Glatze ein No-go?

11. September 2018 05:46; Akt: 11.09.2018 07:30 Print

Schweizer lassen sich in der Türkei Haare einpflanzen

Junge Männer zwischen 20 und 25 lassen sich in der Türkei günstig Haare transplantieren auch aus Angst keine Freundin zu finden.

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B.T: vor der Haartransplantation in Istanbul mit circa 20 Jahren. Nach der Behandlung wachsen die Haare langsam nach. Die Wurzeln stossen das alte Haar zuerst ab. Nach ca sechs Monaten bilden sich neue Haare. Nach dem Militär hatte er fast keine mehr und litt dadurch an einem mangelnden Selbstbewusstsein. «Haare zu haben ist attraktiv», sagt er. «Ich trug nur noch Mützen. Auch im Gym. In die Badi zu gehen, war für mich ein No-go.» «Der Haartransplantationsmarkt in der Türkei boomt deshalb seit nun mehr als sechs Jahren.» Allein in Istanbul gebe es 200 Anbieter, in der gesamten Schweiz nur ungefähr zehn bis 15 spezialisierte Kliniken. In der Schweiz koste eine durchschnittliche Behandlung 15000 Franken. Das sei sechs- bis achtmal mehr als in der Türkei, sagt Gökhan Dogan, Manager von der Hairline Clinic in Ankara und Istanbul. «60 Prozent unserer Patienten kommen aus der Schweiz, aus Deutschland oder aus Österreich. Es sind junge Männer zwischen 20 und 25 Jahren, die sich in der Türkei operieren lassen, da sie die Preise in der Schweiz nicht zahlen können», sagt Dogan. Mit ausgewählten Punchgrößen von 0,6 mm bis 0,9 mm können mikrochirurgische Prozesse der Entnahme von Haarfollikeln umgesetzt werden. Sind die Reserven an Haarwurzeln am Hinterkopf aufgebraucht, kann auch mit Körperhaaren wie Bart-und Brusthaaren gearbeitet werden. Auch Dr. Lars Heitmann, Chirurg und Inhaber der Hair Clinic in Zürich, beobachtet: Für viele junge Männer liegen 15'000 Franken nicht im Budget. Man wolle aber auch nicht auf die Wirkung von Medikamenten warten. Beispielfoto: direkt nach Behandlung. Heitmann rät zur Vorsicht bei Behandlungen im Ausland: «In der Türkei ist die Ärzteaufsicht schlecht, die staatlichen Kontrollen sind mager. Es gibt viele schwarze Schafe auf dem Markt.» Wer mehr zahlen könne, operiere deshalb in der Schweiz. «Wir haben eine Wartezeit von zwei Jahren», sagt Heitmann. «Meine Patienten haben weniger Selbstbewusstsein ohne Haare.» Das führe zu weniger Chancen auf dem Jobmarkt, oder sie trauten sich nicht, Frauen anzusprechen, sagt Heitmann. B. T. fände es darum sinnvoll, würden sich die Krankenkassen an den hohen Kosten in der Schweiz beteiligen. Der erblich bedingte Haarausfall beginne dann, wenn die meisten im Freundeskreis noch volles Haar hätten: «Es ist mehr als nur eine Schönheitsoperation: Viele Männer, ob jung oder alt, leiden mental unter Haarausfall.» Vor

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Bereits mit 20 Jahren hatte der heute 24-jährige B. T.* nur noch wenige Haare auf dem Kopf. Nach dem Militär hatte er fast keine mehr und litt dadurch an einem mangelnden Selbstbewusstsein. «Haare zu haben ist attraktiv», sagt er. «Ich trug nur noch Mützen. Auch im Gym. In die Badi zu gehen, war für mich ein No-go.» Als die psychische Belastung zu gross wurde, entschied sich B. T. zu einer Haartransplantation in der Türkei.

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Den Arzt kannte B.T. von Freunden aus Deutschland. Eine Website hatte der Privatarzt in Istanbul nicht vorzuweisen. Sechs Monate später gibt es die Klinik nicht mehr. «Wir hatten nur Kontakt über Whatsapp, als er uns vom Flughafen in Istanbul abholen sollte. Kommuniziert wurde in Englisch.» Mehr Informationen hielt B.T. nicht für notwendig. «Ich ging das Risiko ein, denn schlimmer mit meinen Haaren konnte es eh nicht mehr kommen.»

Türkischer Markt boomt

B.T. entschied sich aus Kostengründen, die Operation in Istanbul machen zu lassen. In der Schweiz koste eine durchschnittliche Behandlung bis zu 15’000 Franken. Das sei sechs- bis achtmal mehr als in der Türkei, sagt Gökhan Dogan, Manager der Hairline Clinic in Ankara und Istanbul. «60 Prozent unserer Patienten kommen aus der Schweiz, aus Deutschland oder aus Österreich. Es sind junge Männer zwischen 20 und 25 Jahren, die sich in der Türkei operieren lassen, da sie die Preise in der Schweiz nicht zahlen können», sagt Dogan.

«Der Haartransplantations-Markt in der Türkei boomt deshalb seit nun mehr als sechs Jahren.» Allein in Istanbul gebe es 500 Anbieter, in der gesamten Schweiz nur ungefähr zehn bis 15 spezialisierte Kliniken. Die modernste Methode – die Follicular Unit Extraction (FUE), mit der die Haarwurzeln einzeln direkt am Kopf mit sehr kleinen Instrumenten entnommen werden – sei bei Schweizern sehr populär.

Psychische Belastung gross

Auch Dr. Lars Heitmann, Chirurg und Inhaber der Hair Clinic in Zürich beobachtet: Für viele junge Männer liegen 15’000 Franken nicht im Budget. Man wolle aber auch nicht auf die Wirkung von Medikamenten warten. «Meine Patienten haben weniger Selbstbewusstsein ohne Haare.» Das führe zu weniger Chancen auf dem Jobmarkt, oder sie trauten sich nicht, Frauen anzusprechen. «Eine psychologische Behandlung nützt da wenig.»

Heitmann rät zur Vorsicht bei Behandlungen im Ausland: «In der Türkei ist die Ärzteaufsicht schlecht, die staatlichen Kontrollen sind mager. Es gibt viele schwarze Schafe auf dem Markt.» Wer mehr zahlen könne, operiere deshalb in der Schweiz. «Wir haben eine Wartezeit von zwei Jahren», sagt Heitmann.

Mangelnde Ärzteaufsicht

Auch Dogan sagt, jede zweite Anfrage in der Hairline Clinic in Ankara sei «eine Rettungsoperation». «Viele Resultate der günstigen Anbieter sind so schlecht, dass der Patient danach noch grössere Probleme mit dem Selbstbewusstsein hat als vorher.» Die Arbeit werde in der Türkei oftmals von Assistentinnen anstatt von Ärzten durchgeführt, so Dogan. Die Folge könne sein, dass der Patient schliesslich keine Haarwurzeln mehr habe.

B. T. fände es darum sinnvoll, würden sich die Krankenkassen an den hohen Kosten in der Schweiz beteiligen. Der erblich bedingte Haarausfall beginne dann, wenn die meisten im Freundeskreis noch volles Haar hätten: «Es ist mehr als nur eine Schönheitsoperation: Viele Männer, ob jung oder alt, leiden mental unter Haarausfall.»

* Name der Redaktion bekannt

(anp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lozärner am 11.09.2018 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Im Zeitalter von Internet kann sich jeder Informationen zu diesen ausländischen Praxen hohlen. Wer sich in der Schweiz nicht abschröpfen lassen will geht halt ins Ausland...So nebenbei ist die Türkei genau was solche spezifischen medizinische Eingriffe wie Haartransplatation oder Augenoperationen angeht sehr fortschrittlich

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  • Papa Moll am 11.09.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habt endlich mal Mitgefühl

    An alle die fragen ob man sonst keine Probleme hat. Es ist tatsächlich ein riesen Problem, ich bin selbst betroffen. Jemand der es nicht hat, kann sich das gar nicht vorstellen. Die psychische Belastung ist sehr sehr gross. Wenn man keine Ahnung vom Thema hat, darf man durchaus auch mal die Klappe halten.

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  • Gepila am 11.09.2018 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steht zur Glatze

    Das Selbstbewusstsein stärken würde mehr helfen. Ich mag Glatzenträger genauso wie Langhaarige oder Kurzhaarige. Der Charakter muss stimmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tunci am 12.09.2018 02:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haare einpflanzen wieso nicht

    Ich kenne 3 Kollegen die diese OP in der Türkei gemacht hat und sie sind von der Resultate zufrieden. Mann sollte bevor man sich einschneidet für das OP zuerst gut erkundigen und nur in eine Renommierte Klinik in der Türkei machen lassen.

  • BAngie am 12.09.2018 02:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Frauen betroffen!

    Nur so nebenbei: es gibt auch viele Frauen, die unter Haarausfall leiden, was ich viel schlimmer finde, da es für betroffene Frauen noch ein viel heikleres Thema ist! Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich es sofort machen lassen. Aber selbstverständlich nur nach intensiver Recherche und wenn ich überzeugt bin, auch gerne im Ausland. Die Preise in der Schweiz sind mittlerweile einfach nur abartig und abzocke! Jeder versteht, dass es hier etwas teurer ist, aber nicht 6-8 Mal!

  • Danijela am 11.09.2018 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In der schweiz haare machen

    Mein Mann hat 2x in Zürich seine Haartrasplantation gemacht vor 5 jahren die erste fùr 5.5oo fr die 2 fûr 4.500 fr bei gleichem Institut und ist voll zufrieden. 8stunden war er dort und fertig. In 6Wochen kontrolle das wars. Kein Fliegen,kein Hotel keine Ferien. Am Samstag, und am Montag ging er arbeiten. Warum 15000? Das ist echt zu viel.

    • Megan am 11.09.2018 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      Danijela

      Ich denke wir koennen nicht beurteilen wie die Menschen mit Haarausfall leiden...., fuer mich waer's auch ein riesen Problem, wenn ich meine Maehne (30cm lang) verlieren, oder wenn sie ausduennen wuerde. Es muss jeder selber wissen was fuer ihn stimm, wie bei BOTOX und das hat nichts mit Selbstbewusstsein zu tun!

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  • Martial2 am 11.09.2018 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwo reichts,,,

    Dass die KK solchen Eingriffe übernehmen sollten, geht definitiv nicht, genau wie Schönheits-OPs. Das ist Privat Angelegenheit und nicht Sache der KK. Es steht jedem frei eine schräge Nase oder eine Glatze behandeln zu lassen. Kein Wunder wenn diese Prämien unbezahlbar werden!

    • Dalia am 11.09.2018 22:58 Report Diesen Beitrag melden

      Martial2

      ..., beides muss selbst bezahlt werden Herr "alles-weiss-Martial"..., dich mag ich mit, oder ohne Haare nicht und die Menschen muessen selber entscheiden was sie wollen, gell!

    • alright am 12.09.2018 02:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Aber der ganze Gendermist, der 10x mehr kostet wird bezahlt. Macht das Sinn? Einige wurden sogar schon hin und zurück (!!!) operiert - alles durch KK bezahlt.

    • Martial2 am 12.09.2018 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dalia

      Mit über 70 Jahre jung, habe ich noch volles graues Haar. Bei Glatze gäbe es einen Millimeter Schnitt und Schluss. Null Weberei mit Schmerzen für teueres Geld. Das passt eher zu Sir Elton John...!

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  • Martial2 am 11.09.2018 22:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es lohnt sich unbedingt...

    Was Herr Dr. Heitmann sagt stimmt nicht, der spricht nur für seine Klinik. In der Türkei gibts hervorragende Kliniken, moderne Spitäler mit der neusten Technologie und bestens ausgebildeten Fachärzte und Chirurgen. Dito für Zahnbehandlung, hier kostet eine Krone sauber installiert 500 TL = 100 CHF und nicht 1200 CHF!