Abstimmungen

07. Februar 2011 14:24; Akt: 07.02.2011 15:42 Print

Wo Frauen den Ton angeben

Frauen können den Ausgang eidgenössicher Abstimmungen bestimmen – wenn sie denn wollen: In zehn Fällen überstimmten sie seit 1977 die Männer.

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So kämpften die Frauen vor 40 Jahren für die Einführung des Frauenstimmrechts.

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Wenn am kommenden Wochenende über die Waffenschutzinitiative abgestimmt wird, sind die Frauen am Drücker. Gemäss der SRG-Umfrage wollen 55 Prozent der Frauen ein Ja in die Urne legen, aber nur 39 Prozent der Männer. Will heissen: Strömen die Frauen in Scharen an die Urnen, könnte die Initiative angenommen werden.

Auch bei anderen Abstimmungen geben die Frauen in der Schweiz den Ton an. Die politische Landschaft wurde allerdings durch die Einführung des Frauenstimmrechts heute vor 40 Jahren nicht vollständig umgepflügt, wie dies die Gegner der Vorlage damals lauthals behauptet hatten. Denn die Frauen stimmten in den meisten Fällen gleich wie die Männer, wie eine Analyse des Forschungsinstituts GfS zeigt.

Wichtige Abstimmungen entschieden

Von den insgesamt 266 untersuchten eidgenössischen Abstimmungen seit 1977 überstimmten die Frauen in zehn Fällen die Männer (siehe Box). Umgekehrt gab in elf Fällen das Stimmverhalten der Schweizer den Ausschlag. Generell sprächen sich die Frauen stärker gegen Diskriminierung aus, weiss Politologe Claude Longchamp. Frauen stimmten ein bisschen mehr links als Männer, urteilt Politologe Georg Lutz aus Lausanne.

Bei gewichtigen Abstimmungen wie der Antirassismus-Strafnorm, der Unverjährbarkeits-Initiative, der Alpeninitiative oder dem AKW-Moratorium gab es nur dank den Frauenstimmen ein Ja.

Sachpolitik wichtig

Neben der Sensibilität für Benachteiligte würden sich Frauen auch eher für den Service public einsetzen und Umweltschutz stärker gewichten als Männer. In Fragen zu Mutterschaft und Abtreibung seien sie konservativer als die Männer. Bei der Entscheidung stimmen zu gehen, gibt es dagegen kaum eine Diskrepanz zwischen Männern und Frauen. So hat sich die relativ tiefe Stimmbeteiligung seit Einführung des Frauenstimmrechts nicht verändert.

Weil sich Frauen vor allem für sachpolitische Fragen entscheiden, sind sie bei Wahlen weniger aktiv als Männer. Vor allem bei den jungen Frauen (18- bis 29-jährig) beteiligen sich nur noch ein Viertel an Wahlen - bei den gleichaltrigen Männern sind es immerhin 40 Prozent.

(uwb/sda)