Huonder fordert

05. Januar 2014 17:31; Akt: 05.01.2014 21:46 Print

Wer keine Kinder will, darf nicht heiraten

Bischof Huonder will nur noch fromme Katholiken kirchlich trauen. Wer vor den Altar schreiten will, soll nach seinem Willen zuerst einen intensiven Vorbereitungskurs absolvieren.

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Wer keine Kinder will, soll nach Huonders Willen nicht mehr in der Kirche die Ringe tauschen dürfen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Einmal im Brautkleid zum Altar schreiten: Wer kirchlich heiratet, tut dies heute oft der schönen Kulisse oder der Tradition wegen. Damit soll Schluss sein, fordert das Bistum Chur. «Ungenügend vorbereitete Paare» sollen demnach nicht mehr «kirchlich getraut werden», zitiert die «SonntagsZeitung» aus einer bisher unveröffentlichten Stellungnahme von Vitus Huonder.

Der Bischof des Bistums Chur reagiert damit auf eine Umfrage, die Papst Franziskus derzeit bei Gläubigen in aller Welt durchführen lässt – auch bei Katholiken in der Schweiz. Der Fragebogen widmet sich Themen wie Ehe, Homosexualität, Scheidung oder Verhütung. Huonder liess die Ergebnisse aus seinem Bistum bereits auswerten. Was er sah, gefiel ihm offensichtlich nicht. «Viele Gläubige halten die Kirche in diesem Bereich nicht mehr für glaubwürdig und kompetent», so sein Fazit gemäss dem Zeitungsbericht.

Ohne Kinderwunsch kein Trauschein

In seiner Stellungnahme fordert Huonder deshalb Konsequenzen. Nach seinem Willen soll künftig nur noch den Bund fürs Leben schliessen können, wer eine intensive Ehevorbereitung durchlaufen hat. Das Bistum Chur selbst organisiert solche «etwas intensiveren» Vorbereitungskurse bereits heute. Den Heiratswilligen wird dabei erklärt, was die Ehe nach katholischem Glauben ist. So könne eine katholische Ehe etwa gar nicht zustande kommen, wenn einer oder beide Partner keine Kinder wollten, erklärt Huonders Sprecher Giuseppe Gracia gegenüber der Zeitung.

Lange habe die Kirche sich «aus falscher Scheu» in diesem Thema zurückgehalten, «um bei den Leuten nicht anzuecken», so Gracia weiter. Wenn man den Ergebnissen der päpstlichen Umfrage Glauben schenken darf, zu Recht: Denn die katholische Sexuallehre mit dem Verbot der Verhütung ist demnach einer der Hauptkritikpunkte der befragten Gläubigen im Bistum Chur. Auch liberalere Geistliche in der Schweiz können Huonders Forderung wenig abgewinnen. Paare könnten wegen der geforderten Auflagen auf eine kirchliche Hochzeit verzichten, befürchtet etwa Markus Heil, Diakon und Sprecher der Pfarrei-Initiative Schweiz.

(jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.Rafale am 05.01.2014 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Professionelle Laien

    Bischof Huonder äussert sich zu Dingen, über die er in seinem ganzen, langen Leben keinerlei Erfahrungen sammeln konnte. Was weiss er über die gelebte Ehe? Was über Sexualität? Was über Kinder grossziehen? Nichts. Und Ehevorbereitungskurse bei Ahnungslosen? Das ist ja wie wenn ich meine Oma fragen würde, welches die aktuell beste Spielkonsole sei :-)

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  • Zu Schauer am 05.01.2014 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wetten ich kann......

    netter Herr Huonder.....ich trete jetzt aus de Kirche aus...nun ist genug....danke

  • Hiolgi am 05.01.2014 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ehe ohne Kirche

    na dann eben ohne Kirche. Ich bin mit meiner Frau auch ohne die Zustimmung der Kirche verheiratet. Und nebenbei, wir sind noch ein säkularer Staat, also hat sich die Kirche nicht einzumischen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mahi am 06.01.2014 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlich bleiben

    Diese Regeln gibt es doch nicht erst seit heute. Eine Vorbereitung und Aufklärung über das Sakrament ist sinnvoll. Bei einer kirchlichen Eheschliessung verspricht man vor Gott, dass man " sich lieben und ehren will, bis das der Tod uns scheidet" und dass man "offen ist für die Kinder, die Gott einem schenkt". Ist doch klar, dass die kirchliche Ehe von vornherein ungültig ist, wenn man hier schon bewußt lügt. Wer dieses Versprechen also nicht ehrlich geben kann, soll es doch bitte auch nicht tun und lieber nur auf dem Standesamt heiraten. Auch hier kann man schön im Brautkleid heiraten.

  • Unheiliger am 06.01.2014 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    HSDK

    Mit seinem frommen Getue verscheuchen Sie nur noch mehr aus der Kirche! Ich persöndlich bin schon lange Zeit aus der Kirche raus, denn die Bibel ist für mich eine grosse Lüge.

    • Michél am 06.01.2014 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Wissenswertes

      Da würde mich aber ein Beispiel interessieren, kann dort nicht viele unschlüssige Dinge finden, die frage ist immer die Interpretation, zu berücksichtigen ist auch der Wandel der Sprache.

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  • Steve Meyer am 06.01.2014 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Ich habe auf dem Standesamt geheiratet. Die Kirche kann mir gestohlen bleiben mit ihren mittelalterlichen Sprüchen.

  • Wissen Schaft am 06.01.2014 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Religion ist ein Hobby nicht mehr.

    Leider ist es wohl "politisch nicht Korrekt" aber wir sollten wirklich mal eine Volksinitative starten das wirklich Staat& kirche getrennt werden. Keine Kirchensteuer mehr für Firmen. Schluss mit Gestzlichen Extrawürsten für Religion "Glaubensgemeinschaften" kann nicht sein das die z.B. das Gleichberechtigung oder Recht auf Körperliche Unversehrtheit etc beeinflusst werden. Religionen sollten nicht mehr Recht haben wie jedes andere Hobby. warum sollen Katholiken, Moslemms etc extrawürste haben gegen über Briefarkensammler oder einem Turnverein.

  • baba am 06.01.2014 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    der beste Test ist...

    ein Tip an die Kirche, wenn ihr wirklich testen wollt ob ein Paar bereit ist für die Ehe solltet ihr das Paar schon vorab einige Jahre zusammen wohnen lassen. Das ist der beste Test obs danach auch klappt. ach ja und wenn ihr überleben wollt als Kirche, solltet ihr euch der heutigen Zeit etwas anpassen....