Cannabis-Frage

04. Februar 2014 10:54; Akt: 04.02.2014 11:32 Print

Wird Kiffen in der Schweiz legal, Herr Berthel?

Kiffer-Clubs und Hanf-Abgabe: Die Schweiz diskutiert wieder über die Cannabis-Liberalisierung. Laut Toni Berthel, Präsident der Kommission für Drogenfragen, ist das auch richtig.

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Herr Berthel, die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen diskutiert mögliche Regulierungsmodelle für Hanf. Warum?
Toni Berthel: In der Welt gibt es neue Arten, wie man mit Cannabis umgehen will. Wir lassen uns derzeit über verschiedene Regulierungsmodelle informieren. Zum Beispiel kann man im US-Bundesstaat Colorado Cannabis neuerdings legal kaufen, und auch in Uruguay und Spanien geht man neue Wege. Ich möchte betonen: Noch laufen interne Diskussionen und wir haben noch keine Position eingenommen. Wir wollen einfach eine klare Meinung haben, wenn die emotionale Diskussion auch in der Schweiz wieder aufkommt, um den Bundesrat fundiert beraten zu können.

Volk und Stände haben 2008 aber klar Nein gesagt zur Hanf-Initiative. Treten Sie nicht den Volkswillen mit Füssen, wenn Sie nun die Legalisierung schon wieder aufs Tapet bringen?
Nein, wir missachten den Volkswillen nicht. Es ist klar: Im Moment ist es unwahrscheinlich, dass es eine Mehrheit für eine Legalisierung gibt. Langfristig müssen wir uns aber die Frage stellen, wie man mit psychoaktiven Substanzen umgeht – dazu zählt auch Cannabis. Denn obwohl es verboten ist, wird es trotzdem konsumiert. Hauptsächlich Junge erwerben die Droge über den Schwarzhandel – und geraten so in ein kriminalisiertes Umfeld. Das kann nicht die Lösung sein. Und wenn es sogar in den USA Schritte zu einer Legalisierung gibt, ist das ein starkes Zeichen: Offenbar sieht man ein, dass man mit Verboten und Repression allein die Problematik nicht lösen kann.

Also wird Kiffen in der Schweiz irgendwann legal sein?
Dass Kiffen seit dem Herbst nur noch mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auf städtischer Ebene wird aber weiter intensiv diskutiert werden. In Genf will eine Parlamentariergruppe zum Beispiel ein Pilotprojekt für «Cannabis Social Clubs» lancieren – ein Modell, das es in Spanien bereits gibt. Dort können jeweils rund 200 bis 300 Mitglieder eines Clubs eine begrenzte Menge Cannabis legal bestellen und konsumieren. Auf nationaler Ebene rechne ich nicht damit, dass sich schnell etwas ändern wird.

Waren Sie schon einmal in einem solchen Club?
Nein, ich kiffe übrigens auch nicht (lacht).

Es gibt Studien, die sagen, dass sich Kiffen negativ auf den IQ auswirkt.
Es ist grundsätzlich so, dass ein übermässiger Konsum von psychoaktiven Substanzen für die seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nicht gut ist. Allerdings sind die Studien widersprüchlich, weil man immer die konsumierte Menge berücksichtigen muss: Es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob man ein Bier trinkt oder ein Rauschtrinker ist. Es muss sichergestellt werden, dass Kinder geschützt werden. Dies kann man in einem regulierten System besser erreichen als in einem kriminalisierenden Umfeld.

(daw)