Wucherpreise bei Zeitschriften

02. März 2018 05:44; Akt: 02.03.2018 05:44 Print

So zocken deutsche Verlage die Schweizer ab

Die gleiche Zeitschrift kostet am hiesigen Kiosk deutlich mehr als im Ausland. Die Politik nimmt nun einen erneuten Anlauf, dem ein Ende zu setzen.

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In Deutschland kostet das beliebte «Lustige Taschenbuch» 9,50 Euro. Das sind bei einem Kurs von 1.15 umgerechnet 11 Franken. In der Schweiz hingegen verlangt der Verlag Egmont Ehapa 17.90 Franken. Die beliebten Taschenbücher des Verlags sind in der Schweiz allgemein viel teurer. Die Ausgabe «Ultimate Phantomias» kostet in Deutschland 9,95 Euro (umgerechnet 11.50 Franken). In der Schweiz bezahlt man dafür 18.90 Franken. Das ist ein Preisaufschlag von über 60 Prozent. Für die normale Ausgabe des «Lustigen Taschenbuchs» bezahlt man in der Schweiz 66 Prozent mehr (12.50 Franken statt umgerechnet 7.50 Franken in Deutschland), für das «Micky Maus Taschenbuch» sogar 75 Prozent mehr (10 Franken statt umgerechnet 5.75 Franken in Deutschland). : 57 Prozent teurer In Deutschland wird das Fitnessheft für umgerechnet 2.80 Franken verkauft, in der Schweiz kostet es die Leser 4.40 Franken. 42 Prozent teurer Hierzulande bezahlt man für das Fitness-Magazin 8.20 Franken. In Deutschland kostet das gleiche Heft 5 Euro (5.75 Franken). : 74 Prozent Preisaufschlag. In Deutschland für 2 Euro erhältlich (2.30 Franken), bezahlt man in der Schweiz für das gleiche Heft 4 Franken. In Deutschland zahlt man für das Modeheft 11 Franken. In Deutschland ist es für 7 Euro erhältlich, was umgerechnet rund 8 Franken entspricht. 72 Prozent teurer In der Schweiz für 4.30 Franken erhältlich, in Deutschland für 2,20 Euro (2.50 Franken). Am Schweizer Kiosk kostet das Geschichtsheft 21.50 Franken. In Deutschland wird es für 13,50 Euro verkauft, was umgerechnet 15.50 Franken sind. Das Musikmagazin gibts in Deutschland für umgerechnet 9.80 Franken. In der Schweiz werden 14.50 Franken fällig. Harpers Bazaar: 44 Prozent teurer Das Modemagazin aus dem Burda-Verlag kostet 6 Euro, was umgerechnet 6.90 Franken entspricht. In der Schweiz verlangt der Verlag dafür jedoch eine 10er-Note. AutoBild: 50 Prozent teurer Die Spezialausgabe der «AutoBild» kostet 4,50 Euro (5.20 Franken), hierzulande sind es 7.80 Franken. Wohnmagazin Landhaus: 82 Prozent teurer Die neuste Ausgabe des «Landhaus» wird in Deutschland für 5 Euro (5.75 Franken) vermarktet. Der Schweizer Preis: 10.50 Franken. Das Heft für Erwachsene kostet in Deutschland 4,99 Euro (5.75 Franken), während es in der Schweiz mit 8.30 Franken zu Buche schlägt.

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Der Schweiz-Zuschlag bei Zeitschriften ist happig: Das aktuelle «Lustige Taschenbuch Spezial» «Vergessene Welten» kostet in der Schweiz 60 Prozent mehr als in Deutschland. Und das Musikmagazin «Rolling Stone» ist am Schweizer Kiosk fast 70 Prozent teurer als auf der anderen Seite der Grenze (weitere Beispiele in der Bildstrecke).

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Nun nimmt die Wirtschaftskommission des Nationalrats einen neuen Anlauf im Kampf gegen die überteuerten Zeitschriften. Am Montag berät der Nationalrat darüber, ob Bundesrat, Weko und Preisüberwacher beauftragt werden sollen, «eine möglichst effiziente Lösung für die unangemessen hohen Differenzen zwischen in- und ausländischen Zeitschriftenpreisen zu finden».

«Überrissenen Preisen ein Ende setzen»

Eine Unterstützerin der Motion ist SP-Nationalrätin und Konsumentenschützerin Prisca Birrer-Heimo: «Die Weko beziehungsweise der Preisüberwacher muss die nötigen Instrumente erhalten, um den überrissenen Preisen ein Ende zu setzen.» Denkbar sei, nochmals die Preisvorgaben der ausländischen Verlage ins Visier zu nehmen, sagt Birrer-Heimo. Demnach könnte die Preisbindung bei Zeitschriften aufgehoben werden, wenn missbräuchlich hohe Preise vorlägen.

Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans begrüsst es, dass die Mehrheit der Kommission Massnahmen fordert. «Die überzogenen Preise sind ein Problem für die Schweizer Konsumenten», sagt er. Zwar fielen in der Schweiz höhere Vertriebskosten an. «Aber ein Aufschlag von 70 Prozent ist nicht nachvollziehbar.» Es sei jetzt wichtig, den Druck aufrechtzuerhalten, sonst passiere nichts. Als mögliche Lösung sieht er ein Spezialgesetz zu Zeitschriftenpreisen oder Anpassungen im Kartellgesetz, damit die Vertreiber wie die Kioske Zeitschriften zu tieferen Preisen verkaufen können. «Damit gäbe es auch eine Debatte über die Margen und die Frage, welcher Player in der Kette was abschöpft.»

Verlage bestimmen die Verkaufspreise

Doch wie kommen die Preisdifferenzen überhaupt zustande? Die Endverkaufspreise geben die Verlage vor. Die Schweizer Kioske kaufen die Zeitschriften in Kommission ein und verkaufen sie im Auftrag für die Verlage. Angaben über die Margenverteilung gibt es nicht. Die Kioskbetreiberin Valora betont, keinen Einfluss auf die Preise zu haben: «Die Preisgestaltung ist Sache der Verlage», so ein Sprecher.

20 Minuten hat deshalb vier grosse deutsche Verlage angeschrieben und nachgefragt, warum sie Verkaufspreise in der Schweiz deutlich höher ansetzen. Bis gestern Abend hatte keiner reagiert. In der Vergangenheit rechtfertigten sie die höheren Preise für die Schweiz jeweils mit dem Aufwand für den Export sowie den höheren Vertriebskosten.

«Problem löst sich mit der Digitalisierung von selbst»

Gegen neue Massnahmen der Weko und des Preisüberwachers spricht sich SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi aus: «Es ist nicht die Aufgabe des Staates, in den Markt einzugreifen und festzulegen, wann eine Zeitschrift als überteuert gilt.» Natürlich wollten ausländische Firmen die hohe Schweizer Kaufkraft abschöpfen, sagt Aeschi. Doch das Problem löse sich mit der Digitalisierung von selbst: «Die Kunden sind intelligent genug, um die hohen Preise zu umgehen und sich das Produkt entweder günstiger digital zu beschaffen oder in den Grenzregionen in ein Postfach liefern zu lassen.»


(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Piit am 02.03.2018 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uralte Geschichte

    Einfach nicht mehr kaufen, das ist der einzige funktionierende Weg

    einklappen einklappen
  • Chris48 am 02.03.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wucher

    Jeder selber schuld der diesen Mist kauft

  • Antonino am 02.03.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Due Politik entscheidet im Normalfall gegen die In

    Der SVP Intelligenzler Aeschi vertritt einmal mehr die Unternehmer und nicht das Volk. Und wer dumm ist ist sowieso selber schuld. Es ist bedrückend!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 02.03.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Dieses Thema ging schon vor Jahren durch die Presse. Damals hat sich nichts geändert, das wird es auch heute nicht. Wieso auch, die Zeitschriften werden ja trotzdem gekauft.

  • Beat Gurzeler, Winterthur am 02.03.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer ?

    Ganz einfach wenn zu teuer für mich , kaufe ich es nicht , Problem gelöst für mich.

  • Pietro am 02.03.2018 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten-Ausrede

    Meine Mutter kauft das deutsche Magazin "Brigitte" in Italien jeweils zum Europreis. Hier in der Schweiz kostet das Magazin viel mehr. Die höheren Vertriebskosten sind eine reine Ausrede.

  • Deprotiker nummer 1 am 02.03.2018 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will ja nicht petzen

    Aber auch Zeitschriften kann man im Ausland kaufen. Ist doch mir egal wo die Kohle hinwandert. In der Schweiz haben wir eh zuviel Geld und glücklich macht es bestimmt nicht.

  • Yara am 02.03.2018 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Nicht mehr kaufen, so simpel.