Plastik-Debatte

20. August 2018 13:54; Akt: 20.08.2018 14:18 Print

Wie gefährlich sind Kunststoffe in Shampoos?

Während die EU Plastikröhrli verbieten will, stecken in unseren Kosmetika weiterhin potentiell schädliche Kunststoffe. Die Grünen wollen das nun ändern.

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Während etwa Grossbritannien, Schweden oder Neuseeland kleinste Plastikteilchen in Zahnpasta, Peelings oder Duschgels verboten haben, versenkte der Nationalrat ein Verbot im vergangenen Jahr. Die Branche hat allerdings versprochen, bis 2020 auf Mikroplastik zu verzichten.

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Nach wie vor sind in vielen Produkten aber flüssige Kunststoffe – sogenannte acrylate Copolymere – enthalten. Laut ETH-Professor Bernhard Wehrli sind sie noch problematischer als feste Plastikpartikel: «Diese Mikroschadstoffe sind biologisch kaum abbaubar und anders als Mikroplastik im Wasser löslich – vergleichbar mit Pestiziden oder Arzneimitteln.» Gelangten diese regelmässig ins Abwasser und durch die Kläranlagen, sei das schlecht.

Eine Gefahr für die Fische?

«Die Wirkung ist kaum erforscht. Rund 40’000 Plastikstoffe sind derzeit auf dem Markt, 3000 sind Kosmetikstoffe. Die EU versucht in einem grossen Projekt, die Wirkungen der gebräuchlichsten Stoffe zu untersuchen.» Laut Wehrli besteht ein Verdacht, dass einzelne Kunststoffe Kiemen von Fischen verkleben. Sollte sich bei einem Stoff herausstellen, dass er ein Fischgift ist, werde ein Verbot zum Thema.

Ein solches prüft Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli: «Flüssige Kunststoffe machen mir Sorgen. Ich werde in der Herbstsession einen Vorstoss einreichen dazu.» Eine Möglichkeit sieht Glättli in einer leicht verständlichen Deklaration, die den Konsumenten warne. Glättli zieht aber auch ein Verbot in Betracht.

«Gewisse Leute brauchen länger»

Laut Glättli ist auch Mikroplastik weiterhin ein Problem: «Man kann mit der App Codecheck den Test machen: In vielen Duschgels ist weiterhin Mikroplastik enthalten.» Er hoffe, dass die Entwicklung in den anderen Ländern in der Schweiz zu einem Umdenken führt. «Das Ausland macht es vor, dass es auch ohne geht.»

Für strengere Vorschriften spricht sich BDP-Nationalrat Bernhard Guhl aus. Der Imker sagt: «Wir sollte viel genauer prüfen, wie solche Stoffe langfristig auf Mensch und Umwelt wirken – insbesondere in Verbindung mit anderen Stoffen.» Gewisse Leute bräuchten etwas länger, bis sie realisierten, dass es Handlungsbedarf gebe.

Hersteller halten an flüssigen Kunststoffen fest

Gegen ein Verbot ist SVP-Nationalrat Christian Imark – er setzt wie der Bundesrat auf die Eigenverantwortung der Industrie. «Die Praxis zeigt, dass es funktioniert. Die Branche hat schon aus Image-Gründen ein Interesse daran, zu handeln.» Klar sei, dass es möglichst verhindert werden müsse, dass Mikroplastik in die Gewässer gelange.

Die Hersteller betonen, dass sie bereits reagiert hätten. Nivea-Hersteller Beiersdorf etwa schreibt auf seiner Website, dass man Mikroplastik schon Ende 2015 durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt habe.

Anders hält man es mit den flüssigen Kunststoffen. Diese seien nicht mit Mikroplastik vergleichbar: «Uns sind keine wissenschaftlichen Studien bekannt, in denen berichtet wird, dass diese Stoffe in der Umwelt Schäden verursachen.» Trotzdem unterstütze Beiersdorf die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ms.Swiss am 20.08.2018 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer das selbe...

    muss man darüber diskutieren, obwohl auch der hinterletzten Wäldler weiss, dass die Schadstoffe in den Shampoos die Umwelt und den Körper zerstören, wirds trotzdem immer noch hinzugefügt und diskutiert. Sind die Produzenden und die Kontrolleure zu faul, um endlich dagegen zu treten und beginnen, die Umwelt auch hier langsam zu retten? Aber nein, wir Menschen sind Wiederkäuer, die immer das selbe diskutieren, um sich mal in Taten zu bewegen...

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  • RS am 20.08.2018 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klares Verbot auf der ganzen Welt

    Ich verstehe das einfach nicht. Warum kann der Bund nicht einfach sagen das Kunststoffe in Kosmetika nichts verloren hat und sofort ein Verbot aussprechen? Es wird schon seit Jahren darüber gesprochen wie schädlich Plastikteilchen für die Umwelt sind. Aber die Wirtschaft muss natürlich geschützt werden. Die wissen es auch schon lange das sie in absehbarer Zeit etwas ändern müssen. Bis ins Jahr 2020 soll sich etwas tun. Aber glauben dann wirklich alle das es keine schwarzen Schafe gibt die dies nicht kümmert? Ich bin ganz klar für ein Verbot und Palmöl in Nahrung und Kosmetika auch verbieten.

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  • Gernot am 20.08.2018 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Hautwellness ala Tüechlidrugger

    Verseifte Fettsäuren, Sand, Sägemehl, Salz, es gäbe dutzende Alternativen zu Duschgelen oder Peeling Gelen. 100% abbaubar, natürlich und unschädlich für die Hautflora. Bloss will das der Konsument nicht mehr weil man ihm Jahrzentelang vorgemacht hat das es nicht gut sei. "Grüne Bananen" eben, da hat man ja auch Jahrzehntelang dem Konsumenten vorgemacht "so sieht eine Banane aus". Der Fehler ist dass ihr den ganzen Werbeschmarren immer glaubt, dass man euch das Blaue vom Himmel runterlügen kann und ihr schluckt es bloss um nicht unmodern zu wirken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl am 21.08.2018 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Auf die lange Bank geschoben

    Wie bei allem, was mit Wirtschaft und Geld zu tun hat: Die Frage ist immer, wer davon profitiert? Wenn es um Profit geht, spielt die Umwelt und unsere Gesundheit wohl keine allzu grosse Rolle mehr...

  • Curth Milleneuve am 21.08.2018 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warten auf Vernunft

    statt ein schnelles Verbot aller Kunststoffe die sich in Körperpflegeprodukten befinden. Es braucht keine jahrelange Forschung über Schäden bei Mensch und Tier oder evt. Schäden in der Umwelt es gibt nur eins ein sofortige Verbot.

  • Schorsch am 21.08.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Migros und Coop: Jetzt bitte handeln!

    Hauptsache wir brauchen weniger Plasticksäckli welche bei uns ja eh im Kehricht landen und nicht im See. Aber Plastik in Kosmetika welches direkt im See landet ist ja kein Problem. Migros, Coop etc. verkaufen haufenweise solche Produkte. Wer solche Produkte verkauft dem ist die Umwelt komplett egal. Deshalb Migros und Coop. Gleich heute noch alle Produkte rigoros aus den Regalen entfernen. Wir Kunden wollen das so. Alles andere ist Scheinheilig.

  • Yves A. Schneider am 21.08.2018 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Eigenverantwortung

    Auch hier Eigenverantwortung, So stelle ich meine Zuschnitte, Cremes Salben usw. selbst Sonnencreme selbst her. 100% Natur. Die sind angenehmer als die normalen. Herstellung ist einfach.

  • Matthias am 21.08.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provokant

    Jetzt bin ich mal provokant mit meiner Frage. Wieso leben wir dann länger als unsere Vorfahren, wenn angeblich alles so was von giftig ist? Nur an den Medikamenten, die mehr Nebenwirkungen haben, als einem gut tun würde kanns ja wohl nicht liegen, denn auch die, die keine oder kaum Medikamente nehmen, leben länger, als die Menschheit früher.