Säumige Versicherte

05. April 2019 13:20; Akt: 05.04.2019 13:20 Print

Krankenkassen betreiben immer mehr Haushalte

von B. Zanni - 200'000 Betreibungen reichten Krankenversicherer im Kanton Zürich 2018 ein. Ein Experte kritisiert das Prämienverbilligungssystem.

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Eine wachsende Anzahl von Haushalten hat auf dem Konto nichts mehr übrig für die Krankenkassenprämie. Fast 200'000 Betreibungen reichten die Krankenversicherer im Jahr 2018 ein, wie aus dem aktuellen Jahresbericht der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich SVA hervorgeht. Das sind satte 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Betreibungen durch Krankenversicherer hat sich laut dem Bericht innert weniger Jahre verdoppelt.

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Die im Jahr 2017 ausgestellten Verlustscheine für Versicherte mit Wohnsitz im Kanton Zürich belaufen sich auf rund 36'000, was einem Plus von 9,4 Prozent entspricht und die Rechnung mit rund 48 Millionen Franken belastet. Der Blick auf die der SVA Zürich im Jahr 2018 zugestellten Betreibungsanzeigen für KVG-Leistungen verheisse in Bezug auf die Jahresrechnung 2019 nichts Gutes, schreibt die SVA.

Individuelle Verbilligung gefordert

«Die steigende Anzahl der Verlustscheine zeigt, dass das Prämienverbilligungssystem in den Kantonen schlecht funktioniert», sagt Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte bei Comparis. Zahlreiche Personen hätten eine Prämienverbilligung bekommen sollen. Um das Problem zu entschärfen, müssten die Prämienverbilligungen statt dem steuerbaren Einkommen der individuellen finanziellen Situation der Bürger angepasst werden, fordert er.

Die steigenden Prämien bringen Haushalte schweizweit an den Anschlag. In den letzten Jahren frassen Krankenkassenprämien einen immer höheren Anteil des Einkommens von Wenigverdienern auf – trotz Prämienverbilligungen. 2017 betrug der Schnitt aller Kantone 14 Prozent des Einkommens. 2014 hatte dieser Anteil noch bei 11 Prozent gelegen.

Kampf gegen Prämienexplosion

Politisch sind verschiedene Bestrebungen im Gang, um die Prämienexplosion zu bekämpfen. Im Februar 2019 lancierte die SP die Prämien-Entlastungsinitiative. So soll künftig niemand in der Schweiz mehr als 10 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Krankenkassenprämien bezahlen müssen.

Auch die CVP wurde aktiv und startete 2018 die Kostenbremse-Initiative. Diese verlangt, dass Bundesrat, Bundesversammlung und Kantone eingreifen müssen, sobald die Gesundheitskosten im Vergleich zur Lohnentwicklung zu stark steigen. Im März 2019 nahm das Parlament zudem einen Vorstoss an, der die pauschalen Abzüge für Krankenkassenprämien bei der direkten Bundessteuer erhöhen will.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • payassli am 05.04.2019 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz quo vadis

    Es ist brutal bei tiefen Löhnen und hohen Mieten noch horrende KK Prämien zu zahlen.

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  • Al Lesklar am 05.04.2019 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prämien für deren Prämien

    schaut doch mal, wieviele Millionen in der Administration verschwinden. Die Abschlussprämien sind jenseits von gut und böse. deren Löhne steigen jährlich - ist ja klar, sie können auch jedes Jahr einfach mehr von den Versicherten verlangen für die gleiche oder weniger Leistung. Einheitskasse wäre sicher eine Lösung, aber auch nicht ideal.

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  • Martin Brändle am 05.04.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übel bei der Wurzel packen

    Logisch steigen die Prämien Jahr für Jahr, wenn gewisse Leute wegen jedem Wehwechen zum Doktor oder - noch schlimmer - in den Notfall rennen. Dort müsste man ansetzen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco C. am 06.04.2019 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Lösung

    Weg mit den Prämienverbilligungen und eine prozentuale Deckelung! Ist ja bei der AHV und den Steuern auch so! Und über eine Einheitskasse gesteuert. Stellt euch vor, bei de AHV gäbe es mehr als eine Kasse, wie absurd wäre das?!

  • Diego am 06.04.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer jammern aber

    dann gegen eine Einheitskasse stimmen - wie über 50 Prozent der Bevölkerung.

  • eden65 am 06.04.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statt Vorstandsgehälter grenzenlos zu erhöhen...

    Wie wäre es mal, wenn man Versicherten, die nicht krank werden, einen guten Teil zurückzuerstatten?!

  • W.Höfi am 06.04.2019 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betreibung?

    Es kommt noch schlimmer,wenn die Prämien weiter steigen.Denn als AHV Rentner bekommen wir nie den Teuerung Ausgleich in der höhe des Prämien Anstieg.

    • Sink Sink. am 06.04.2019 07:40 Report Diesen Beitrag melden

      W.Höfi

      auch als arbeitnehmer bekommen die wenigsten den teuerungsausgleich. ich verdiene heute weniger als vor 20 jahren. traurige tatsache, von wegen reiche schweiz. leider sind wir schweizer, moralisch verwahrlost und dekadent, auf dem sinkenden schiff. es wird der knall kommen und die schweiz wird wieder das armenhaus europas sein. bald.

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  • Kleinverdiener am 06.04.2019 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Über die Verhältnisse Leben

    Fang an zu sparen. Nicht immer über die verhältnisse leben.Den Kleinverdiener direkt KK zahlen. Dann können sie es nicht für anders brauchen.