Sonderrechte

09. Oktober 2017 20:11; Akt: 10.10.2017 11:37 Print

Wo Schweizer Bauern Privilegien geniessen

Billigerer Diesel, günstigeres Wohnen und eine Befreiung von der Mehrwertsteuer: Landwirte profitieren in verschiedenen Bereichen von Sonderregelungen.

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Nachdem das Parlament im Sommer eine vorteilhafte Besteuerung der Gewinne aus dem Verkauf von Baulandreserven durch Landwirte abgelehnt hat, kommen jetzt bestehende bäuerliche Privilegien unter Beschuss: Laut dem «Tages-Anzeiger» plant die eidgenössische Steuerverwaltung, den Vorteil bei der Besteuerung von Wohneigentum bei Bauern abzuschaffen. Das Wohnprivileg ist jedoch nicht die einzige Sonderregelung, die den Bauernstand entlastet. Eine Übersicht.

1. Billiger tanken
Neben den Direktzahlungen kommen Bauern in den Genuss von knapp 60 Rappen günstigerem Benzin und Diesel, weil sie den Mineralölsteuerzuschlag und einen Teil der Mineralölsteuer zurückerstattet erhalten. So fliessen jährlich rund 65 Millionen Franken an die Bauern zurück. Laut dem Finanzdepartement würde die volle Steuer dazu führen, dass die Erzeugnisse der Landwirte teurer werden.

2. Eigenmietwert
Für ihr Wohnhaus zahlen Bauern weniger Steuern als die restlichen Bürger, weil sie einen tieferen Eigenmietwert versteuern. Der Eigenmietwert ist eine fiktive Mietzinseinnahme auf selbst bewohntem Wohneigentum, die der Einkommenssteuer unterliegt. Wie gross die Ersparnis genau ist, wird nicht erhoben. Laut dem Agrarbericht 2014 geben Bauern aber nur etwa halb so viel fürs Wohnen aus wie ihre Mitbürger.

3. Mehrwertsteuer
Verkaufen Bauern in ihrem Hofladen Kartoffeln, Früchte, Fleisch, Brot oder Eier aus eigenem Anbau und aus eigener Produktion, fällt im Unterschied zum Detailhandel keine Mehrwertsteuer an. Auch der Verkauf von Vieh ist von der Mehrwertsteuer befreit. Betreibt ein Bauer eine Wirtschaft oder eine Pferdepension, werden Umsätze ab 100'000 Franken steuerbar.

4. Familienzulagen
Selbständige Landwirte und Familienmitglieder, die im Betrieb mitarbeiten, haben ohne Berücksichtigung einer Einkommensgrenze Anspruch auf Familienzulagen. Für Bergbauern ist der Ansatz leicht höher.

5. Umschulungen und zinslose Darlehen
Wird ein Hof aufgegeben, bezahlt der Bund einem Bauern oder seiner Ehepartnerin noch bis 2019 die Hälfte der Umschulungskosten in einen nichtlandwirtschaftlichen Beruf. Zudem bezahlt die öffentliche Hand bis zu 4000 Franken pro Monat an die Lebenskosten. Die Kantone können Bauernbetrieben in Not zinslose Darlehen gewähren.

6. Bauen in der Landwirtschaftszone
Ausserhalb der Bauzone darf hierzulande nicht gebaut werden. Das Gesetz sieht aber unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen vor. So können Bauern Nebenbetriebe erstellen, um ein Zusatzeinkommen zu generieren. Auch bestehende Bauernhäuser können in Wohnhäuser umgebaut werden. Weil die Zahl der Neubauten zuletzt zugenommen haben, hat der Bund mehrere Kantone aufgefordert, bei Baubewilligungen zurückhaltender zu sein.

Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes, wollte gegenüber 20 Minuten keine Stellung nehmen. In einer Stellungnahme auf seiner Website fordert der Verband aber, dass die Diskussion um die höhere Bewertung des Wohnhauses «ein für alle Mal beendet» werde.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonas Klong am 09.10.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevorzung demokratisch?

    Bauer hin oder her, jeder soll gleich besteuert werden.

  • 20min Leser am 09.10.2017 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Zopf

    Bin neben Bauern aufgewachsen. Immer am jammern aber trotzdem jedes Jahr neue Maschinen und neue Anlagen. Mal schnell da ein neues Bauernhaus für den Junior und da neue Stallungen mit modernster Technik. Dann haben viele noch zusätzliche Immobilien die sie vermieten können und und und. Finde es nur gerecht wenn gewisse Privilegien für unsere verwöhnten Bauern abgeschafft werden.

  • HpM am 09.10.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mit allem einverstanden!

    Man muss jetzt nicht diskutieren den Eigenmietwert bei den Bauern heraufzusetzen. Es ist einfach an der Zeit diese ungerechte Steuer endlich abzuschaffen. Wenn ich als Konsument auch davon profpitieren kann beim Bauern günstiger einzukaufen bin ich einverstanden, dass dieser keine Mehrwertsteuer bezahlt. Im übrigen bin ich der Meinung, dass unsere Bauern durch die Direktzahlungen genug entschädigt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • mae2 am 10.10.2017 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle Bauern in einen Topf werfen...

    ....doch leider gibt es viele, die dank Subventionen reich werden. Die Audi RS Quote bei den Bauern ist ziemlich hoch ;-) Ist das Sinn und Zweck der Unterstützung durch den Bund? Und das bei einem BIP Anteil von unter einem Prozent - unverhältnismäßig! Die Landwirtschaft ist wirtschaftlich gesehen eher unbedeutend!

    • nad22 am 10.10.2017 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      RS Quote?

      Die Bauern fahren doch Subaru!? ;)

    • Ch. Ferdinand Schlossherr von Putz am 10.10.2017 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      Liebe mae2

      Dein Beitrag strotzt vor Neid! Ein Bauer bzw. Landwirt arbeitet auch am Samstag und am Sonntag und weit länger als 42 Stunden die Woche und geniesst nicht 4-5 Wochen bezahlt Ferien im Jahr - ausserdem bekommt er keinen 13. Monatslohn, Boni und Gratifikationen. Du kennst vermutlich als Stadtmensch kaum die Realität.

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  • Steriouser am 09.10.2017 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unus pro omnibus, omnes pro uno

    Hört bitte auf, die Bürgern dieses Landes gegeneinander auszuspielen. Den meisten Menschen geht es hier gut, deshalb sollten wir weiterhin solidarisch mit den Bauern sein. Die Landwirte arbeiten hart fürs Geld. Wollen wir wieder armen Bauern in der Schweiz haben? Es gibt einige Menschen, die ohne zu arbeiten, viel Geld verdienen, kaum Steuern entrichten müssen, obwohl jeder Bürger für alles mögliche Steuern zahlen müssen. Es sind vielleicht nur wenigen, Besitzten aber die Hälfte der Vermögen. Was glaubt ihr, wiso immer mehr Ausländer gebraucht wird, hat jemand schon mal Geld Arbeiten sehen?

  • Sack Zement am 09.10.2017 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauen in der LW Zone, kein Privileg

    Da effiziente und grössere Ställe inmitten von Wohnzonen im Dorf nicht gebaut werden können, bleibt ja nur die LW Zone. In der LW Zone dürfen nur Gebäude gebaut werden welche unmittelbar mit einer landwirtschaftlichen Tätigkeit in Verbindung stehen. Es kann kein Kleidergeschäft in der LW Zone als Nebenenwerb geführt werden. Neue Wohnbauten können nur unter besonderen Bedingungen wie Aussiedlungen wegen Infrastrukurbauten, erstellt werden.Das Bundesgericht schon mehrmals Wohnbauten verhindert.

  • tatiana0 am 09.10.2017 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Phantasie und Kreativität

    Eigentlich sind wir ja alle blöd, welche weniger verdienen und sich abrackern, um den teuren Benzin, Hypotheken etc. bezahlen zu müssen. Die Landwirte haben ja nur schon vom vielen Land her gesehen auch unbegrenzte Möglichkeiten nebenbei sinnvolle Geschäfte zu machen und Gemüse etc. zu verkaufen. Wer ein wenig Phantasie hat und kreativ ist, kann sicher gut verdienen und könnte sogar dazu noch Freude an der Arbeit haben.

  • Sack Zement am 09.10.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehrwertsteuer, kein Privileg

    Betriebe welche nicht MwSt. pflichtig sind, können dafür keine Vorsteuerabzüge machen. Auf allen betrieblichen Anschaffungen zahlen sie, im Gegensatz zu MwSt. pflichtigen KMU, die vollen Mehrwertsteuer.