Weg als Arbeitszeit

30. Dezember 2019 04:53; Akt: 30.12.2019 04:53 Print

Wer kann im Zug konzentriert arbeiten?

Bundesangestellte dürfen neu im Zug arbeiten. Ein Experte nimmt Stellung zu den Kommentaren der Leser.

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Ab 1. Januar darf das Bundespersonal schon auf dem Arbeitsweg einstempeln, wenn es im Zug den Laptop auspackt. Die Leser diskutieren die Neuerung kontrovers – viele befürchten, dass im Zug nur geschlafen statt gearbeitet wird. 20 Minuten hat die Kommentare Jens O. Meissner, Professor für Organisationsdesign an der HSLU, vorgelegt.


Jens Meissner: Kontrollieren kann man das nicht. Mobiles Arbeiten bedeutet, dass man den Angestellten vertraut und ihnen klare Vorgaben macht, welche Arbeit in welcher Zeit erledigt werden muss. Für die Team- und Gruppenleiter ist das eine Herausforderung: Wenn im Team der Eindruck entsteht, dass eine Person auf dem Arbeitsweg eine ruhige Kugel schiebt, führt das schnell zu Missstimmung im Team.


Ob ein Angestellter im Zug Netflix schaut und die Arbeit zuhause erledigt, spielt keine Rolle. Die Bedingung: Er muss die Arbeitsportionen pünktlich abliefern und die Zeit korrekt erfassen.


Nein! Es ist bloss eine andere Arbeitsrealität. Der Handwerker muss sich viel weniger selber organisieren. Nur weil er von 7 bis 5 Uhr arbeitet, sagt das ja noch nichts über die Qualität aus. Nur wenn diese stimmt, sollten auch liberalere Zeiterfassungen möglich sein.


Flexibles Arbeiten liegt tatsächlich voll im Trend, auch in der Privatwirtschaft. Der Bund kann sich der Entwicklung nicht entziehen: Im Kampf um die besten Fachkräfte erwarten diese heute solche Freiräume. Studien zum Homeoffice zeigen, dass die Kosten durch geteilte Arbeitsplätze (Desk-Sharing) um 20 Prozent sinken. Auch der CO2-Ausstoss sinkt im gleichen Ausmass. Arbeitet man wirklich mobil, kann man auch einen späteren Zug nehmen. Das führt dazu, dass die Plätze in den Zügen besser genützt werden.


Das ist ein subjektives Argument. Es ist eine Frage der Abgrenzung. Einige lieben den Zug für kreativ-schöpferische Tätigkeiten. Schwärme von Studierenden und Lehrenden lernen und arbeiten im Zug. Ganze Bücher sind im Zug entstanden.


Das ist ein berechtigter Punkt. Heikle Gespräche gehören nicht in den Zug. Die meisten Aktivitäten eines Sachbearbeiters sind aber beleggebunden – er muss also nicht telefonieren. Und für das Display gäbe es noch entsprechende Sichtfilter, sollte dies wirklich nötig sein.


Das ist diffamierend und fies! Es geht bei Staatsangestellten nicht um Wettbewerbsfähigkeit, sondern darum,
dass der Staat gut funktioniert. Produktiv kann da auch bedeuten, dass man ein paar Stunden lang nicht so sehr auf das Ergebnis achtet wie in der Wirtschaft, sondern zum Beispiel auf ein geeignetes und faires Verfahren.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lucien am 29.12.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Geduldeter Pleonasmus

    Im Klarext heisst dies, bereits auf dem Arbeitsweg schlafen.

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  • guter Steuerzahler am 29.12.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Von ZH nach Bern

    In der Zeit eine E-Mail verschicken als "Hallo, ich arbeite" und eine Stunde aufschreiben ? Wer kontrolliert das ?

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  • Nein nein am 29.12.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    In unserer Firma durften das die Büro Mittarbeiter auch machen. Sie schauten im Zug Netflix und liessen die komplette Fahrt als Arbeitszeit anrechnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • I'M ERNST am 12.01.2020 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Sehr gut also alle entlassen die mehr als 50km weit weg wohnen.

  • Watch out am 03.01.2020 03:47 Report Diesen Beitrag melden

    Versteckte fallen überall

    Bei mier damals als mitarbeiter im Logistik bereich, Temporär, hat man mir expliziet klar gemacht, das ich keine Vergütung sondern nur einen Stunden Lohn bekomme, der mir zu wenig war, weil mein Abo leider nur bis Zürich reichte und nicht weiter.

  • AEB am 02.01.2020 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Obs sie jetzt im büro pennen oder im zug spielt doch keine rolle! Man könnte ihnen aber ihren arbeitsplstz streichen um wenigstens kosten zu sparen....

  • nicht wichtig am 02.01.2020 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pff

    Naja Hauptsache das dürfen die steuerzahler nicht mitentscheiden ist ja nicht deren Geld sondern die des.... Vergessen.

  • Personalassistentin am 02.01.2020 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Niveaulos!

    @Reto Ich frage mich,welcher Chef Sie angestellt hat,mit so einem Niveau sollte es zu keiner Anstellung kommen. Wahrscheinlich hatten Sie Vitamin B und sonst nichts zu bieten!