Problemhäftling

14. April 2018 11:27; Akt: 14.04.2018 11:27 Print

Carlos braucht bei Hofgang vier Begleiter

Seine Strafe hat Carlos abgesessen, doch wegen eines Angriffs auf Aufseher bleibt er hinter Gittern. Dort macht er weiterhin Probleme.

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Eigentlich wäre Häftling Carlos* (20) im September aus dem Gefängnis freigekommen, seine Haftstrafe von 18 Monaten wegen versuchter schwerer Körperverletzung war abgesessen. Doch der Gefangene, der als Jugendstraftäter durch sein teures Sondersetting bekannt wurde, bleibt hinter Gittern.

Er befindet sich zurzeit in Untersuchungshaft, weil er in der Strafanstalt Pöschwies einen Aufseher niedergeschlagen und verletzt hat. Ausserdem randalierte er in seiner Zelle, setzte sie unter Wasser, und verursachte so einen Schaden von mehreren Zehntausend Franken.

Hofgang nur mit vierköpfiger Sondereinheit

Doch das ist noch lange nicht alles: Wie der «Blick» berichtet, soll er Aufseher drangsalieren, indem er sie durch die Essensklappe anspuckt, wenn diese ihm das Essen durchreichen. Er habe die Klappe auch schon mehrfach aus ihrer Verankerung gerissen, seinen Fernseher habe er schon lange zerstört.

Seit rund einer Woche sitzt Carlos in der Berner Strafanstalt Thorberg. Beim Hofgang müsse er jeweils durch mindestens vier Mitglieder einer Sondereinheit begleitet werden. «So viele sind nötig, um ihn sicher aus der Zelle zu holen», erzählt ein Beamter. Zusätzlich soll ein Polizeihund als Begleitschutz zum Einsatz kommen.

Wegen Angriff auf Aufseher droht die Verwahrung

Der Anwalt von Carlos, Thomas Häusermann, bestätigt die Massnahme und kritisiert die harte Gangart: «Carlos wird extrem eingeengt. Es grenzt teilweise an eine militärische Abschottung. Er wird von vier bis sechs Polizisten einer Sondereinheit beim Spaziergang begleitet. Ist das verhältnismässig?» Schliesslich habe Carlos niemanden umgebracht oder vergewaltigt. «Die Behandlung ist ungerecht. Es braucht einen frischen Wind in der Sache.»

Zu den Vorfällen in der Pöschwies ermittelt die Zürcher Staatsanwaltschaft. «Ich untersuche diverse Vorfälle, die sich während der Zeit des Strafvollzugs von Carlos im Jahr 2017 sowie während der anschliessenden Untersuchungshaft ab Ende September 2017 ereignet haben», bestätigt Staatsanwalt Ulrich Krättli der Zeitung. Es handle sich im Wesentlichen um Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Sachbeschädigung.

Diese Untersuchung könnte für Carlos schwere Folgen haben: Sollte der Staatsanwalt den Angriff auf den Pöschwies-Aufseher als versuchte schwere Körperverletzung qualifizieren, müsste Carlos mit der Verwahrung rechnen. Laut Staatsanwalt Krättli wird geprüft, ob die Voraussetzungen für eine ordentliche Verwahrung erfüllt sind.

*Name geändert

(the)