Bis 500 Franken pro Tag

02. September 2014 05:39; Akt: 02.09.2014 17:32 Print

Wer die Schule schwänzt, wird gebüsst

Das Berufsbildungszentrum in Schaffhausen verlangt von Schwänzern 50 Franken Strafe pro verpasste Lektion. Das sei sinnlos und unrechtmässig, kritisiert ein Bildungsexperte.

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Schwänzen statt Pauken kostet im kantonalen Berufsbildungszentrum in Schaffhausen 50 Franken pro Lektion. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Mit dem neuen Schuljahr wurden im kantonalen Berufsbildungszentrum in Schaffhausen neue Regeln eingeführt. Wer eine Unterrichtslektion unentschuldigt verpasst, zahlt jetzt 50 Franken Busse. Ein Tag Blaumachen kann somit bis zu 500 Franken kosten. Für die Schüler eindeutig zu viel, wie einer von ihnen im Interview mit der SRF-Sendung «Espresso» erklärt. «Das ist ein halber Monatslohn», beklagt sich der 18-jährige Lehrling.

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Der Schaffhauser Erziehungsdirektor Christian Amsler steht allerdings hinter der Entscheidung. «Die Änderung wurde im Aufsichtsgremium des BBZ einstimmig angenommen. Die Regelung war vorher ziemlich moderat, jetzt sind wir eher an der Spitze, was die Schärfe der Strafe angelangt. Wir wollen damit aber ein Zeichen setzen, dass der Unterricht verbindlich ist.»

Schwänzen ist kein Kavaliersdelikt

Die Strafe wurde von ursprünglich rund 10 auf 50 Franken erhöht. «Für einen Lehrling, der 500 Franken im Monat verdient, ist das natürlich viel Geld, ich finde es aber nicht übertrieben.» Amsler glaubt auch nicht, dass die höhere Busse zu einem Rückgang des Schwänzens führt. «Das kann man jetzt aber noch nicht sagen, wenn, dann wird die Zahl nur wenig sinken.»

Bussen fürs Schwänzen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. In den Kantonen Aargau und Solothurn beispielsweise zahlen die Blaumacher bis zu 20 Franken pro Lektion. In St. Gallen sind es bis zu 300 Franken pro Tag, heisst es im «Espresso». Das bestätigt auch Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands: «Bussen sind im Kommen, auch an weiterführenden Schulen. Wenns übers Portemonnaie geht, reagieren die Schüler halt etwas empfindlicher.» An Volksschulen sind es eher die Eltern, die für ihre Sprösslinge zur Kasse gebeten werden, falls diese unentschuldigt vom Unterricht fern bleiben. Immerhin sei Schwänzen kein Kavaliersdelikt, sagt Zemp. An der Berufsschule sei die Schulzeit mit einem Tag pro Woche zudem knapp bemessen, weshalb das Blaumachen deutlich grössere Konsequenzen habe.

Rechtlich fragwürdig

Gar nicht einverstanden mit den Geldstrafen ist Daniel Thommen, Präsident von Berufsbildung Schweiz. «Die Frage ist, ob die Schulen überhaupt berechtigt sind, die Schüler zur Kasse zu bitten. Wenn jemand die Kosten für die verpasste Lektion zurückverlangen könnte, dann wohl der Lehrmeister, der immerhin für den Unterricht zahlt.»

Eine Geldstrafe sieht Thommen, der selbst unterrichtet, als wenig sinnvoll an. Auch die Rechtmässigkeit stellt er in Frage. «Die Schule hat keine Staatsgewalt, sie kann deshalb keine Busse ausstellen, höchstens eine Umtriebsentschädigung verlangen.» Die beiden anderen Bildungsexperten beteuern hingegen, dass die Massnahme juristisch abgesichert sei.

Andere Schulen, andere Massnahmen

Trotzdem hält Thommen das Informieren des Lehrbetriebs für eine bessere Alternative. Im Kanton St. Gallen passiere das bei den meisten Schulen mittlerweile automatisch. «Wir haben das an unserer Schule jetzt seit einem Jahr, die Anzahl der Schwänzer ist seither massiv zurückgegangen.» Der Grund: Die Blaumacher müssen sich jetzt vor ihrem Chef rechtfertigen.

Eine Verwarnung oder ein Gespräch mit dem Lehrmeister kann sich auch Amsler als Massnahme vorstellen. Allerdings erst, wenn ein Schüler regelmässig blaumacht. Andere Schulen versuchen, die Zahl der Schwänzer mit Jokertagen im Zaum zu halten, für die der Schüler keine Rechtfertigung braucht.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 02.09.2014 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitgeber informieren

    Die Information an den Arbeitgeber sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Schliesslich bekommt der Lehrling in dieser Zeit auch Lohn. Die Schule zu schwänzen ist somit einem unentschuldigten Fernbleiben der Arbeit gleichzusetzen. Der Arbeitgeber sollte die Möglichkeit haben, den Lehrling zu verwarnen und auch, ihm z.B. den "Blautag" als Ferien anzurechnen o.ä.

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  • Tom Jordi am 02.09.2014 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    endlich mal etwas gutes aus Schaffhausen. Es gibt keine unentschuldigte Absenz. Entweder geht man in die Berufsschule oder hat eine Entschuldigung. Ganz einfach. Super Sache!

  • Noldi Schwarz am 02.09.2014 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Man kann sich abmelden, wenn etwas dazwischen gekommen ist. Aber einfach fernzubleiben, weil Nullbock, geht nicht. Wir Steuerzahler zahlen Millionen für eines der besten Bildungswesen der Welt. Das scheint aber für diese Jungen selbstverständlich zu sein. Andere Jungen aus fernen Ländern würden sich die Finger lecken, wenn sie das erleben dürften. Etwas Disziplin und Eigenverantwortung dürfte man von Jungen erwarten. Das Leben nach der Ausbildung wird auch kein Ricola sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • neuer Berufsschüler am 02.09.2014 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns hiess es:

    Bei der Einführung: Es sei so im Gesetz, dass es eine Busse gibt .... (Aargau) Bei uns gibt es pro Lektion 10.- (habe 9 Lektionen, also 90.- Busse)

  • SixString am 02.09.2014 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu sind Regeln da ?

    Ist genau das gleiche wie bei den Radarfallen : Wer die Regeln einhlt, hat nichts zu befürchten.....punkt.

  • schüler ftw am 02.09.2014 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    land der bussen ihr id.

    wie wäre es so: der schwänzer muss die verlorene unterichtzeit nachholen. da es aber auf kosten des betriebs sind muss er auch diese 8h nachholen im betrieb sei es mit überstunden oder wochenendarbeiten. bussen vergeben really????

  • Roman am 02.09.2014 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    50fr?in sursee die schule für verkerswegbauer betrug es das 1mal 20 dan 50 dan 100. und das pro lektion. Genau so wurde man gebüst für 1min zu spätt erscheinen, oder man hatte nicht alles material für die stunde dabei. Hatte der zug verspättung wahr man selber schuld und wurde auch dafür gebüst.

  • sadiq am 02.09.2014 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen dann ....

    Ich weiss dass es in anderen Lehrberufen gleich ist (Informatik): Absenz (3 mal 2min Verspätung auch Absenz) muss ins Absenzenbüchlein und unterschrieben werden(Lehrmeister und wenn unter 18 auch von Eltern). Passiert das auch nicht gibts max. 3-5 Verwarnungen und man fliegt.