ETH Zürich

11. November 2019 15:54; Akt: 11.11.2019 20:04 Print

Zensiert Parmelin Forscher wegen Pestiziden?

Das Trinkwasser ist an vielen Orten mit Pestiziden belastet. Bundesrat Guy Parmelin soll Forschern untersagt haben, den Bundesrat zu kritisieren.

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Bundesrat Guy Parmelin habe Forscher der ETH angemahnt, vom Bundesrat getroffene Entscheide zu kritisieren. Das berichtet der «Blick». Auslöser der Diskussion sei ein Faktenblatt des Wasserforschungsinstituts Eawag der ETH gewesen. In diesem halten die Forscher fest, dass die Trinkwasserqualität in der Schweiz bedroht sei aufgrund des Pestizideinsatzes. Die Forscher schreiben: «Negative Effekte auf Fortpflanzung, Entwicklung und Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen müssen befürchtet werden.» Sie kommen zum Schluss: «Es besteht Handlungsbedarf». Das Thema Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ist politisch aktuell. Deshalb habe Parmelin die brisante Feststellung der Forscher als politische Einflussnahme gewertet und beim ETH-Rat interveniert. In einem Memo an die Mitarbeiter habe die Eawag-Direktorin mitgeteilt: «Bundesrat Parmelin brachte explizit seine Haltung zum Ausdruck, dass Angestellte der Eidgenossenschaft (inklusive Angestellte im ETH-Bereich) vom Bundesrat getroffene Entscheide nicht öffentlich kritisieren sollen.» Auslöser hierfür sei ein Gastkommentar in der NZZ von Bernhard Wehrli, Professor an der ETH und Eawag, gewesen. In diesem äusserte er Kritik an der bisherigen bundesrätlichen Pestizidstrategie. Bernhard Wehrli sagte auf Anfrage von 20 Minuten, dass er den Artikel in Absprache mit der ETH Zürich in Form eines persönlichen Meinungsbeitrags geschrieben habe. «Trotzdem, dass ich nur meine Meinung dargelegt habe, hat der Artikel offensichtlich irritiert.» Verschiedene ETH-Wissenschaftler und Politiker kritisieren das Vorgehen der Zeitung gegenüber als Zensur. Das Wirtschaftsdepartement, dem Parmelin vorsteht, dementiert: «Die Darstellung im Memo ist falsch» und er habe «nie ein Verbot ausgesprochen», lässt das Departement der Zeitung gegenüber verlauten.

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Bundesrat Guy Parmelin habe Forscher der ETH instruiert, vom Bundesrat getroffene Entscheide nicht zu kritisieren. Das berichtet der «Blick». Auslöser der Diskussion sei ein Faktenblatt des Wasserforschungsinstituts Eawag der ETH gewesen.

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In diesem halten die Forscher fest, dass die Trinkwasserqualität in der Schweiz bedroht sei aufgrund des Pestizideinsatzes. «Negative Effekte auf Fortpflanzung, Entwicklung und Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen müssen befürchtet werden.» Sie kommen zum Schluss: «Es besteht Handlungsbedarf.»

Politisch brisantes Thema

Das Thema Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ist politisch aktuell. So sind zwei Initiativen hängig, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark einschränken oder sogar ganz verbieten wollen. Deshalb habe Parmelin die brisante Feststellung der Forscher als politische Einflussnahme gewertet und beim ETH-Rat interveniert.

Offensichtlich ist es bei diesem Treffen aber nicht nur um dieses Thesenpapier gegangen. Denn eine Woche danach habe die Eawag-Direktorin Janet Hering ein Memo, das der Zeitung vorliege, an die Mitarbeiter der Forschungsinstituts verschickt, mit dem sie über die Forderung von Parmelin informierte. Darin steht: «Bundesrat Parmelin brachte explizit seine Haltung zum Ausdruck, dass Angestellte der Eidgenossenschaft (inklusive Angestellte im ETH-Bereich) vom Bundesrat getroffene Entscheide nicht öffentlich kritisieren sollen.»

Kritik am Vorgehen des Bundesrats

Auslöser hierfür sei ein Gastkommentar in der NZZ von Bernhard Wehrli, Professor an der ETH und Eawag, gewesen. In diesem äusserte er Kritik an der bisherigen bundesrätlichen Pestizidstrategie und schrieb, dass aus seiner Sicht Massnahmen notwendig seien, «welche die Risiken des Pestizideinsatzes so schnell wie möglich verringern».

Bernhard Wehrli sagt auf Anfrage von 20 Minuten, dass er den Artikel in Absprache mit der ETH Zürich in Form eines persönlichen Meinungsbeitrags geschrieben habe. «Obschon ich nur meine Meinung dargelegt habe, hat der Artikel offensichtlich irritiert.» Über den Inhalt des Faktenblatts zur Pestizidverwendung habe es bereits an der Präsentation vor dem Parlament, das dieses in Auftrag gegeben hat, unterschiedliche Ansichten und eine Debatte gegeben.

Zurzeit ist Wehrli trotz der Angelegenheit gelassen: «Wir haben als Bürger ein Recht auf Meinungsäusserung. Als Forscher können wir uns auch an politischen Diskussionen beteiligen, wenn wir als Person und nicht als Institution auftreten.» Diesbezüglich sei er auch von seinen Vorgesetzten unterstützt worden. Ihm persönlich sei von der Eawag nicht gesagt worden, dass er sich nicht mehr äussern dürfe. «Im Gegenteil: Solange es faktenbasiert ist, dürfe ich das weiter tun. Natürlich besteht aber immer die Frage, was Fakten sind und wo Meinungen anfangen.»

Der Bund weist Vorwurf zurück

Entgegen dem regulären Umgang mit wissenschaftlichen Dokumenten der Eawag, die diese normalerweise auf ihrer Website veröffentlicht, sei das Faktenblatt zum Pestizideinsatz bis am 10. November unter Verschluss gehalten worden, so der «Blick». Verschiedene ETH-Wissenschaftler und Politiker kritisieren das Vorgehen der Zeitung gegenüber als Zensur.

Das Wirtschaftsdepartement, dem Parmelin vorsteht, dementiert: «Die Darstellung im Memo ist falsch», teilt es mit. Parmelin habe «nie ein Verbot ausgesprochen», lässt das Departement der Zeitung gegenüber verlauten. Die Vorwürfe seien «aus der Luft gegriffen und völlig absurd». Es gehe nur darum, die Kommunikation zwischen dem Bund und der ETH zu verbessern.

Des Weiteren hat Parmelin am Nachmittag ein Video mit einer Stellungnahme getwittert. Darin betont er, dass er die unabhängige Forschung schätze: «Ich habe die wissenschaftliche Freiheit nie in Frage gestellt.»

Bei der Eawag wiederum heisst es, das Dokument sei nur ein «Hintergrundpapier für das Parlament». Die Direktorin Hering habe Parmelins Vorgehen laut «Blick» institutsintern aber kritisiert.

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fischer am 11.11.2019 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft an die Macht

    Wenn diese Meldung tatsächlich wahr ist, bin ich zutiefst enttäuscht und fordere ihn zum sofortigen Rücktritt auf!

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  • Doktor am 11.11.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen runter bitte

    Ist ja klar, die sogenannte Volkspartei vertritt die Interessen der grossen Chemiekonzerne. Vorne rum ist man immer fürs sogenannte Volk, wenns dann darauf ankommt, ist man Lobbyist. Ich nenne das Korruption und Volksverrat.

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  • tschern obyl am 11.11.2019 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    aha...

    ein schelm wer böses denkt... aber sind wir mal ehrlich!!! das würde doch super zu unseren Politikern passen, die lieber für die wirtschaft schauen als auf das Volk das sie gewählt hat!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • raul barvieri am 12.11.2019 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Parmelan "weg, da er zensuriert"

    Habe mich aufgrund der "Faktenlage" ein wenig kritisch zum Artikel geäussert. Wurde nicht akzeptiert.

  • querdenker am 12.11.2019 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    querdenker

    habe gemeint wir Leben in einer Demokratie der freien Meinungs Äusserung. Vermutlich habe ich in der Schule im Politischen Untericht nicht richtig zu gehöhrt!

  • Godslayer am 12.11.2019 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Parmelin

    ein weiterer Laufbursche der Wirtschaft.

  • E.H. am 12.11.2019 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Beide Initiativen unbedingt annehmen!

    Einfach nächstes Jahr zu den beiden Initiativen unbedingt "JA" stimmen. Das ist die einzige Antwort an einen Bundesrat der Mauklkörbe verteilt.

  • Torti am 12.11.2019 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gespreizter Weiser!

    Anstatt verseuchtes Quellwasser trinken die Westschweizer lieber einen "gespritzten Weissen"!

    • Pflaume am 12.11.2019 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Torti

      Nur hat der Weisse durch die Wurzeln und Blätter auch Pestizide eingesogen!

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