Frauen genutzt werden müsste.

«Schwangerschaftsabbrüche sind günstig»

Eine Argumentation, welche Müggler nicht gelten lässt: «Heute gibt es in der Schweiz rund 11 000 Abtreibungen pro Jahr. Das sind keineswegs alles Notsituationen», sagt er. Zudem würden Frauen nur dann zu Kurpfuschern gehen, wenn Abtreibungen verboten würden. «Die Volksinitiative verbietet Abtreibungen nicht, sondern will nur die Finanzierung neu regeln.»

Wenn es zum Abstimmungskampf kommt, ist für Ex-Politikerin Haering indessen klar: «Dann werde ich mich aktiv gegen diese Initiative engagieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Didi am 28.06.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Bin voll dagegen

    Es gibt schon genug Kinder die leiden und deren Eltern/Mutter besser abgetrieben hätte! Bin absolut gegen eine solche Initiative. Wenn eine Frau abtreiben möchte würde sie bestimmt nicht die beste Mutter werden. Meistens sind es eher finanziell schwache Leute die in solche Situationen geraten..

  • Fredy am 28.06.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, 75% der Abtreibungen sind Vergewaltigungen, oh ja, und vom Rest sind nochmals 75% geplatzte Kondome. Sorry, aber die Kommentare hier sind zum Teil lächerlich. Nur schon 1 Kind abzutreiben, dass lebenslang schwerst behindert sein wird, finanziert vermutlich tausende von Abtreibungen.

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  • Schmedi am 29.06.2011 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    naja was soll man da noch sagen? die finanzierng neu regeln? wir frauen bezahlen ohnehin schon mehr KK gebühren als männer. jetzt nochmal eine zusatzversicherung für das abzuschliessen finde ich hirnlos. was sollen wir noch alles mehr bezahlen? schon mal überlegt wieso es zu so vielen ungewollten schwangerschaften kommt? besser wäre es wenn mal eine initiative eingeleitet wird indem von der KK die verhütungsmittel übernommen wird!!! Viele junge frauen und männer (14j - 18j) können sich ja kaum noch verhütungsmittel leisten...mein verhütungsmittel ist seit 2j. um 8.- fr. gestiegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sunny am 04.07.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ein riesen witz......

    Finde es einen witz das die krankenkasse die abtreibung behzahlt aber die verhütung nicht über nimmt....würde es sehr begrüssen wenn bei den jugentlichen die verhütung bis 18jahren gratis wäre und nicht nur bei mädchen..ab 18j einen jährlichen beitrag an die verhütung von der KK. Abtribungen sollen nur noch bei gesundheitlichen oder psychischen notwendig bezahlt werden( z.b.vergewaltigung)........wer alt genug ist für sex ist auch alt genug für die konsekuenz zu tragen wenn man nicht verhütet!!!

  • Sandra am 01.07.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schwangerschaft ist keine Krankheit

    Früher glaubte man noch an den Storch. Heute ist aber fast allen klar, dass eine Schwangerschaft nicht aus heiterem Himmel kommt, sondern, dass man vorher etwas ganz bestimmtes machen muss, damit es soweit kommt. Im Normalfall ist sogar mehr als eine Person dazu nötig (Doppelte Sicherheit).

  • Josephine Oetjen am 01.07.2011 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    widersprüchliche erklärung!

    wird die abtreibung übernommen, müssten auch verhütungsmittel wie die pille übernommen werden. entweder beides oder nichts. krankenkassen sagen immer, sie wollen die fortplanzung unterstützen und deshalb zahlt man keine verhütungsmittel. aber bitte was ist das für eine logik wenn man dann die abtreibung bezahlt???

  • Ramona Bättig am 01.07.2011 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    endlich mal etwas gutes....

    das einzig richtige!! finde es eine Frechheit dass dies bis jetzt durch die Grundversicherung bezahlt wurde!! Wer unfähig ist zu verhüten soll die "Folgen" auch aus dem eigenen Sack bezahlen.... finde diese Massnahme mehr als nötig

    • Calahari am 03.07.2011 09:28 Report Diesen Beitrag melden

      Unlogisch

      Genau, die Reichen treiben ab und die Armen bekommen immer mehr Kinder

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  • Siima am 01.07.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    KK entspricht einer soz. Organisation

    Ich bin auch nicht für fahrlässiges handeln. Doch 1. gehören da immer 2 dazu und wieviele junge Männer würden sich an den Abtreibungskosten beteiligen? Es gibt aber auch anderes Fahrlässiges handeln zum Beispiel rasen beim Skifahren, dann bricht sich derjenige ein Bein, wer bezahlt? Die KK. Es ist eine Soziale Organisation und soll es auch bleiben.

    • Hunziker Roland am 03.07.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      Beinbruch???

      Den Unterschied zwischen Unfall und Krankheit kennen Sie aber schon, oder? Die Unfallversicherung und die Krankenversicherung sind zwei verschiedene Versicherungen.

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