04. April 2005 17:49; Akt: 04.04.2005 17:54 Print

Zahl der Ärzte wächst

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz ist in den letzten zwei Jahren statistisch stark gestiegen, trotz Praxis-Zulassungsstopp.

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Zum Ärztemangel in gewissen Regionen lassen die Zahlen der Ärzteverbindung FMH nur beschränkte Aussagen zu.

Der Zuwachs um rund 7 Prozent auf 27 742 Ärzte seit 2002 sei nicht auf eine effektive Zunahme, sondern auf verbesserte Erhebungsmethoden zurückzuführen, schreibt die Schweizerische Ärzteverbindung FMH zur Montag veröffentlichte Ärztestatistik 2004.

Der Frauenanteil unter den Ärzten liegt bei 32,2 Prozent. 54,8 Prozent der Schweizer Ärzte arbeiten in einer Praxis (&5,49 Prozent), die übrigen in Spitälern und anderen Orten.

Für 491 Einwohner ein Arzt

Im nationalen Mittel gibt es in der Schweiz auf 491 Einwohner einen in einer Praxis tätigen Arzt (2003: ein Arzt auf 498 Einwohner). In Städten ist die Ärztedichte höher als auf dem Land: In Basel-Stadt ist ein Praxis-Arzt im Durchschnitt für 266 Menschen da, in Zürich für 431 und in Genf für 303.

In Obwalden, Nidwalden oder Appenzell Innerrhoden ist ein Arzt dagegen für über 800 Einwohner zuständig. Wenig mehr Einwohner pro Praxis-Arzt als im Vorjahr gab es laut Statistik in den vorwiegend ländlichen und kleinen Kantonen Uri, Nidwalden, Schaffhausen, Appenzell-Innerrhoden, Thurgau, Tessin, Wallis und Jura.

Im prozentualen Vergleich ist die Zahl der in Praxen tätigen Ärzte in den meisten Kantonen stärker gewachsen als die Bevölkerung. Weniger Praxis-Ärzte als im Vorjahr hatten 2004 nur Appenzell-Innerrhoden (-5,3 %) und Schaffhausen (-0,7 %), was in absoluten Zahlen je einen Arzt weniger bedeutet.

In Uri, Nidwalden und Jura veränderte sich die Zahl der in Praxen tätigen Ärzte bei leicht höherer Einwohnerzahl nicht. Im Thurgau im Tessin und im Wallis wuchs die Zahl der Praxis-Ärzte weniger stark als die Bevölkerung.

Mehrere Gründe für Ärztemangel auf dem Land

Obwohl die Zahl der Ärzte insgesamt steige, gebe es vor allem auf dem Land in gewissen Fachgebieten zu wenig Mediziner, sagte Reto Steiner, Sprecher der FMH. Als Beispiele nannte er Allgemeinärzte, Internisten und Psychiater.

Dafür gebe es mehrere Gründe: Die Statistik unterscheide nicht zwischen Voll- und Teilzeitmedizinern, und der allgemeine Trend zur Teilzeitarbeit erfasse auch die Ärzte. Die Diskussion über die Aufhebung des Vertragszwangs mache junge Ärzte unsicher: Viele fragten sich, ob sich die Investition in eine Praxis lohnt.

Tiefere Taxpunktwerte

Sei ein Arzt allein für ein Berggebiet zuständig, könne er zwar vermutlich weiterin auf die Kassen zählen, müsse dafür aber an sieben Tagen rund um die Uhr präsent sein. Auch könnten die im Vergleich zu den Städten oft tieferen Taxpunktwerte junge Ärzte davon abhalten, in Randregionen zu praktizieren, vermutete Steiner.

Gingen Landärzte in Pension, hätten sie oft Mühe, ihre Praxen einem jüngeren Kollegen zu übergeben, sagte FMH-Präsident Jacques de Haller. Dass die Übergabe der Praxiseinrichtung für viele die Altersvorsorge bedeute, mache die Situation noch schwieriger.

Untersuchen will die FMH nun auch die Seite der Patienten. Eine Studie soll laut de Haller zeigen, wie weit der Weg zum Arzt höchstens sein darf.


(sda)