Verklebtes Gefieder

09. April 2019 20:33; Akt: 09.04.2019 20:33 Print

Zahlreiche Vögel fallen Mörderpaste zum Opfer

von B. Zanni - Vögel flattern sich zu Tode oder enden schwer verletzt in Pflegestationen. Grund dafür ist eine gefährlich klebrige Paste.

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Die Paste ist durchsichtig und klebrig wie Kaugummi. Hausbesitzer schmieren sie auf Simse, Dach- und Mauervorsprünge, Firste, Regenrinnen oder Kamine. Landen Vögel einmal darauf, sind ihre Tage meist gezählt. Die sogenannte Mörderpaste versetzt Schweizer Vogelschützer zurzeit in Aufruhr. «Jede Saison finden Passanten Vögel mit völlig verklebten Federn. Jene, die Glück hatten, sind schwer verletzt dem Tod entkommen», sagt Silvia Volpi von der Mauer- und Alpenseglerstation in Rümlang ZH. Betroffen seien Tauben, Sperlinge, Rotschwänze, Meisen, Mauersegler, Alpensegler und sogar Greifvögel.

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Sollen Pasten, die Vögel vergrämen, verboten werden?

Laut Volpi greifen immer mehr Menschen zur Taubenpaste, um ihre Gebäude vor Tauben und anderen Vögeln zu schützen. «Die Paste bleibt im Gefieder der Vögel kleben. Weil sie dadurch nicht mehr fliegen können, flattern sie sich zu Tode.» Manche Tiere könnten noch fliegen, blieben durch die klebrige Substanz aber oft hängen, verletzten sich oder fielen in die Tiefe.

Die Vögel sind laut Volpi traumatisiert und in einem grauenvollen Zustand. «Vielfach haben sie verblutete Kiele. Ihr Gefieder können wir nur mit Schiften noch retten.» Schiften wird eine Methode genannt, bei der neue Federn von toten Tieren eingesetzt werden.

In Online-Shops als harmlos angepriesen

Auch der Vogelschutzorganisation BirdLife sind die Folgen der Paste bekannt. «Pflegestationen behandeln vermehrt Vögel, die Opfer von Taubenpasten geworden sind», sagt Christa Glauser, stellvertretende Geschäftsführerin. Viele Tiere würden deswegen elend sterben. «Wahrscheinlich haben die meisten Leute keine Ahnung, was sie mit der Paste anrichten.»

In deutschen und österreichischen Online-Shops stehen diverse Pasten und Gels zur Abwehr von Vögeln im Angebot. Angepriesen werden sie als harmlos und tierfreundlich. Auch die Hersteller der umstrittenen Taubenklebepaste Nopaloma beschreiben das Produkt als «völlig unschädlich für Mensch, Tier und Umwelt». Nach Protesten von Tierschützern hat das Bundesland Berlin das Mittel jedoch verboten.

Verbot gefordert

Die Schweizer Tierschützer fordern ein Verbot des Mittels. «Diese Pasten müssen aus dem Verkauf gezogen werden. Und wer solche Produkte hat, soll diese sofort entsorgen», fordert Silvia Volpi. Auch Christa Glauser sagt: «Diese Produkte führen dazu, dass sich die jetzt schon dramatische Abnahme des Vogelbestands weiter verschärft.» (siehe Box) Auf Anfrage von 20 Minuten wollen die Anbieter keine Stellung nehmen.

Der Schweizer Tierschutz STS warnt in einem Merkblatt vor den Pasten. «Diese Mittel dürfen nicht verwendet werden, da sie gegen das Tierschutzgesetz verstossen!» Die Pasten könnten im Gefieder hängen bleiben und bei der Körperpflege geschluckt werden, worauf sie ihre Giftwirkung im Vogel entfalten. Laut dem STS verstossen die Pasten gegen das Tierschutzgesetz, weil sie Tieren «Schmerzen, Leiden oder Schäden» zufügen.

«Methode ist inakzeptabel»

Die Eidgenössische Zollverwaltung ergreift in Bezug auf die Einfuhr von Taubenpaste keine Massnahmen, da vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV diesbezüglich kein Kontrollauftrag besteht. BLV-Sprecherin Eva van Beek sagt mit Verweis auf das Tierschutzgesetz: «Die Methode ist inakzeptabel, da der Klebstoff tatsächlich bei Tauben kleben bleibt und auch andere Tiere in ihrer Fortbewegung beeinträchtigt.»

Es sei möglich, dass nicht legale Produkte zur Taubenabwehr eingesetzt würden, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit BAG. «Bund und Kantone kontrollieren mit Stichproben die Produkte auf dem Chemikalienmarkt, können aber nicht garantieren, dass nur zulässige chemische Produkte eingesetzt werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bärgbur am 09.04.2019 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich verzeige jeden .....

    wer solches tut, kann ohne weiteres als Tierquäler verzeigt werden und muss mit harter Strafe rechnen !

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  • vogel am 09.04.2019 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wieso gibt es sowas überhaupt im Handel? Das sollte sofort verboten werden!!! Ich kann solche Tierquälereien sowieso nicht verstehen. Einfach traurig

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  • Juerg Demarmels am 09.04.2019 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Ende?

    Immer wieder finden wir neue Formen um die Voegel und uebrige Fauna zu schaedigen. Unglaublich wie zerstoererisch der Mensch ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jeanette Nisple am 19.04.2019 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Mörderpaste

    Sofort verbieten dieses zeug es ist schon sehr Traurig wie mit Tieren umgegangen wird. Was erlaubt sich der Mensch alles auf dieser Welt, alles muss Sterben und Ausgerottet werden Natur und Tiere. Es ist eine Schande

  • Naturfan am 16.04.2019 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit der Natur

    Ich habe ein Haus mit Garten. Aber im Gegensatz zum fantasielosen, klinisch toten Garten gegenüber (Rasen/Kirschlorbeer) soll meiner eine Wohlfühloase für Tiere sein. Ich habe Bienenhotels, Büsche und lasse Wildblumen und Gräser wachsen. In heissen Sommern gibt's Wasser für die Igel. Da es in unserem Dorf leider keine Honigbienen mehr hat, bin ich meinen Hotelgästen dankbar, dass sie meine Obstbäume bestäuben. Gespritzt wird bei mir gar nichts. Es gibt nichts Bereicherndes und Schöneres als ein Miteinander mit der Natur.

  • Chris am 12.04.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Was gibt es eigentlich noch, was wir Menschen nicht kaputt machen?

  • Sandra am 12.04.2019 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot

    Unglaublich. Das sollte verboten werden

  • Herbert Kessler am 12.04.2019 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierquaeler

    Der Mensch soll das Intelligenteste Wesen, sein? Die groesste Bestie ist es!