Neues Schulfach

19. August 2016 05:51; Akt: 19.08.2016 05:51 Print

Yoga soll Schüler von Stress befreien

von B. Zanni - Yoga-Anhänger wollen den Sport im Stundenplan verankern lassen. Sie sagen: Die Schüler könnten so konzentrierter arbeiten und Tests gelassener nehmen.

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Einige Lehrer bauen Entspannungs- und Konzentrationsübungen in den Unterricht ein. Nun werden Stimmen laut, die Yoga als obligatorisches Fach fordern. Kontorsionistin Nina Burri schlägt vor, Yoga als Schulfach einzuführen. «Die Schule ist heute beinahe zu 100 Prozent kopflastig geworden. Der Körper zählt im Zeugnis kaum mehr etwas.» Bettina Keller, Zürcher Primarlehrerin und Yoga-Lehrerin: «Viele Teilnehmende berichten mir schon nach wenigen Lektionen, dass sie dank Yoga in der Schule viel konzentrierter arbeiten können, aber auch ausgeglichener und zufriedener geworden sind.» Keller unterrichtet in ihrem Studio Athayoga neben Erwachsenenauch Kinder und Teenager. Auch Reto Zbinden, Vorstandsmitglied des Schweizer Yogaverbands, macht sich für das Schulfach Yoga stark. Studien mit Schülern zeigten nur positive Ergebnisse. Die Praktik sorge für mehr seelische Ausgeglichenheit. «Das Aggressionspotenzial sinkt.» «Die Stundenpläne der Volksschule sind schon mit Lektionen vollgepackt», sagt dagegen Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. Yoga könne jeder im privaten Rahmen machen, im obligatorischen Unterricht habe es jedoch nichts verloren, sagt SVP-Nationalrat Mauro Tuena. Bernadette Hotz in einer Yoga-Position: «Yoga ist das Werkzeug, um innerem Frieden und Freiheit zu erlangen», sagt die Inhaberin des Yoga-Studios Be Yoga in Cham. In Indien ist Yoga bereits ein Pflichtfach. Mehr als 8000 Kinder nahmen 2007 am Yoga-Camp für Schulkinder in Bhopal teil. Eine Lektion leitete auch Yoga Guru Swami Ramdev. Festivalbesucher sind am Sziget Festival in Budapest im Yoga-Fieber.

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Der Leistungsdruck in den Schulen sorgt regelmässig für Schlagzeilen. Mittlerweile schiessen auch Yoga-Kurse für Kinder und Teenager wie Pilze aus dem Boden, um der «Hektik des Alltags» zu entfliehen. Schlangenmensch Nina Burri geht noch einen Schritt weiter: Yoga solle als Schulfach eingeführt werden, schlägt sie in einem Interview mit der «Coopzeitung» vor. «Dann sind die Kinder nämlich garantiert aufnahmefähiger für den folgenden Schulstoff.»

Umfrage
Soll Yoga ein obligatorisches Schulfach werden?
36 %
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3 %
12 %
13 %
Insgesamt 1973 Teilnehmer

Gegenüber 20 Minuten führt Burri aus, dass jeder Schulmorgen mit einer Yoga-Lektion starten solle. «Die Schule ist heute beinahe zu 100 Prozent kopflastig geworden. Der Körper zählt im Zeugnis kaum mehr etwas.» Auch die Zürcher Primarlehrerin und Yoga-Lehrerin Bettina Keller unterstützt das: Wünschenswert wäre mindestens eine Lektion pro Woche.

«Yoga macht Schüler weniger aggressiv»

Im Yoga-Studio Athayoga unterrichtet Keller auch Kinder und Teenager. «Viele Teilnehmer berichten mir schon nach wenigen Lektionen, dass sie dank Yoga in der Schule viel konzentrierter arbeiten könnten, aber auch ausgeglichener und zufriedener geworden seien.» So könnten sie auch die schulischen Herausforderungen besser bewältigen.

Auch Reto Zbinden, Vorstandsmitglied des Schweizer Yogaverbands, macht sich für das Schulfach Yoga stark. Studien mit Schülern zeigten nur positive Ergebnisse. Die Praktik sorgte für mehr seelische Ausgeglichenheit. «Das Aggressionspotenzial sinkt.»

Schule wird von Fach-Vorschlägen überhäuft

«Die Stundenpläne der Volksschule sind schon mit Lektionen vollgepackt», sagt dagegen Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. Yoga könne er sich bestenfalls als Freifach im Gymnasium vorstellen. Sinnvoller sei es, kurze und häufige Entspannungs- und Konzentrationsübungen in die Lektionen einzubauen. «Viele Lehrer beherzigen diese Methode bereits.»

Laut Brühlmann besitzt der Dachverband mittlerweile ohnehin über «ein ganzes Alphabet» an Vorschlägen für neue Schulfächer. «Von Yoga über die Schulfächer ‹Suizid›, ‹Xenophobie› und ‹Computerspiele› bis zu ‹Unhöflichkeit› ist alles dabei.»

«Bürger bezahlen nicht für Yogis»

Auch bei bürgerlichen Bildungspolitikern hat das Schulfach keine Chance. Yoga könne jeder im privaten Rahmen machen, im obligatorischen Unterricht habe es jedoch nichts verloren, sagt SVP-Nationalrat Mauro Tuena. Der Bürger bezahle Steuern für künftig gut ausgebildete Bürger und nicht, um Yogis heranzuzüchten. Zudem bezweifelt er den Nutzen. «Yoga ist vor allem ein Hype.» Dem Yoga hafte zudem etwas Religiöses, wenn nicht sogar Sektenartiges an. «Auf keinen Fall darf die Schule den Schülern irgendeine Form von Religion aufzwingen.» Reto Zbinden schlägt deshalb vor: «Das Fach könnte auch unter einem neutralen Namen wie ‹Selbstmanagement› angeboten werden.»

Claudia Stauffer, Studiengangsleiterin am Institut für Lerntherapie, arbeitet vermehrt mit Schülern, die unter Konzentrationsschwierigkeiten leiden. «Vor allem die Möglichkeiten moderner Medien und sozialer Netzwerke lenken vom Lernen ab.» Dennoch erteilt sie dem Schul-Yoga eine Absage: «Es ist nicht für jeden Schüler die richtige Entspannungsmethode.» In der Freizeit mit Lust und Spass Sport zu treiben, fördere sowohl Persönlichkeits- als auch Lernkompetenzen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oberyogi am 19.08.2016 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Yoga freiwillig und in der Freizeit

    Beten hilft auch vielen Menschen in schwierigen Situationen. Soll jetzt also auch beten als obligatorisches Fach eingeführt werden? Yoga hat in der Schule als obligatorisches Fach nichts verloren.

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  • Eidgenossin am 19.08.2016 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stress...Harmos sei dank!

    Yoga während der Schulzeit, noch weniger Zeit für den eigentlichen Schulstoff, noch mehr Stress für die Schüler! Noch mehr Kuschel Pädagogik! Die Lehrer sind heute mehr mit der optimalen Sitzordnung, im Kreis sitzen und Konflikte lösen beschäftigt. Frontalunterricht und klare Regeln! Es wäre so einfach! Wer wollte Harmos?

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  • CookingSamurai am 19.08.2016 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee aber...

    Etwas Abwechslung für die Kinder, finde ich ein tolle Idde, mit mehr Bewegung statt immer nur zu lernen, aber zumindest als junger Bub hätte ich in der Schule wahrscheinlich lieber andere Sport arten als Yoga gewünscht, wenn ich wieder Unterrichr hätte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Monika am 20.08.2016 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ersatzreligion ohne Verpflichtungen

    Yoga wie die ganze Esoterikwelt ist eine Ersatzreligion weil man sich vom verpflichtenden jüdisch-christlichen Glauben verabschiedet und fremden "Götter" zugewandt hat. Der Ersatz ist aber nie so gut wie das Original und die Yoga-Ersatzreligion kann einem nicht nachhaltig helfen, weil man immer auf sich selber zurückgeworfen wird.

  • Meditierender am 20.08.2016 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltiges Meditieren tut gut

    Hier wäre die Alternative zu Yoga welche der CH den Wohlstand und Frieden gebracht hat: "1 Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg Sünder noch sitzt, da die Spötter sitzen,2 sondern hat Lust zum Gesetz des HERRN und über Sein Gesetz Tag und Nacht meditiert. 3 Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht; und was er macht, das gerät wohl."

  • Anonym am 20.08.2016 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig unnötig

    Ganz sicher zahlen wir Jael & Co jetzt nicht auch noch Yogastunden. Sie sind verzogen, frech und immer im Mittelpunkt. In der Schule heisst es Lernen und sich unterordnen und sicher nicht Yoga. Das verdienen Erwachsene.

    • Anonym am 20.08.2016 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Und wo bitte hat

      denn Jael (schlimmer Name übrigens) Stress? Dadurch, dass es in den ersten Schuljahren nicht mal mehr Noten gibt? Oder damit, im Mittelpunkt zu stehen? Schlimm.

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  • Martial Kohler am 20.08.2016 00:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yoga, hat nur Positives...

    Yoga ist ein Bestandteil der Mensch, das hilft in jeder Hinsicht, psychisch, geistig und physisch. Eine sehr alte indische Methode, die aber sehr behilflich sein kann. Besser als Medikamente und Psychiater. Sollte aber nicht als Schulfach verpflichtet werden, sondern fakultativ, wie eine Fremdsprache !

    • Pascal am 20.08.2016 13:15 Report Diesen Beitrag melden

      Warum der Vorzug von fremden Religionen

      Wenn fakultativ, dann muss dies aber durch die Teilnehmenden selber bezahlt werden. Ausserdem muss man dann allen Religionen die Möglichkeit geben ihre Form von Religion/Meditation an der Schule einbringen zu dürfen.

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  • Patrick am 19.08.2016 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu nachhaltigen Werten

    Die Zeit scheint mir gekommen, dass wir den pathologischen Wahn gegen christliche Werte ablegen, denn wer nicht mehr glaubt, glaubt alles und ist anfällig für jeden Irrglauben. Yoga hat in unserem Land nichts verloren und schon gar nicht in der Schule.