Schweizer Medien

12. Februar 2011 18:33; Akt: 13.02.2011 15:08 Print

Wikileaks-Dokumente sind in der Schweiz

Kommt es demnächst zu grossen Enthüllungen über die Schweiz? Wenn es nach den Zeitungen «Le Temps» und «NZZ» geht, schon: Sie haben von Wikileaks 5814 US-Depeschen über die Schweiz erhalten.

storybild

Nachdem bislang nur grössere Zeitungen wie die «New York Times» oder der «Spiegel» im Besitz von Wikileaks-Depeschen waren, haben sich nun Schweizer Medien den Zugang zu den Dokumenten gesichert. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» und die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) sind nach eigenen Angaben im Besitz sämtlicher Wikileaks-Dokumente zur Schweiz. Sie hätten vom Enthüllungsportal von Julian Assange insgesamt 5814 US-Depeschen erhalten, schrieben die beiden Zeitungen am Samstag.

Die Dokumente beleuchteten die Beziehungen der Schweiz zu den USA und enthielten Einschätzungen der Schweizer Politik durch amerikanische Diplomaten. Die meisten Dokumente seien in den vergangenen zehn Jahren verschickt worden, schreibt die NZZ.

Depeschen aus US-Botschaften

Zum Datensatz gehören laut «Le Temps» alle Depeschen, die von den US-Gesandtschaften in Bern und Genf nach Washington übermittelt wurden sowie alle Dokumente, die den Namen «Swiss» oder «Switzerland» führen.

Die Redaktionen der beiden Zeitungen wollen die Datensammlung in den nächsten Tagen analysieren und die «wesentlichen Aussagen» publizieren.

Immer mehr kleinere Zeitungen von Wikileaks beliefert

Zunächst hatte Wikileaks nur die weltweit bekanntesten Titel wie die «New York Times» oder den «Spiegel» mit dem gesamten Datensatz beliefert. Diese begannen Ende November mit der Publikation von Artikeln zu den insgesamt 250'000 Dokumenten, welche die US- Diplomatie und ihre Verbündeten teilweise in ein peinliches Licht rückten.

Zwischenzeitlich sind auch andere Zeitungen zum Zug gekommen. Rund 500 Depeschen aus den US-Gesandtschaften in Bern und Genf konnten zudem von Radio Basel auf der «Spiegel»-Redaktion eingesehen werden. Auch auf der Webseite von Wikileaks sind einige Dokumente mit Schweiz-Bezug öffentlich gemacht worden.

Aufregung im Bundesrat

Bereits für Aufregung im Bundesrat gesorgt haben von Wikikleaks zutage geförderte Verknüpfungen wie jene zwischen dem UBS- Übereinkommen mit den USA und der Aufnahme von Uiguren aus dem US- Folterlager Guantánamo auf Kuba.

Auch Enthüllungen zur Isolation von Schweizer Diplomaten in Tripolis während der Krise zwischen der Schweiz und Libyen um einen Gaddafi-Sohn und die verschleppten Geschäftsleute Göldi und Hamdani werfen ein schlechtes Licht auf das Aussenministerium in Bern.

(sda)