Migration

24. April 2011 10:22; Akt: 24.04.2011 10:22 Print

Zahlreiche Asylbewerber «verschwinden»

Was mit abgewiesenen Asylbewerbern passiert, weiss niemand so genau. Von 40 Prozent der Asylsuchenden ist knapp zehn Jahre nach ihrem Antrag nichts über den Aufenthaltsort bekannt.

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40 Prozent der Asylsuchenden verschwinden später spurlos: Ein senegalesischer Asylbewerber Anfang Februar in einer Zivilschutzanlage in Lausanne. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

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Wer in der Schweiz kein Asyl erhält, reist nicht unbedingt in sein Heimatland zurück. 40 Prozent der Asylbewerber «verschwinden», wie ein Bericht des Bundesamts für Migration (BFM) zeigt. Von den 24 000 Personen, die 2002 erstmals in der Schweiz um Asyl nachgesucht haben, halten sich inzwischen rund 30 Prozent legal in der Schweiz auf, sei es als vorläufig aufgenommene oder als anerkannte Flüchtlinge. Von weiteren rund 30 Prozent wissen die Behörden, dass sie nach Ablehnung des Gesuchs die Schweiz verlassen haben. Von den restlichen 40 Prozent, rund 9000 Personen, ist nicht bekannt, wo sie sich aufhalten. Sie gelten laut BFM-Bericht als «verschwunden», wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.

Den Bericht hat das Amt im Auftrag der Staatspolitischen Kommission des Ständerats zum Thema Beschleunigung des Asylverfahrens verfasst. Er zeigt aber auch die grosse Zahl von untergetauchten Asylsuchenden. Von den 9000 Personen, die 2007 erstmals Asyl beantragt hatten, sind laut «NZZ am Sonntag» nur 17 Prozent verschwunden. Grund dafür ist allerdings, dass auch rund vier Jahre nach Eingang des Gesuchs viele Verfahren noch hängig sind.

Zahlreiche Flüge annulliert

Oft verschwinden abgewiesene Asylbewerber kurz vor der geplanten Rückführung. So mussten 2010 fast die Hälfte der gebuchten Flüge für Rückführungen in andere Dublin-Staaten annulliert werden. Etwas besser sind die Zahlen bei den Sonderflügen für Zwangsausschaffungen: Dort wurden laut Bericht rund ein Drittel der Flüge annulliert, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Vermutlich befinden sich dort mehr Personen bereits in Ausschaffungshaft. Denn laut den Verfassern des Berichts verhindert die beschränkte Anzahl Plätze in Ausschaffungsgefängnissen, vor allem in der Westschweiz, eine konsequentere Rückschaffung.

Wohin die Asylsuchenden verschwinden, ist unklar. Sie verlassen die Schweiz oder tauchen im Inland unter, wo sie möglicherweise als sogenannte Sans-Papier leben. 2004 ging das Bundesamt für Migration von rund 90 000 solchen Papierlosen aus, wovon ein Teil abgetauchte Asylsuchende seien. Deutlich höher liegen die Schätzungen der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen. Sie ging 2002 von 70 000 bis 300 000 Sans-Papier in der Schweiz aus.

(mdr)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Priska Sch. am 24.04.2011 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Dumm, dümmer, Schweiz

    "Wir alle wissen, wie dumm die Schweiz ist" sagte mir kürzlich eine ex-jugoslawische Kundin, angesprochen auf die Asylpolitik in der Schweiz. Als ich letztes Jahr Dubai besuchte und mich ein pakistanischer Taxifahrer auf meine Herkunft ansprach meinte er: "Die Schweiz sei auch nicht mehr das, was sie einmal war." Er hätte kürzlich in einer TV-Reportage gesehen, wie die CH ihr eigenes Land preis gebe und mit der Asylpolitik sehr lasch umgehe. Statt echten Flüchtlingen zu helfen, hätte es viel mehr Ausländer, die vom verfehlten schweizerischen System und Sozialwesen profitieren wollten!

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  • Hans am 24.04.2011 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    ILEGALE WIRTSCHAFTS-FLÜCHTLINGE

    muss man sofort wieder zurückweisen. Asylanten sollten bei der vorgeschriebenen Aufenthalts-Bewilligungen in Asylcentren untergebracht werden, und sollten sich nicht frei Bewegen dürfen. Unkontrollierte Einwanderer sollten sofort zurückschickt werden.

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  • Rolf Gerhard am 24.04.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Zielland mit Sozialhilfe

    Es kommen doch ohnehin nur Wirtschaftsflüchtlinge. Die Asylanten reisen um die halbe Welt um in die Schweiz zu kommen, mindestens durch fünf, sechs andere Länder. Dass sie in keinem dieser Länder, die sie durchqueren, sicher gewesen wären, ist schwer zu glauben. Die Italiener sind cleverer als die Schweizer und geben ihnen kein Geld. Deshalb wollen die meisten Flüchtlinge auch schnell weiter in eine Land, wo sie Geld vom Staat kriegen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • wesi am 18.11.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwinden

    "Verschwunden".Das tönt wie vom Erdboden verschluckt!kann mir nicht vorstellen,dass es hier zugeht, wie in Südamerika,wo Leute verschwinden und keiner weiss,wo sie stecken!

  • Julian F. am 29.04.2011 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die "bösen" Ausländer

    Wenn ich hier gewisse Kommentare lese, könnte ich mich glatt übergeben. Was sollen die SVP-Parolen hier? Habt ihr nie gelernt, slbstständig zu denken. Hey, ohne Ausländer würde in der Schweiz verdammt wenig laufen (Baubranche, Putzinstitute, Gesundheitswesen etc.). Aber nein, in den Augen der Herrschaften hier sind alle Ausländer Kriminelle und Sozialbetrüger. Aber wenn die Nati wieder ein Spiel hat, dann jubelt ihr all den Inlers, Derdiyoks und Fernandes dieser Welt zu. BRAVO! Dieses Verhalten lässt mich manchmal dafür schämen, dass ich ein Schweizer bin.

  • M. Zähringer am 28.04.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schon klar...

    Es ist ein Fehler einfach jeden Wirtschaftsflüchtling aufzunehmen. Ist doch klar, dass keiner mehr in sein Heimatland zurück will, wenn er sieht wie es bei uns ist. Ist auch nachvollziehbar. Wir können nicht der ganzen Welt helfen, das ist einfach nicht möglich und für diejenigen, welche nicht kommen können (weil sie nichtmal die Mittel für die Reise aufbringen), ist es auch unfair gegenüber denjenigen die wir dann aufnehmen. Man kann es nicht der ganzen Welt recht machen, das geht einfach nicht, auch wenn die Linken von einer ausgeglichenen Welt träumen, ich auch, aber ich bin Realist.

  • Erwin am 27.04.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was mich am meisten aufregt...

    Was mich aufregt ist, dass man sich um Ausländerprobleme in jeder Hinsicht kümmert und sie unterhält, während man arbeitslosen Schweizern die Sozialleistungen immer mehr kürzt. Mir ist auch klar, dass daran nicht zuletzt die SVP mitschuldig ist. Es ist asozial gegenüber den Schweizer Einheimischen. Man holt Ausländer ins Land und diese besetzen Stellen, welche Schweizer besetzen könnten, dann erklärt man den arbeitslosen Schweizern wir müssen sparen, für die Wiedereingliederung (z.B. bezahlte Weiterbildung) ist kein Geld da, für Asylanten immer!

    • Monique am 27.04.2011 18:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Erwin: Wie wahr!

      Ich schliesse mich voll und ganz ihrer Meinung an. Vor allem mit Ihrem letzten Satz haben Sie es auf den Punkt gebracht.

    • H. Haldimann am 28.04.2011 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Das traurige ist, dass ich mich als arbeitsloser Schweizer am meisten durch die PNOS vertreten fühle, die SVP kümmert sich leider nur um gut Betuchte und nicht um junge arbeitslose Schweizer. Es gibt aber sehr viele Punkte in ihrem Parteiprogramm, welche ich nicht vertreten kann.

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  • Papierlischweizer am 27.04.2011 11:27 Report Diesen Beitrag melden

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    Unser aller Volkschansonnier Mani Matter hats einmal lyrisch perfekt ausgedrückt. Dene wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit. Dem ist auch heute noch nichts anzufügen.