WWF fordert Ticket-Abgabe

06. August 2018 12:12; Akt: 06.08.2018 15:19 Print

Kostet Fliegen wegen Klimawandel bald mehr?

Viele Schweizer nehmen oft und gern das Flugzeug. Das beschleunige den Klimawandel, sagt der WWF, und fordert eine Abgabe auf Flugtickets.

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Der Flugverkehr in der Schweiz verursacht rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen – Tendenz steigend. Darum fordert der Umweltverband WWF die Einführung einer Flugticket-Abgabe, wie sie Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und andere europäische Länder schon kennen. «Mit einer Flugticket-Abgabe lassen sich wenigstens einige der in Geld messbaren Kosten des Klimawandels verursachergerecht finanzieren», sagt Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF Schweiz. «Dazu zählen etwa Unwetterschäden oder Subventionen für Bauern im In- und Ausland, die auf neue, klimaresistente Sorten umsteigen wollen.» Hofstetter schweben Abgaben in der Höhe von rund 30 Franken für Kurzstreckenflüge und rund 100 Franken für Langstreckenflüge vor.

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Die aktuelle Hitzeperiode gebe einen Vorgeschmack auf die Kosten des Klimawandels, heisst es in der Medienmitteilung des WWF vom Montag. Zu befürchten seien Ernteausfälle, sinkende Arbeitsproduktivität, zerstörte Naturwerte und hohe Kosten für die Anpassung an Überschwemmungen, Hitze und andere Wetterextreme. «In der Schweiz wird das teuer, in vielen armen und heute bereits heissen Ländern geht es um Leben und Tod.» Bisher bezahlten fast ausschliesslich die Direktbetroffenen oder die Allgemeinheit für diese Schäden.

Zwar können Schweizer bei einigen Airlines heute schon freiwillig eine CO2-Kompensation leisten, der Aufwand sei jedoch zu «umständlich», findet Hofstetter. «Teilweise muss man sogar auf separate Internetseiten, um die Abgabe zu entrichten.» Doch die Bereitschaft, diese zu zahlen, sei durchaus hoch. «Die Leute werden sich die Folgen des Klimawandels immer mehr bewusst und dass die aktuellen Flugticketpreise die wahren Kosten nicht decken ist mittlerweile allen klar», so Hofstetter. Nun müsse noch die Politik mitziehen.

«15 Franken mehr für einen Trip nach London»

GLP-Vizepräsident Pascal Vuichard befürwortete einen solchen Vorstoss gegenüber 20 Minuten bereits im April. Der Schweiz drohe sonst, «auch beim Fliegen das europäische Schlusslicht im Bereich des Klimaschutzes» zu werden. Vuichards Vorschlag: eine Abgabe von 80 Franken pro Tonne CO2. Ein Flug nach London in der Economy-Klasse würde rund 15 Franken teurer.

«Damit könnten die wahren Kosten des CO2-Ausstosses gedeckt werden, gleichzeitig würden andere Verkehrsmittel im Vergleich wieder wettbewerbsfähiger.» Das heutige System sei unfair, weil Airlines – anders als etwa Fernbusse – von der Mineralölsteuer befreit seien. Die Einnahmen aus der Flugtaxe sollen laut Vuichard wieder an die Bevölkerung zurückverteilt werden: «Mit den Erträgen könnten mehr Solaranlagen auf Schulhäusern erstellt oder Krankenkassenprämien vergünstigt werden.»

Regionale Lösung wenig effizient

Dagegen hält Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident des Luftfahrt-Dachverbandes Aerosuisse, den Ansatz für falsch: «Das ist eine blöde Idee: Mit einer regionalen Lösung schafft man höchstens ungleiche Spiesse und produziert Umwegverkehr.» Denn Flugpassagiere reagierten sehr empfindlich auf höhere Preise, sagte er zu 20 Minuten im April: «Seit zehn Jahren kann man mit der Stiftung Myclimate den CO2-Ausstoss freiwillig kompensieren. Das tun aber die wenigsten.»

Hurter sagt, nur ein weltweites Abkommen, dem sich auch die Airlines aus der Golf-Region, den USA oder China unterwerfen, helfe dem Klima wirklich. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation plane ein Abkommen, das eine Kompensation des CO2-Wachstums ab 2020 bringen soll.

Nachtzug statt Billigflieger

Bereits im Frühjahr richteten die Koalition Luftverkehr, Umwelt und Gesundheit (Klug) und der Verein umverkehR, unterstützt von zahlreichen Umwelt- und Verkehrsorganisationen sowie SP, Juso und Grüner Partei, einen offenen Brief an Verkehrsministerin Doris Leuthard.

Die Schweiz solle Flugticketabgaben und eine Kerosinsteuer erheben und klimafreundliche Transportmittel wie Nachtzüge fördern. Schweizer sind laut den Unterzeichnenden doppelt so viel mit dem Flugzeug unterwegs wie die Einwohner der Nachbarländer. Dabei hätten über 80 Prozent der Flüge aus der Schweiz einen Zielort innerhalb von Europa. Hier bestehe ein grosses Einsparpotenzial, hiess es im Brief.

(jdr/vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MTO am 06.08.2018 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Es kann doch nicht sein, dass Abgasvorschriften und CO2 Abgaben, nur bei Autos und Heizungen bestehen. Wenn man bedenkt, dass ein Flug von Zürich nach New York so viele Schadstoffen ausstosst, wie ein Mittelklassewagen in 50000 km. Für mich ist jeder Grüne oder Umweltschützer unglaubwürdig, der mit dem Flieger in die Ferien verreist.

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  • Kurt W. am 06.08.2018 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücklich wer schon 65 ist 

    Mit Geld lässt sich der WelTuntergang, zum Glück, nicht verhindern.

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  • Jimmy J. am 06.08.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Klimaerwärmung

    Wer wird sich damit noch mehr bereichern? Man soll immer dort ganz oben anfangen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 07.08.2018 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Hitze-Ferien im eigenen Land verbringen

    Somit fällt die Fliegerei weg und das Kosten-Problem ist gelöst.

  • Kobi am 07.08.2018 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Teure Absturzgefahr

    Das Risiko zu fliegen wird grösser weil die Absturzgefahr durch den Klimawandel steigt. Dann wird fliegen auf jedenfall teurer.

  • Gavranovic am 07.08.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegt Informiert euch mal!

    das ist ein witz, was viele nicht wissen in der schifffahrt gibt es keine vorschriften betreff abgase co 2 , alle lastschiffe erzeugen pro tag so viel abgas wie alles auto auf der Welt im jahr!! und von den 60000 lastschiffen gehören 40'ooo einer Person,! aber immer bei den Armen geld eintreiben! sauerei

  • Edmo am 07.08.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    NGO, die grösste Plage dieser Welt

    Der WWF gehört halt auch zu dieser gigantischen NGO-Industrie, die nichts als Hysterie und Abzocke produziert. Ein paar heisse Tage und schon kommen sie mit neuen Vorschlägen. Das Klima ist den NGO völlig egal. Das Geschäftsmodell fragt einzig und alleine, wie man zu möglichst viel Geld kommt. Wertschöpfung durch Arbeit wird verachtet, Ablasshandel ist das grosse Vorbild.

  • Peter Sattler am 07.08.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Und die grossen Schiffe?

    Wie man weiss stossen die grossen Schiffe wie Container- Kreuzfahrtschiffe ein vielfaches aus was alle Autos dieser Erde pro Jahr verursachen. Aber einfach auf den Autos und Flugzeugen rumtrampen und abassieren als diese wirklich grossen Verursacher zu packen. Wie auch, deren Lobby ist halt stärker und unsere Politiker verdienen wohl auch denen.