Fachkräftemangel

07. September 2010 16:45; Akt: 07.09.2010 17:15 Print

Wirtschaft findet keine geeigneten Arbeitskräfte

Ein Drittel der Schweizer Unternehmen findet keine qualifizierten Arbeitskräfte. Das Problem liegt in der Bildung.

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Qualifizierte Handwerker sind in der Schweiz gefragte Leute. Und auch Buchhalter und Juristen dürften problemlos einen neuen Arbeitgeber finden. Zusammen mit den Ärzten und dem medizinischen Fachpersonal gehören sie gemäss einer Umfrage von Manpower zu den meistgesuchten Berufsleuten.

Schweizer Unternehmen haben laut des international tätigen Stellenvermittlers denn auch besonders Mühe bei der Personalrekrutierung: Jedem dritten Unternehmen fällt es mittlerweile schwer, geeignete Arbeitnehmer zu finden. Im westeuropäischen Vergleich ist der Fachkräftemangel nur gerade in Österreich ähnlich hoch.

In Deutschland, Frankreich und Italien fällt den Unternehmen die Personalsuche bedeutend leichter. In Irland und Grossbritannien klagt nicht einmal jeder zehnte Arbeitgeber darüber, seine freien Stellen nur mit Mühe besetzen zu können.

Der Fachkräftemangel in der Schweiz wird sich aber noch weiter verschärfen, wie Urs Schüpbach, Generaldirektor von Manpower Schweiz, am Dienstag an einer Medienkonferenz in Zürich sagte. Da in den nächsten fünfzehn Jahren die Baby-Boom-Generation ins Pensionsalter komme, müssten grosse Personalbestände erneuert werden.

Berufslehre fehlt es an Prestige

Den Arbeitskräften, welche diese Lücke potenziell schliessen könnten, fehle es aber oft an der Nähe zur beruflichen Praxis. «Die Schweizer Wirtschaft ist mit einem strukturellen Problem konfrontiert, da immer weniger den Weg der Berufslehre und einer späteren weiterführenden Ausbildung einschlagen», führte Schüpbach aus.

Genau solche Berufsleute, die nach einigen Jahren praktischer Erfahrung noch eine höhere technische oder betriebswirtschaftliche Ausbildung absolviert haben, bildeten heute aber das Rückgrat des Schweizer Unternehmertums. Diese würden der Wirtschaft in Zukunft fehlen.

Einerseits kritisierte Schüpbach damit die Fachhochschulen, deren Absolventen im Gegensatz zu früher keine Berufspraxis mehr mitbringen müssen. Anderseits bezeichnet er es auch als gesellschaftliches Problem, dass die Berufslehre gegenüber der gymnasialen Ausbildung an Ansehen verloren habe.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • blub am 07.09.2010 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Witzig

    Wenn ich den Stellenanzeiger durchschaue, sehe ich mindestens 3 Stellen die seit fast 1 1/2 Jahren ausgeschrieben sind. Für eine dieser Stellen hatte ich mich beworben, als ich meine Weiterbildung an der Fh beendet hatte. Jedoch ohne Erfolg, zuwenig Erfahrung .. und ich gehöre zu den Leuten die zuerst mit einer normalen Berufslehre (Elektromonteur) angefangen haben. Die Wirtschaft sollte anfangen mehr Stellen für Einsteiger nach der FH zu schaffen, als sich zu beklagen, dass es immer schwieriger werde qualifiziertes Personal zu finden. Sie schafft sich diese Probleme selbst..

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  • Daniel am 07.09.2010 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    selber Schuld

    sind die Arbeitgeber, welche keine qualifizierten Angestellten finden. Diese sind immer noch vorhanden, nur muss man eben aktives Recruting betreiben. Interessante Aufgaben müssen geboten werden, nicht ein möglichst hoher Lohn. Ich habe für das Gejammer der Arbeitgeber nur noch ein müdes Lächeln übrig.

  • tom am 07.09.2010 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    wehr bezahlt?

    früher wurde man in einer firma auch ge- und befördert. wer heute eine weiterbildung machen möchte muss ja alles selber bezahlen und dan jammern die noch sie finden keine passend ausgebildeten leute?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Meier am 08.09.2010 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ich hab Fragen

    Netto 4010.-- Fr und noch jammern ? Sorry, euch Landschaftsgärtnern geht's zu gut. Kommt mal auf den Boden der Tatsachen zurück. Aber die Gier ist unersättlich, auch Millionäre wollen noch Millardäre werden. Mit 4010 gehörst du mit Sicherheit zu den bestverdienen 1% der Weltbevölkerung.

  • Mario Zuppiger am 08.09.2010 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht liegt es auch daran

    dass für die einfachsten Jobs inzwischen total überbordete Qalifikationen verlangt werden? Wenn wir schweizer tatsächlich alle sooo schlecht ausgebildet sind, müssten wir uns langsam aber sicher fragen, wohin all die Steuergelder versickert sind, welche wir für Bildung ausgegeben haben? Meiner Meinung nach ist das ganze nichts anderes als eine populistische Meinungsmache für eine Pseudorechtfertigung der Personenfeizügigkeit. Seltsam ist doch, dass es vorher hervorragend lief. Von einem Tag auf den anderen ist das gesamte Schweizer Volk dann aber total verblödet und unfähig. Denkt mal nach!!!

  • Mr.Wunderlich am 08.09.2010 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder!

    Wenn Betriebe Matura verlangen, dazu jegliche denkbare Weiterbildung auf ihrem Gebiet und dann einen Bruttolohn von 3'900.-- bezahlen wollen ist es nicht erstaunlich, wenn man keine Leute findet!

  • grüne Landschaft am 08.09.2010 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Noch Fragen?

    26 jähriger gelernter Landschaftsgärtner, angestellt bei einer Schweizerstadt, verdient netto 4010.--Fr. Ich frage mich wie er eine Familie ernähren könnte? Besser hätte er eine Bankenlehre gemacht.Warum soll man einen Handwerksberuf erlernen um schwer körperlich zu arbeiten, um zuwenig zu verdienen?

  • thurgauer am 08.09.2010 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht

    Ich mag das Gejammere nicht mehr höhren ... denen geht es nur um eine Erhöhung der Kontingente ! Wer zu lange lügt dem glaubt man nichts mehr ... selber schuld. Im Uebrigen hätte es sehr wohl qualifiziertes Personal, nur will jeder MBA natuerlich kein Geld in die Hand nehmen. Selber schuld ... Loyalitaet gegenueber der Firma : Pustekuchen, das war einmal. Das Problem ist eher dass das Denken auf ganz kurzfristige Horizonte ausgerichtet ist. Viel Glück mit den 18-jährigen Universitätsabsolventen mit 20 Jahren Erfahrung die für 500 CHF noch ein 10 jähriges Praktikum machen wollen !