Digitale Einladungen

18. Juli 2014 15:32; Akt: 18.07.2014 15:33 Print

Whatsapp und Facebook machen uns unzuverlässig

von Romana Kayser - Wer eine Einladung per Facebook oder Whatsapp erhält, fühlt sich heute oft nicht verpflichtet, zu- oder abzusagen. Die Informationsflut hat uns laut Experten unzuverlässig gemacht.

storybild

Viele Gruppen-Einladungen per Whatsapp oder Facebook bleiben unbeantwortet weil wir und nicht verpflichtet fühlen zu- oder abzusagen. (Bild: Getty Images/Vetta)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einladungen zu WG-Partys, Geburtstagsfesten oder Grillabenden werden heute bevorzugt per Facebook oder Whatsapp-Gruppenchat verschickt. Der Aufwand ist minimal – innert Sekunden sind alle Freunde eingeladen. Was spontan und unkompliziert beginnt, endet aber nicht selten in einem Ärgernis für den Absender. Viele digitale Gruppen-Einladungen bleiben unbeantwortet und manche Treffen kommen so gar nicht erst zustande. Verabredungen waren noch nie so unverbindlich wie heute.

Die Unzuverlässigkeit von Einladungsempfängern ist für Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, nicht erstaunlich. Viele Leute seien von der täglichen Informationsflut überfordert, «da kann man ja gar nicht auf alles reagieren». Zudem mindere die dauernde Erreichbarkeit und der digitale Überfluss den Wert einer Nachricht: «In der Menge der Nachrichten geht eine einzelne Einladung schnell unter.»

«Masseneinladungen sind zu unpersönlich»

Dass viele Facebook- oder Whatsapp-Einladungen einfach ignoriert werden, gründe aber nicht nur in dem Überdruss an digitaler Information. Laut Süss ist es problematisch, dass viele digitale Einladungen als Massenabfertigung daherkommen. «Eine Masseneinladung ist sehr unpersönlich und man fühlt sich dadurch als Empfänger weniger wertgeschätzt.» Es vermittle einem das Gefühl, nur einer von vielen zu sein.

Wenn man die Leute wirklich erreichen wolle, müsse man sie persönlich ansprechen, am besten per Briefpost, so Süss. «Je persönlicher jemand angesprochen wird und je mehr Aufwand hinter der Einladung steckt, desto eher fühlt er sich ernst genommen.»

Auch im realen Leben unzuverlässiger

Facebook und andere soziale Medien hätten den Freundschaftsbegriff viel flexibler gemacht, sagt Gaetano Romano, Soziologieprofessor von der Universität Luzern. Die persönliche Beziehung zwischen Absender und Empfänger sei daher für die Verbindlichkeit einer Whatsapp- oder Facebook- Einladung entscheidend. «Je enger die Beziehung, desto grösser die Enttäuschung beim Absender, wenn eine Einladung unbeantwortet bleibt.»

Unsere Unzuverlässigkeit in der virtuellen Welt überträgt sich auch ins reale Leben. Zunehmende Unverbindlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen sei ein grundsätzliches Phänomen der modernen Gesellschaft, so Romano. «Die neuen Medien verstärken diese Entwicklung massiv.» Kurzfristige Terminänderungen seien genauso an der Tagesordnung wie das Ignorieren von Einladungen.

«Gemeinschaftsgefühl war früher stärker»

«Heute will man sich immer und überall möglichst viele Optionen offenlassen und ist extrem sparsam mit Festlegungen», sagt der Soziologe. Das trifft auf alle Lebenslagen zu, sei es in Beziehungen, im Beruf oder in der Freizeitplanung. Man wisse ja nie, ob noch etwas Besseres komme. Gemäss Romano hat dies unser Gemeinschaftsgefühl geschwächt: «Früher wären solche Verhaltensweisen nicht akzeptiert worden.»

Trotz der steigenden Unzuverlässigkeit beobachtet Romano auch eine Verstärkung eines gegensätzlichen Trends in der Gesellschaft: «Whatsapp und Facebook steigern die Verbindlichkeit in ganz bestimmten Fällen sogar bis ins Extreme.» Betroffen seien vor allem sehr enge Beziehungen, wie beispielsweise Paarbeziehungen: «Der Druck, sich ständig mitteilen und seine Liebe bezeugen zu müssen, ist manchmal kaum mehr auszuhalten.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mags frisch am 18.07.2014 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was sind eigendlich Freunde?

    Ich glaube, dass viele die sich innerhalb sogenannter sozialen Netzwerken bewegen gar nicht mehr wissen was Freunde ausmachen. Ich habe etwa drei gute Freunde, auf die ich mich aber auch verlassen kann. Mehr brauche ich nicht, und kann ich auch nicht pflegen. Denn für Freunde "muss" man auch Zeit und Mühen aufwenden.

    einklappen einklappen
  • Donna M. am 18.07.2014 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstand und Respekt

    Habe ich auch schon erlebt. Aber braucht schon so oberflächliche "Freunde," die noch nicht mal reagieren? Für mich ist es wichtiger, dass ich seit Jahren zwei Freund/in habe! Auf die beiden kann ich mich 100% verlassen, wie sie sich auf mich! Das hat viel mit Anstand und Respekt zu tun? Möchte das nicht jeder von uns, dass man ihm dies entgegen bringt?

  • sepp am 18.07.2014 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Handys haben das gestarted

    Als es noch keine Handys gab musste man sich im Voraus absprechen wann man sich wo trifft. Das liegt nicht am fratzenbuch oder watsapp.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kein wgattsapp und Facebook am 20.07.2014 01:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsächlich

    hatte ich ach mal eine Freundin die mich immer auf Whatsapp zugetextet hat. Das einzige Resultat wenn man den ganzen Tag miteinander schreibt ist dass: 1. verliert man enorm viel zeit 2. Werden die gespräche entwertet, da dauernd dran. 3. hat man sich nichts neues zu erzählen wenn man sich trifft. Und irgenwann nervt das geschreibe einfach nur noch

  • baba am 19.07.2014 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    kümmer mich um die gäste

    wenn ich zu einer Party einlade dann bewusst nur Leute die mir wichtig sind und wer mir bis zu einem bestimmten Datum keine zu oder absage gibt, bei dem frag ich nach bis ich eine definitive Antwort kriege... muss ja wissen wieviele Leute kommen um getränke usw zu organisieren....

  • Michael Gisler am 19.07.2014 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charakterfrage

    Zuverlässigkeit hat mit Charakter zu tun, nicht mit sozialen Medien. Die sog. sozialen Medien könnten mir langsam leid tun, denn an allem sollen sie mittlerweile schuld sein...

    • sylviandrea am 20.07.2014 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Stimmt! Projektion war schon immer einfacher für die meisten Menschen. Ich will nicht behaupten, dass mir das nie passiert, aber zumindest bemühe ich mich, Schuldzuweisungen zu vermeiden und beide Seiten zu sehen.

    einklappen einklappen
  • sylviandrea am 19.07.2014 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieses Schwarz-Weiss-Denken

    Mir machen Menschen Angst, die immer so radikal denken...als könnte man neue Möglichkeiten nicht als bereichernde ERGÄNZUNG ansehen in persönlicher Dosierung. Wie alles, hat es Vor- und Nachteile. Wir sind jetzt in einer Zeitepoche, in der wir noch damit lernen müssen, sinnvoll umzugehen und unseren Kindern weiterzugeben. Statt sich darüber auch mal "live" auszutauschen, muss das wieder verteufelt werden. Wollen wir Weiterentwicklung oder Stagnation? Ach nein..."Früher war ja alles besser...!"

    • Realist am 20.07.2014 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sehr einfache Denkweise!!

      Du vergisst bei deiner Sommer, flockig, locker Vorstellung bloss, dass die Firmen HINTER dieser Entwicklung eine alles andere als "Man-muss-halt-mal-lernen-damit-umzugehen-Einstellung haben... da gehts um knallharte Kalkulation und um REIN marktwirtschaftliche Interessen und Manipulationen! Die Welt ist nicht so einfach gestrickt, wie du dir das in deinen unschuldigen Träumchen vorstellst...!!!

    • sylviandrea am 20.07.2014 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Blauäugig?

      Das Böse zieht nicht erst mit den Social Media in die Welt ein und ich leugne Ihre Argumentation auch nicht. Aber so vertäumt und blauäugig bin ich auch nicht, wie Sie denken. Man kann alles für gute wie auch für schlechte Zwecke nutzen. Man sollte beide Seiten und nicht nur die Gefahren sehen, die aber natürlich auch. Unterm Strich liegt alles nur am Charakter der Menschen und nicht an der Erfindung von Internet & Co. Macht zeigt den wahren Charakter hinter den Fassaden, das war schon immer so.

    einklappen einklappen
  • timco am 19.07.2014 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich wünsche mir...

    ...dass ich in den sixties geboren wäre. zur zeit wo smartphones und social media noch nicht im wörterbuch stand. ich bin 22.

    • Till Sitter am 19.07.2014 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      @ timco

      ... und der Kommentar ist mit einem handy aus geschrieben worden. Entbehrt nicht einer gewissen Komik.

    einklappen einklappen