Steuern für Paare

16. Januar 2014 20:36; Akt: 17.01.2014 15:21 Print

Wo es sich lohnt zu heiraten – und wo nicht

von Simon Hehli - Der Kampf gegen die Heiratsstrafe ist derzeit höchst populär. Doch eine neue Studie zeigt: In fast keinem Kanton fahren Verheiratete steuerlich schlechter als Konkubinatspaare.

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Vor dem Gang aufs Standesamt fragen sich viele Paare: Können wir uns die Ehe überhaupt leisten – oder müssen wir nachher bei den Steuern tiefer in die Tasche greifen? Denn je nach Höhe der Einkommen der beiden Ehepartner schlägt die sogenannte Heiratsstrafe zu: Weil beide Saläre zusammengerechnet werden, könnte das Paar bei den Steuern in eine höhere Progressionsstufe kommen – und damit dem Staat letztlich mehr abliefern müssen, als wenn beide als Konkubinatspartner separat besteuert würden.

Umfrage
Sollen Ehe- und Konkubinatspaare gleich besteuert werden?
47 %
49 %
4 %
Insgesamt 15706 Teilnehmer

Das Bundesgericht hat bereits festgehalten, dass eine solche Diskriminierung von Verheirateten gegenüber Konkubinatspaaren nicht zulässig ist. Und die CVP brachte eine Initiative gegen die Heiratsstrafe zustande, die der Bundesrat im letzten Oktober zur Annahme empfohlen hat.

Starke Diskriminierung in Zürich

Eine Studie, die die eidgenössische Steuerverwaltung am Donnerstag veröffentlicht hat, liefert nun Fakten: Sie zeigt auf, wie die Heiratsstrafe in den einzelnen Kantonen und bei der Bundessteuer wirklich ausfällt. Die Auswertung basiert auf den Steuerzahlen des Jahres 2011 und geht von kinderlosen Paaren aus.

Dabei zeigen sich erstaunliche Unterschiede: In Zürich etwa gibt es eine Heiratsstrafe, wenn beide Partner ein Einkommen von je 50'000 Franken versteuern – anderswo kann das bei gleich hohen Salären nicht passieren. Denn die meisten Kantone kennen praktisch keine steuerliche Diskriminierung von Ehepaaren. Im Gegenteil: In den meisten Fällen fahren die Verheirateten gleich gut oder besser als Konkubinatspaare (siehe Diashow).

Einverdienerhaushalte habens besser

Auffallend ist, dass in praktisch allen Kantonen eine Kategorie Ehepaare gefährdet ist, eine Heiratsstrafe verpasst zu bekommen: Haushalte, in denen beide Partner gleich viel zum Einkommen beitragen. Das konservative Familienmodell – der Ehemann bringt 90 Prozent des Einkommens nach Hause – behandeln die Steuerämter hingegen bevorzugt. Nur in vereinzelten Kantonen und lediglich ab einem Einkommen von über 250'000 Franken wird der Gang aufs Standesamt für Einverdienerhaushalte zum Verlustgeschäft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zürich am 17.01.2014 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Diskriminierung

    Als verheiratetes Paar bleibt die Diskriminierung bis "das der Tod sie scheidet". Wenn die Beziehung das AHV Alter erreichen sollte, wird weiter diskriminiert. Die Ehepaarrente ist deutlich schlechter als die für Konkubinatspaare. Da muss es sich um wahre Liebe handeln, wenn die Ehepaare derart bestraft werden.

  • Junges Ehepaar am 16.01.2014 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was würden Sie mit 15'000.- pro Jahr so machen?

    Auch uns hat es mit voller Wucht getroffen. Sind im Kt ZH wohnhaft, arbeiten beide 100% und bezahlen 60% mehr Steuern als davor. Alleine die Differenz (!) beträgt gut 15'000.- . Damit konnten wir früher grosszügig Urlaub machen. Obwohl wir nun so richtig viel Steuern bezahlen, sieht die Gemeinde davon ab, der Ehefrau im Stimmcouvert die Infobroschüren zuzustellen. Die gehen nach Heirat (ich zitiere:) nur noch an das Familieboberhaupt (sprich Mann). Wir haben so viel Nachholbedarf. Die Abschaffung der Heiratsstrafe ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

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  • Oliver P. am 17.01.2014 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Realität vs Grafik

    Also unser effektiver Vergleich deckt sich nicht mit der Grafik. Wir zahlen mit einem gemeinsamen Einkommen von 120'000 im Kt. St.Gallen mehr. Somit glaube nur der Studie, welche Du selbst gefälscht hast.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Schneider am 18.01.2014 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Rauss von Zürich

    Laut dieser werden wir sehen ob wir unsere Firma (20 Millionen CHF einkommen) von Zurich nach Schwyz umziehen können. Endlich bringt's nicht mehr in Zürich zu bleiben.

  • Mutti am 17.01.2014 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles schreit nach Familie

    Immer nur das Geschrei von Familie, ich mag es nicht mehr hören. Gewisse Kreise sind immer nur am fordern und wiederum andere am bezahlen. Hatte selbst auch 2 Kinder , und ging mit Freude Arbeiten , als meine Kinder schulpflichtig waren . Vorher musste man den Gürtel enger schnallen und nicht jedes Spielzeug kaufen. Meinen Kinder hat niemals etwas gefehlt, und sie sind uns heute dankbar für eine Erziehung , die sie im Leben weitergebracht hat. Und wir sind stolz , denn wir haben unsere Kinder ohne Staat selber grossgezogen.

  • Steuerzahler und Sachbearbeiter Steuern am 17.01.2014 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Richtlinien?!

    Und ab wann ist ein Konkubinatspaar zusammen steuerpflichtig? Wie sollen da die Richtlinien aussehen? Bei Konkubinatspaaren gibt's viel mehr Mutationen sprich Veränderungen weder bei einem verheirateten Paar. Die Verheirateten profitieren von Tarif B, wer Kinder hat, kriegt zusätzlich den Kinderabzug (welcher in der Steuerperiode 2014 nochmals angestiegen ist). Alleinstehende haben in der Regel Tarif A welcher doppelt so hoch ist wie der Tarif B. Bitte auch beachten.

  • Halser am 17.01.2014 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit? Nicht mit der CVP Initati

    Gerechtigkeit würde bedeuten, dass immer gleich viel Steuern anfallen egal wie der Zivilstand ist. Es gibt nur eine Möglichkeit dies zu gewähleisten: die Individualbesteuerung - jeder versteuert das was er verdient. Aber Vorsicht vor der CVP Initative. Diese schliesst eine gerechte Steuer nämlich aus, indem sie vorgibt, dass Ehepaare als Wirtschaftliche Einheit besteuert werden müssen - also dass eine Individualbesteuerung nicht möglich sein soll.

  • Heinz am 17.01.2014 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Kinder - keine Zukunft!

    Es ist schon bedenklich wenn einer der reichsten Staaten dieser Welt so gegen seine Familien vorgeht. Schon wenn ich "Heiratsstrafe" lese wirds mir übel, dieses Unwort findet vermutlich nur in der CH Verwendung, denn hier zählt offenbar nur das Geld, der Mensch ist ein Nichts! Meiner Meinung nach wird es die CH auch in 100 Jahren noch geben, aber bei den Eidgenossen bin ich mir nicht ganz sicher.