Zersiedelung

09. Januar 2019 20:53; Akt: 09.01.2019 21:51 Print

Sehen diese Ortschaften wirklich schlimm aus?

Die Initianten der Zersiedelungsinitiative kämpfen mit Fotos überbauter Landschaften für ein Ja. Gegner sehen keinen grossen Handlungsbedarf.

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In einem Monat wird über die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen abgestimmt. Sie will eine weitere Ausdehnung der Bauzonen in der Schweiz verhindern. Die Gesamtfläche des bebaubaren Landes soll eingefroren und das bestehende Bauland effizienter genutzt werden.

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«Die bestehenden Baulandreserven von 400 Quadratkilometern können für die weitere bauliche Entwicklung der Schweiz genutzt werden», sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, vor den Medien. Aber: «Wir möchten in 30 Jahren keine zugebaute, versiegelte und graue Schweiz haben.» Dies könne nur mit einem Ja erreicht werden.

Zersiedlung oder Idylle?

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, sammeln die Initianten auf ihrer Homepage Fotos, die die Auswüchse der Zersiedelung in der Schweiz dokumentieren sollen. Dutzende von Fotos aus allen Teilen des Landes zeigen die sich ausbreitenden Agglomerationen. Doch handelt es sich dabei wirklich um Negativbeispiele der Zersiedelung oder übertreiben die Initianten?

20 Minuten hat den Befürworter Luzian Franzini von den Jungen Grünen und den Gegner der Initiative, und einen Gegner der Initiative Nationalrat und Vize-Präsident der FDP Christian Wasserfallen mit diesen fünf Beispielen konfrontiert.

1. Altdorf UR

Christian Wasserfallen: «Ich finde Altdorf sehr idyllisch. Altdorf sollte seine Entwicklung wenn möglich nach innen konzentrieren. Dies geht nur, wenn dort neue Baulandreserven eingezont werden können. Die ZSI kann hier sogar kontraproduktiv sein, wenn sie zentrumsnahe Bauten nicht mehr zulässt.»

Luzian Franzini: «Das Bild zeigt, wie ungeplant zersiedelt wurde. Im Urner Talboden hat die Zersiedelung stärker zugenommen als das Bevölkerungswachstum. Für den Tourismus der Zentralschweiz ist es extrem wichtig, dass malerische Landschaften erhalten bleiben.»

2. Ayent VS

Christian Wasserfallen: «Die Siedlung gefällt mir nicht besonders. Man sollte neue Bauten nur noch an den bestehenden Infrastrukturen, insbesondere Strassen, tolerieren, damit der Ortskern zusammenwächst. Die ZSI bringt hier aber nichts, da diese Gemeinde die Baulandreserven wohl bereits eingezont hat.»

Luzian Franzini: «Ein krasses Beispiel der Zersiedelung. Ein solcher Siedlungsbrei ist aus touristischer Sicht nicht gerade attraktiv. Mit unserer Initiative könnte eine solche Bauweise in Zukunft verhindert werden. Wir könnten die Baulandreserven dann an die Orte transferieren, wo Entwicklung Sinn macht.»

3. Lindau ZH

Christian Wasserfallen: «Die Siedlung ist gelungen und hat einen klar definierten Ortskern. Ich sehe hier keinen Handlungsbedarf. Falls Lindau keine Baulandreserven mehr hat, könnte wegen der ZSI dort nicht mehr gebaut werden. Lindau würde von der ZSI eher bestraft.»

Luzian Franzini: «Diese Siedlung ist ungeordnet einer Strasse entlang ins Kulturland gewachsen. Mit der Zersiedelungsinitiative liesse sich die Siedlungsentwicklung besser planen und es könnten in Zukunft klare Ortsgrenzen geschaffen werden.»

4. Troistorrents VS

Christian Wasserfallen: «Das gefällt mir nicht besonders. Die Gemeinde sollte schauen, dass sich die Entwicklung ab sofort nach innen ergeben würde. Die Zersiedelungsinitiative ZSI bringt nichts, da diese Gemeinde die Baulandreserven wohl bereits eingezont hat.»

Luzian Franzini: «Man sieht auf den ersten Blick, wie die Zersiedelung den Naherholungsgebieten schadet. Mit der Zersiedelungsinitiative lässt sich verhindern, dass inmitten der grünen Wiesen neue Bauzonen geschaffen werden.»

5. Vitznau LU

Christian Wasserfallen: «Ich finde Vitznau sehr idyllisch. Neue Bauten sollten nahe am Ortskern erfolgen. Falls Vitznau keine Baulandreserven mehr hat, wird man nach der ZSI kaum mehr einzonen können. Das würde eine weitere Entwicklung von Vitznau total bremsen. Vitznau wird von der ZSI eher bestraft.»

Luzian Franzini: «Das ist kein ultraschlimmes Beispiel. Trotzdem werden schöne grüne Wiesen an bester Lage verbaut. Die Region um Vitznau ist stark vom Tourismus abhängig. Mit der ZSI kann die Landschaft weiterhin attraktiv gehalten werden.»

(eke)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • d. schwander am 09.01.2019 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    politische ideologie

    was mich stört: die jungen grünen sind zwar gegen die zersiedelung unserer landschaft, sehen aber kein problem darin, die zuwanderung weiterhin nicht zu regulieren. politische ideologien können blind machen...

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  • Fabian am 09.01.2019 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Jugend ohne Zukunft

    Mit dieser Initiative wird der Wohnraum unbezahlbar. Schön für die Eigentümer, als 25 Jähriger wird damit das Eigenheim selbst auf dem Land unbezahlbar

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  • Klaus Trofoby am 09.01.2019 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur pur war einmal

    Nicht die Ortschaften sehen schlimm aus sondern die fehlende Natur. Wenn es so weitergeht wie bisher ist das Mittelland ein einziges Dorf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ökofritz am 10.01.2019 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Von Baden nach Dietikon

    Die Zersiedlung sehe ich wenn ich von Baden nach Dietikon mit dem Velo fahre. Wird wohl nicht mehr lange gehen, bis ein Eichhörnchen von Baden bis Dietikon von Haus zu Haus hüpfen kann.

  • Bärgbur am 10.01.2019 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kaum zu bremsen.....

    seit bald fünfzig Jahren, ist es ein Thema, aber gegen die Spekulanten ist kein Kraut gewachsen in dieser Zeit! Nicht zu vergessen,wieviel Arbeitsplätze dass die Baubranche bietet! Überdies ist die verdichtete Bauweise nicht optimal,für das Zusammenleben der Menschen! Dazu ist es eine wirkliche Katastrophe, wenn man sieht wieviel Primeland ,für die riesengrossen Industriebauten vertan wird ! Auch die Bauzonen wechseln seit jeher mit jedem neuen Gemeinderat !

  • Mutz am 10.01.2019 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Für wen planen wir unsere zukunft in der schweiz eigentlich? für touristen, die unser land "idyllisch" finden sollen, oder für menschen, die hier im land wohnen möchten?!

  • Demokrat am 10.01.2019 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde nie umgesetzt...

    Klar dürfte ja sein, dass auch falls die Initiative vom Souverän angenommen werden sollte, diese von "unserem" Wirtschafts- und Lobbyparlament sowieso niemals umgesetzt wird. Höchstens "pfefferscharf", dafür aber "Ultralight"....

  • solo am 10.01.2019 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter denken

    Natürlich währe sicher besser als das was man da sieht, nur ist es einiges zu spät. Und nur eine solche Initiative annehmen und nichts als Ersatz bieten geht nicht,! Bestehende Häuser müsste man deutlich in die Höhe bauen können. Und abgerissene Vauten müsste nan evenfalls sufstocken können. Wer zwei Häuser abbricht darf dafür ein neues jedoch entsprechend höher plus zusätzlich Stockwerke bauen. Alles ander geht nicht, wir brauchen pkatz. Ich sage jedenfalls nein.