Rätselkampagne

04. November 2009 18:10; Akt: 04.11.2009 18:14 Print

Wird das Rätsel der umstrittenen Plakate gelöst?

Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat für Donnerstagmorgen eine Medienkonferenz zum Thema der anonymen Plakate mit behindertenfeindlichen Sprüchen angekündigt. Wird sich das BSV als Auftraggeber outen?

Bildstrecke im Grossformat »

Die provozierende Plakate hängen im Bahnhof Stadelhofen in Zürich und in der Bahnhofsunterführung in Winterthur.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Kritik gegen die anonymen Plakate mit behindertenfeindlichen Sprüchen zieht weitere Kreise. Kritik kommt nun auch von der grössten Schweizer Behindertenorganisation Procap und vom Kanton Genf.

In einem Brief an Bundesrat Didier Burkhalter forderte die Genfer Kantonsregierung am Mittwoch, dass der Magistrat beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) interveniere. Laut Genfer Informationen steckt das BSV hinter der Kampagne.

Hat das BSV kälte Füsse bekommen?

Angesichts der Kritik aus verschiedenen Lagern scheint das BSV kalte Füsse bekommen zu haben. Es führt am Donnerstag eine Medienkonferenz zu diesem Thema durch. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA hatte das BSV am Dienstag weder dementiert noch bestätigt, dass es die Plakatkampagne in Auftrag gegeben habe.

Seit Montag prangen in der Schweiz Sätze wie «Behinderte sind dauernd krank» oder «Behinderte kosten uns nur Geld» von den Plakatwänden. Die Affichen wurden von der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) ausgehängt. Diese gibt den Namen des Auftraggebers nicht bekannt. Auch das Bundesamt für Sozialversicherung kennt die Verantwortlichen, wie Recherchen von 20 Minuten Online ergeben haben. Aber auch das BSV schweigt.

Procap störe sich daran, dass die zugespitzten Aussagen ohne Kommentar und Absender sind, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Das möge aus Sicht der Kampagne zwar Sinn machen, werde aber von den Betroffenen als grobe Beschimpfung wahrgenommen.

Deshalb fordert Procap in ihrer Mitteilung «die Offenlegung der Ziele und der zentralen Botschaften der Kampagne», sowie eine öffentliche Entschuldigung bei den Betroffenen. Zudem sei in Zukunft bei der Lancierung solcher Kampagnen mit den Selbsthilfeorganisationen Rücksprache zu nehmen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yannick am 04.11.2009 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnert an die Aktion T4

    Hatten wir schonmal, brauchen wir nicht nochmal. Die Kampagne ist unter jedem Niveau, ganz egal wie sie aufgelöst wird.

  • Hans Heise am 04.11.2009 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich frage mich, was Touristen über die Schweiz denken, wenn sie die Minarett- und die Behindertendiskriminerungs-Plakete sehen. Vorallem wissen die vielleicht gar nicht dass das nur ein "Spass" ist und die Auflösung noch folgt. Darum ist mit solchen Plakaten nicht zu spassen!

  • Robert Aeschlimann am 06.11.2009 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Erhöhte Mehrwertsteuer

    1.5 Milionen Franken nur um Behinderte zu beleidigen und dafür erhöht man die Mehrwertsteuer? An der nächsten Abstimmung zu diesem Thema denken wir besser nach. Das Geld wird zum Fenster rausgeschmissen nur damit ein paar wenige sich wichtig fühlen können .

Die neusten Leser-Kommentare

  • Robert Aeschlimann am 06.11.2009 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Erhöhte Mehrwertsteuer

    1.5 Milionen Franken nur um Behinderte zu beleidigen und dafür erhöht man die Mehrwertsteuer? An der nächsten Abstimmung zu diesem Thema denken wir besser nach. Das Geld wird zum Fenster rausgeschmissen nur damit ein paar wenige sich wichtig fühlen können .

  • anna am 06.11.2009 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    schon wieder...

    ...regen sich einige furchtbar auf. es geht doch bei diesen plakaten darum, die gesellschaft mit ihren eigenen vorurteilen zu konfrontieren und nicht darum, behinderte menschen zu diffamieren. so funktioniert werbung und sie funktioniert gut! was soll die ganze aufregung? bei so viel weissem platz auf den plakaten kommt sicher bald die auflösung - also, take it easy!

  • Jasmin am 05.11.2009 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    aufhören

    die plakate sind nicht gedacht um die behinderten zu schikanieren, sondern um aufzuzeigen wie in unserer gesellschaft gedacht wird. sind wir doch mal ehrlich zu uns selber. praktisch jeder denkt so über die behinderten. das problem ist, dass es leider immer noch viele "pseudobehinderte" gibt. jedoch muss herr und frau schweizer sehen, dass es bei diesen plakaten nicht um diskriminierung geht, sonder um aufklärung. was auch immer das ziel der iv ist, die leute sprechen darüber. das ist schon ziel genug.

    • Robert Aeschlimann am 06.11.2009 09:53 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Schikane?

      wie sollen Gesunde beurteilen wann ein Behinderter sich schikaniert fühlt? Man kann sich nicht in andere Menschen hineindenken aaber offensichtlich gerne kritisieren und beleidigen

    einklappen einklappen
  • Daniel Hauser am 05.11.2009 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Rückschritt

    Menschen aufgrund Besonderheiten zu difamieren ,das gab es schon im Mittelalter .sind wir wieder auf dem Weg dahin ?Ist gar die Wirtschaftslage schuld?

  • Alexander am 05.11.2009 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    und wieder ...

    rennen die Menschen in der Schweiz mit erhobenem Zeigefinger umher und wollen alle zum Schweigen bringen, die nicht ihrer Gesinnung entsprechen. Meinungsfreiheit adee, Zensur ahoi ... wann lernen wir wieder schätzen, wie gut wir es in der Schweiz haben?!

    • rosa pösl am 05.11.2009 10:51 Report Diesen Beitrag melden

      Freie Meinung um sich grösser zu fühlen

      Egal welche Absicht hinter den Plakaten steht, sie können nur von "Nichtbehinderten" erfunden sein. Ein Plakat mit einem gesunden Menschen, daneben der gleiche Mensch, plötzlich durch Unfall oder Krankheit behindert- das würde der Diskussion in diesem Land dienen- Es kann jeden überall treffen. Die Wirtschaftskrise und leere Kassen werden von Bankern/Managern verursacht-nicht von behinderten Menschen. Rosa

    einklappen einklappen