Viagogo und Co.

04. März 2018 18:04; Akt: 04.03.2018 18:06 Print

Wird das Wiederverkaufen von Tickets strafbar?

von Stefan Ehrbar - Der Graumarkt mit Tickets im Internet floriert. Nun nehmen sich Parlamentarier des Themas an. Auch Google steigt in den Kampf ein.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ed Sheeran ist zurzeit der erfolgreichste Popmusiker. Sein Schweizer Konzert im August in Zürich ist eigentlich ausverkauft. Doch bei Wiederverkaufsplattformen wie Viagogo können weiterhin Tickets gekauft werden – zu mindestens doppelt so hohen Preisen. Die Warnung des offiziellen Verkäufers Ticketcorner, dass man die personalisierten Tickets nicht dort kaufen soll, dürfte nicht alle Fans davon abhalten.

Umfrage
Soll das Wiederverkaufen von Tickets verboten werden?

Nun soll sich die nationale Politik dem Thema annehmen. Den Anstoss gab das Projekt engage.ch des Dachverbands der Schweizer Jugendparlamente. Jugendliche konnten auf der Plattform Ideen einbringen, die von Parlamentariern direkt in die nationale Politik getragen werden. So soll das politische Engagement gesteigert werden. Eine junge Frau aus Schwyz regte an, dass der Wiederverkauf von Tickets zu «horrenden Preisen» verboten und strafbar sein sollte.

«Die Quote hat stark zugenommen»

Stefan Epli, der Sprecher von Ticketcorner, sagt: «Den Graumarkt in den Griff zu bekommen, ist schwierig, weil er sich online abspielt.» Der Bundesrat toleriere ihn aufgrund des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb. Das verbietet missbräuchliche Bedingungen im Kleingedruckten. Dazu könnte ein Verbot des Wiederverkaufs gehören. «Deshalb ist es an uns, zusammen mit den Veranstaltern den Graumarkt einzudämmen. Wir tun alles Mögliche, um ihn zu unterbinden.» Häufig limitiere Ticketcorner die Ticketbezüge auf zwei pro Person. Die Firma führen eine entsprechende Kreditkarten-Blacklist und schliesse bekannte Grauhändler aus.

«Wir würden es sehr begrüssen, wenn seitens Parlament klare Spielregeln gesetzt würden, denn geschädigt wird auch der Staat: Durch den Graumarkt gehen die Mehrwertsteuer und die Suisa-Abgaben verloren», sagt Epli. Wie viele Graumarkttickets im Umlauf sind, wissen man nicht. «Die Rückmeldequote, vor allem bei ausverkauften Konzerten, hat in letzter Zeit stark zugenommen», sagt Epli.

Beliefern Agenturen den Graumarkt?

Sara Stalder, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, sagt, das Problem sei, dass man heute wegen der Gewerbe- und Handelsfreiheit grundsätzlich alles wieder verkaufen dürfe, was man selber erworben habe. «Ein Unternehmen kann das in seinen Vertragsbedingungen zwar verbieten, aber ob das dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb standhält, ist unklar.

«Das grösste Problem ist, dass massenhaft Tickets auf Portale wie Viagogo oder Ebay kommen», sagt Stalder. Das könnten nicht nur Studenten sein, die das Geschäft in grossem Rahmen betrieben. «Es besteht die Vermutung, dass das Konzertmanagement Vorgaben macht, dass eine bestimmte Anzahl von Tickets direkt in den Graumarkt kommen muss, weil dort drei- bis fünffache Preise gelöst werden können. Häufig machen das Management und Agenturen entsprechend Druck auf die offiziellen Ticketverkaufsstellen», sagt Stalder.

Google greift ein

Stefan Epli von Ticketcorner sagt hingegen, er schliesse für die Schweiz aus, dass Veranstalter den Graumarkt belieferten oder tolerierten. «Kein Veranstalter kann sich das leisten», sagt er.

Im Kampf gegen den Graumarkt setzt nun auch Google Schranken. Wiederverkaufsportale, die in der Suchmaschine Werbung schalten, müssen künftig angeben, dass sie nicht der Original-Verkäufer sind. Begriffe wie «offiziell» dürfen sie nicht mehr verwenden. Wenn sie einen höheren Preis verlangen als der Originalverkäufer, müssen sie den Originalpreis angeben, der beim offiziellen Verkäufer fällig wäre.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Negan am 03.03.2018 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unter Bedingungen

    Wiederverkauf des Tickets zum maximalen Preis wie aufgedruckt. Wurde es für 100 Franken gekauft, darf es höchstens für 100 Franken wiederverkauft werden! Wegen solchen Unternehmern gehen die Tickets oft den wahren Fans flöten und ich bin nicht bereit, mehr als 10% einem solchen Gierschlund zu bezahlen!

    einklappen einklappen
  • Waterpolo1s am 03.03.2018 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja .... vor allem für die ... :-))

    Ja :-)) vor allem für die unverschämten Mega-Hochpreis-Portale wie T.... und Co. !!!

    einklappen einklappen
  • Prinzessin Lillifee am 03.03.2018 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Vorverkaufsstellen

    Mann könnte auch wieder einfach vorverkaufstellen anbieten und pro person max. zwei tickets verkaufen statt alles online erledigen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Basler08 am 05.03.2018 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Veranstalter sind auch nicht heilig

    Erste Frechheit sind die Veranstalter, welche Karten bereits ein Jahr vorher auf den Markt bringen und sich bei einem ausverkauften Konzert schön Zinsen einheimsen. Die Karten werden dadurch ja nicht billiger.

    • Ticko am 05.03.2018 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Basler08

      Das ist eine Zwischenfinanzierung. Die bekommen aber nur einen Bruchteil von den Vorverkaufskanälen ausbezahlt. Rest nach dem Event. Gab mal ein gröberer Fall in Genf wo der Veranstalter ein Prince Konzert ausgerufen hatte, Vorverkaufseinnahmen einkassiert hatte und dann Pleite ging.

    einklappen einklappen
  • El Concierto am 05.03.2018 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Konzerttickets

    In einer freien Marktwirtschaft kann man den Preis selber bestimmen! Ausnahmen bilden lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen. Konzert-Tickets fallen nicht darunter. Personenbezogene Tickets müssten deutlich günstiger sein, da diese gewisse Freiheiten beschränken! Ansonsten gilt: Geht nicht hin, wenn es Euch zu teuer ist!

  • DDGG am 05.03.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Onlineproblem

    Ich denke es gibt da 2 Seiten. Zum Einen sollten bspw. Openairtickets nicht schon 9 Monate im Voraus verkauft werden. Das führt doch nur dazu, dass man sich "für alle Fälle" eindeckt - und bei unpassendem Programm dann auf der Verkäuferseite steht. Zum Anderen finde ich, dass man durchaus die Online Ticketbörsen verbieten könnte. Wem es wichtig ist, der stellt sich vors Stadion und kauft dort eine Karte. Und die darf dann durchaus einen Aufschlag von einem Bier auf den Originalpreis haben.

  • Manuel Montani am 05.03.2018 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Je grösser die Nachfrage desto höher der Preis.

    Hey Leute Das ist doch genau das selbe wie bei Seltenen Autos. Zum Beispiel der Ferrari Enzo Ferrari, der zu Beginn 662000 Euro Kostete. Da es nur rund 400 Modelle gibt, wird der Enzo Ferrari zur Zeit für 1000000 Euro verkauft.

  • matze am 05.03.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    steuern

    wichtiger ist, dass die gewinne versteuert werden!