Vierfachmord Rupperswil

17. Mai 2016 07:17; Akt: 17.05.2016 10:46 Print

Wie kann ein Mensch so etwas Schreckliches tun?

Thomas N. löschte eine Familie aus. Wie tickt jemand wie er? Forensiker Thomas Knecht unternimmt einen Erklärungsversuch.

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Thomas N. war Trainer einer Juniorenmannschaft in der Region. Sie verteidigt den Vierfachmörder von Rupperswil: Die Aargauer Rechtsanwältin Renate Senn. Hier wohnte der Täter: Blick in den Garten des Hauses in Rupperswil AG. Bekannte beschreiben ihn als Einzelgänger: In diesem Haus in Rupperswil wohnte der Täter. Der Täter ist gefasst: Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin, informiert in Schafisheim AG über den Vierfachmord von Rupperswil (13. Mai 2016). Hauptmann Markus Gisin, Abteilungschef Kriminalpolizei, und Barbara Loppacher (13. Mai 2016). In einem Rucksack, den die Polizei bei der Hausdurchsuchung fand, waren eine Pistole, Fesseln und Klebeband enthalten (13. Mai 2016). Die Spannung war gross vor der Medienkonferenz zu einem der grausamsten Verbrechen in den letzten Jahren: Mikrofone stehen bereit in Schafisheim (13. Mai 2016). Der Vierfachmord von Rupperswil gehört zu den grössten Fällen der Schweizer Kriminalgeschichte: Polizisten am Tatort (21. Dezember 2015). Die Tat: Am 21. Dezember 2015 werden in Rupperswil AG eine Mutter, ihre zwei jugendlichen Söhne und die Freundin des älteren Sohnes brutal ermordet. Ein Brand soll die Spuren der Tat verwischen. Ein Kriminaltechniker am Tatort. Spurensuche: Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt. Hier sind sie im Gespräch mit Anwohnern. (24. Dezember 2015) Hinweise: Diese Wohlener Apotheke sollen am Tag der Tat zwei Unbekannte mit Schnittwunden betreten haben. Zeugen gesucht: Die Polizei veröffentlichte ein Bild des 48-jährigen Opfers Carla S., das sie in der Filiale der Aargauischen Kantonalbank in Wildegg zeigt. (24. Dezember 2015) In der Kirche in Rupperswil wurde der Gedenkgottesdienst für die Opfer des Vierfach-Mordes abgehalten. (8. Januar 2016) Im Gedenken an die Nummer 9: Die C1-Junioren des FC Aarau widmeten ihrem ermordeten Team-Mitglied einen Sieg. Sein Trikot war immer dabei. Ernüchterung: Die gefundenen DNA-Profile erzielten keine Treffer in den Datenbanken. Aargauer Ermittler und Staatsanwälte informierten in Schafisheim AG. (18. Februar 2016) Die Aargauer Behörden setzen eine Prämie von 100'000 Franken für Hinweise aus, die zur Festnahme der Täter führen könnten. (18. Februar 2016) Eine Sonderkommission aus rund 40 Ermittlern bearbeitet den Fall. Barbara Loppacher und Markus Gisin, der Leiter der Aargauer Kriminalpolizei. (18. Februar 2016) Die Tat schockiert die Gemeinde Rupperswil: Bewohner gedenken der Opfer mit Kerzen. (24. Dezember 2015)

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Herr Knecht, wie ist ein Mensch zu einer solch kaltblütigen Tat fähig?
Kurz gesagt durch den Mangel an zwischenmenschlichen Gefühlen.

Können Sie das ausführlicher erklären?
Grundsätzlich steckt in jedem Menschen gewalttätiges Potenzial. Doch längst nicht jeder lebt es aus. Unser Gehirn und unser Wesen werden bereits im Mutterleib geformt. Wenn dabei etwas schief läuft, kann es zu Persönlichkeitsstörungen kommen. Beispielsweise wissen wir, dass wenn die Mutter raucht oder Alkohol konsumiert, die Hirnentwicklung des Babys so verändert wird, dass es zu einer dissozialen Störung kommen kann. Durch die Erziehung und Lebenserfahrungen sollte der Mensch ausserdem zum sozial verträglichen Wesen geformt werden. Dazu gehört, dass er Empathie lernt. Der Mensch muss lernen, sich in andere hineinzuversetzen und mit anderen zu funktionieren. Durch eine lieblose oder gewalttätige Erziehung oder böse Erfahrungen kann die Entwicklung zu einem sozialen Wesen beeinträchtigt werden. Wenn solche sozialen Fähigkeiten ganz fehlen, spricht man von einem Psychopathen.

Wie wirkt sich das Fehlen von Einfühlungsvermögen aus?
Man geht auf die Gefühle anderer nicht ein oder bemerkt diese nicht einmal. Andere Menschen werden lediglich als Statisten gesehen, die man so anordnen kann, wie man möchte. Man schaut nur, dass die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden und das ohne Gewissensbisse. Diese Befriedigung steht über allem. Solche Menschen unternehmen alles, damit sie das bekommen, was sie unbedingt wollen. Sie sind sogar bereit, sich über andere hinwegzusetzen. So kommen wir schnell in den Bereich des Kriminellen.

Woran ist ein Psychopath erkennbar?
Bereits die Denkweise und das Benehmen können darauf hinweisen, dass ein Mensch anders tickt. Je mehr die Person, sein Umfeld und sein Leben untersucht werden, desto mehr Auffälligkeiten werden einem bewusst.

Ist der Täter von Rupperswil für Sie ein Psychopath? Wenn nein, was könnte er dann sein?
Die Gefühlskälte lässt darauf schliessen. Aber auch die Frage des pathologischen Narzissmus ist abzuklären.

Wann ist jemand bereit eine solche Tat auszuführen?
Die Bereitschaft ist meistens bereits schon da. Aber veränderte Lebensumstände können dazu führen, dass jemand aktiv und dadurch delinquent wird.

Thomas N.* soll vor einigen Jahren seinen Vater verloren haben. Kann ein solcher Schicksalsschlag ein Auslöser für die Tat gewesen sein?
Je nach Anlage gehen Menschen anders damit um. Während die normalen Menschen einen Schicksalsschlag nehmen und gestärkt daraus hervorgehen, nehmen Psychopathen diesen so auf, dass sie noch selbstbezogener werden. Sie sehen es als Anlass, sich noch mehr auf sich selber und die eigene Befriedigung zu fokussieren.

Kann eine solche Tat auch eine Kurzschlussreaktion sein?
Ein Mord wird immer mit Bedacht begangen. Er ist immer geplant und grausam. Eine Kurzschlussreaktion führt eher zu Totschlag.

Wie kann jemand wie Thomas N. nicht als psychologisch krank gelten, aber eine solche Tat vollbringen?
Eine psychische Erkrankung, die in Phasen verläuft, scheint er nicht zu haben. Eine Persönlichkeitsstörung ist dadurch längst nicht ausgeschlossen.

* Name der Redaktion bekannt

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trauernd am 17.05.2016 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heartbraking

    Er hat der Schweiz das Herz gebrochen. Absolut verstörend!

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  • nöö am 17.05.2016 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opfer 

    Ich hoffe dass die noch lebenden Opfer nicht vergessen werden. Die Angehörigen der getöteten und wohl auch die des Täters.

  • Malu14 am 17.05.2016 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Einen grossen Dank die ganzen Menschen, die geholfen haben diesen Mann, so schnell wie möglich, fest zu nehmen. Für die Opfer R.I.P

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jonny sh am 17.05.2016 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich

    Jetzt bleibt zu Hoffen, dass die Justiz weiss was zu tun ist.

  • xxlbmw am 17.05.2016 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    A-Z 

    Sehr schrecklich was passiert ist, aber solche taten kann man weder verhindern noch voraussehen.

  • Bellatrix am 17.05.2016 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täter

    Das ganze ist irgendwie unglaubwürdig... Lange ging nichts und plötzlich hat man einen Täter, der alles ganz leicht zugab... Ich sage nicht, dass er es nicht war, aber trotzdem finde ich es äusserts komisch

    • Flashgordon am 17.05.2016 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lestrange

      Wenn Du mittels forensischer Nachweise überführt wirst, kannst Du lange sagen ich wars nicht. Vorallen wenn Du sonst mit deinem Opfer null und nichts zu tun hast. Bei Mord wird er ohnehin ein Leben lang verwahrt werden.

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  • Giuditta65 am 17.05.2016 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    Mich interessiert mal wie solche guten Aussagen mit dem Daumen nach unten bewertet werden können, mir absolut unverständlich. Wünsche allen Angehörigen viel Kraft. Danke das man den Täter so schnell gefasst hat.

  • Jo am 17.05.2016 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst

    Das solche, anscheinend gegen aussen nette, innerlich aber extrem gefühlskalte Menschen mitten unter uns Leben macht Angst.