Kryptowährungen

02. Juli 2019 21:09; Akt: 02.07.2019 21:30 Print

Wieso stoppt niemand die Bitcoin-Betrüger?

Ein Bitcoin-Portal wirbt mit Fake-Interviews. Lockvögel sind DJ Bobo, Roger Schawinski oder Roger Federer. Warum kann den Betrügern nicht das Handwerk gelegt werden?

Bildstrecke im Grossformat »
Betrügerische Bitcoin-Portale treiben ihr Unwesen: Mit gefälschten Interviews im Layout von Schweizer und deutschen Nachrichtenseiten missbrauchen die Betrüger die Identitäten von Schweizer Prominenten. Die neuesten Lockvögel sind DJ Bobo und Schawinski, wie «Watson» berichtet. Sie werben unfreiwillig für ein Bitcoin-Portal, das sie reich gemacht haben soll. Die Fake-Interviews kursieren auf Facebook. Ebenfalls betroffen sind die Musiker Bligg und SRF-Moderatoren wie Sandro Brotz, Susanne Wille und Kurt Aeschbacher. Die Betrugsmasche ist nicht neu: Bereits im März kursierte auf Facebook ein gefälschtes Interview mit Roger Federer. Im Artikel warb der Tennisstar angeblich für das Portal «The Bitcoin Code» – natürlich ein Fake. Federer habe aber keine Strafanzeige eingereicht, weil nicht habe eruiert werden können, wer den Post verfasst habe, und weil kein Bezug zur Schweiz ersichtlich gewesen sei, sagt sein Anwalt Filippo Th. Beck zu 20 Minuten. Die Betrugsmasche ist den Behörden seit einiger Zeit bekannt. Da ein Grossteil der betroffenen Privatpersonen den Betrug nicht meldet, sind laut Max Klaus, Stellvertretender Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI, keine repräsentativen Zahlen verfügbar. «Die Betrüger verwischen ihre Spuren online sehr geschickt», sagt auch Laura Brand, Projektleiterin bei der Schweizerischen Kriminalprävention SKP. Die vorhandenen IP-Adressen würden jeweils mithilfe von Umleitungen über Proxy-Server oder mit der Nutzung des Tor-Netzwerks verschleiert werden. «So führen die Spuren am Schluss ins Ausland», sagt Brand. Warum die Fake-Artikel nach wie vor den Usern auf Facebook angezeigt werden, hat laut Stefan Thöni, It-Experten und Präsident der Priatenpartei Zentralschweiz, mehrere Gründe. Einer davon: «Facebook verdient mit Werbung – egal, ob echt oder gefälscht – Geld. Ausserdem würden aufwendige Kontrollmechanismen einen riesigen Aufwand für Facebook generieren.» Das Unternehmen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Betrügerische Bitcoin-Portale treiben ihr Unwesen: Mit gefälschten Interviews im Layout von Schweizer und deutschen Nachrichtenseiten missbrauchen die Betrüger die Identitäten von Schweizer Prominenten. Die neuesten Lockvögel sind DJ Bobo und Roger Schawinski, wie «Watson» berichtet. Sie werben unfreiwillig für ein Bitcoin-Portal, das sie reich gemacht haben soll. Die Fake-Interviews kursieren auf Facebook. Ebenfalls betroffen sind die Musiker Bligg und SRF-Moderatoren wie Sandro Brotz, Susanne Wille und Kurt Aeschbacher.

Fake-Roger soll Karriere für Bitcoins aufgeben

Die Betrugsmasche ist nicht neu: Bereits im März kursierte auf Facebook ein gefälschtes Interview mit Roger Federer. Im Artikel warb der Tennisstar angeblich für das Portal «The Bitcoin Code» – natürlich ein Fake (20 Minuten berichtete).

Federer habe aber keine Strafanzeige eingereicht, weil nicht habe eruiert werden können, wer den Post verfasst habe, und weil kein Bezug zur Schweiz ersichtlich gewesen sei, sagt sein Anwalt Filippo Th. Beck zu 20 Minuten.

«Grossteil der Betroffenen melden den Betrug nicht»

Die Betrugsmasche ist den Behörden seit einiger Zeit bekannt. Da ein Grossteil der betroffenen Privatpersonen den Betrug nicht melden, sind laut Max Klaus, Stellvertretender Leiter der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani, keine repräsentativen Zahlen verfügbar.

«Bisher sind bei Melani aber Meldungen im mittleren zweistelligen Bereich eingegangen.» Man vermute, dass es sich bei der Betrugsmasche um eine Version des sogenannten Vorschussbetrugs handle. «Betroffene sollten sich am besten an die zuständige Kantonspolizei wenden, um eine Strafanzeige gegen die Betreiber des Portals einzureichen», rät Klaus.

Warum kann man die Betrüger nicht stoppen?

Weshalb es so schwierig ist, den Betrügern auf die Schliche zu kommen, liegt laut Klaus daran, dass es sich um Profis handelt. «Sie wissen sich gut zu verstecken.» Bei den Kantonspolizeien Zürich und Aargau sind bisher keine solche Fälle bekannt.

Dies bestätigt auch Laura Brand, Projektleiterin bei der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP). «Die Betrüger verwischen ihre Spuren online sehr geschickt.» Die vorhandenen IP-Adressen würden jeweils verschleiert, beispielsweise mithilfe von Umleitungen über Proxy-Server oder mit der Nutzung des Tor-Netzwerks. «So führen die Spuren am Schluss ins Ausland», sagt Brand. Viele Verfahren würden deshalb eingestellt.

«In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype um sagenhafte Gewinne mit Kryptowährungen entstanden. Es gibt eine grosse Anzahl betrügerischer Websites, die diese Goldgräberstimmung ausnutzen und bei kleinen Anlagen grosse Gewinne versprechen», warnt Brand. In den meisten Fällen gebe schon eine kleine Google-Recherche Anhaltspunkte über die Seriosität des Angebots.

«Facebook verdient auch an gefälschter Werbung»

Warum die Fake-Artikel nach wie vor den Usern auf Facebook angezeigt werden, hat laut Stefan Thöni, It-Experte und Präsident der Piratenpartei Zentralschweiz, mehrere Gründe. «Grundsätzlich haben soziale Medien das Gefühl, dass sie jenseits unseres Rechtraums stehen.» Beispiel dafür sei das lasche Vorgehen Facebooks gegen Hasskommentare, während gleichzeitig unproblematische Inhalte wie am Fliessband gelöscht werden würden. Ausserdem verdiene Facebook mit Werbung – egal, ob echt oder gefälscht – Geld, so Thöni.

«Fake-Werbung generiert mindestens genauso viele Klicks wie richtige Werbung. Ausserdem würden aufwendige Kontrollmechanismen einen riesigen Aufwand für Facebook generieren.» Tatsächlich werden die Fake-Interviews teils auch als gesponserte Inhalte auf Facebook präsentiert, wie ein Screenshot belegt (siehe Bildstrecke). Facebook verdient an diesen gesponserten Beiträgen Geld.

«Wir gehen gegen diese Art von Anzeigen vor»

Facebook toleriere das aber nicht. «Diese Art von Anzeigen hat absolut keinen Platz auf Facebook und wir entfernen alle, die uns gemeldet wurden», so ein Sprecher zu 20 Minuten. Die Leute hinter diesen irreführenden Anzeigen würden ihre Taktiken laufend anpassen, um nicht entdeckt zu werden.

«Während wir unsere Tools diesbezüglich ständig verbessern, können wir nicht alle Missbrauchsfälle vermeiden», so der Facebook-Sprecher. Das Unternehmen verpflichte sich dazu, diese Anzeigen schnell zu entfernen und gegen die Personen dahinter vorzugehen.

(mm)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gusteli am 02.07.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stopen kann mann selber, mit nicht mitmachen

    weil verantwortliche selber betrügr sind

    einklappen einklappen
  • Sile am 02.07.2019 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleich ist nicht Gleich

    Komisch aber ein Beitrag wo FB nicht passt und zack man ist ein Monat gesperrt.

    einklappen einklappen
  • Lama am 02.07.2019 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Internet Sachen

    Löschung der Webseite musste viel viel schneller möglich sein. Aber Justiz ist so eine Sache. Umsetzung und Machbarkeit auch. So lange es niemand wichtigen wirklich stört, wird sich nichts ändern.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rozi am 04.07.2019 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefordert

    Ja hier wäre HNdlungsbedarf des Bundes gefragt. Cyberkriminalität nennt man das. Sofortmassnahmen ergreifen aber eben es ist ja nur ein Vermögensdelikt. Kleine Sache zuerst ein paar Jahre abwarten damit es die richtige Grösse hat. Seit Jahren werden wir auch nur um kleine Beträge betrogen von dubiosen Gestalten. Aber sag es immer wieder viele kleine Häufchen geben auch einen grossen Mist.

  • Ruth am 04.07.2019 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    STOPT ENTLICH DIESEN IRRSINN / WAHNSINN

    Die Schweizer-Regier etwas gegen diese Abzocker-Geld-Entwertung etwas unternehmen und den Riegel schieben damit der Bitcon in der Schcweiz verboten wird.

  • Dieni am 04.07.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitcoin

    Wenn jemand das große Geld verspricht, denke ich immer, warum macht er es nicht selber?

  • Martin L. am 03.07.2019 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Klage gegen Fb

    ich habe entsprechende Werbung auf meinem Profil am Laufmeter gelockt und gemeldet. Seit etwas mehr als einer Woche habe ich Ruhe. Es wird vielleicht Zeit dass jemand der in solchen Inseraten zitiert wird, eine Klage gegen FB einreicht.

  • Argus am 03.07.2019 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkt doch ein Blinder

    Na ja, es ist doch jeder selber schuld, wenn er auf so etwas hereinfällt. Würde man das Hirn einschalten und etwas denken, dann käme man von selbst darauf, dass da etwas nicht stimmt. Und sowieso, wenn es sich um Kryptowährungen geht.

    • Erich Ed. Müller am 03.07.2019 15:53 Report Diesen Beitrag melden

      Faule Ausrede.

      Dass Täter mit einer IP im Ausland kaum gefasst werden können, ist ein Märchen. Es fehlt am politische Willen. Schon längst hätte man bilaterale oder multilaterale Vereinbarungen abschliessen und wirksame Cyberabteilungen bei der Polizei realisieren können, aber man will nicht. Dass Täter, die im Internet aus dem Ausland operieren, nur sehr schwer oder überhaupt nicht zu fassen seien, ist ein faule Ausrede.

    einklappen einklappen