Neue Forderung

09. Juli 2015 22:54; Akt: 09.07.2015 22:54 Print

Zigaretten-Päckli sollen 16 Franken kosten

Laut verschiedenen Studien ist der Zigaretten-Preis eines der wirksamsten Mittel im Kampf gegen das Rauchen. Schweizer Mediziner fordern Massnahmen.

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Rauchen ist ungesund. Wird es bald doppelt so teuer? Der blaue Dunst gibt wieder zu reden. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Yannick Bailly)

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«Tabaksteuern sind eine Win-Win-Strategie für die Gesundheit», sagte Margaret Chan, die Generaldirektorin der Weltgesundheitsdirektorin WHO, am Dienstag in Manila. Die WHO hat eine grosse Studie vorgestellt. Resultat: Hohe Abgaben von bis zu 75 Prozent des Zigaretten-Verkaufspreises gehörten zu den wirksamten Massnahmen gegen das Rauchen – und sie würden von den meisten Ländern nicht ausreichend genutzt.

Umfrage
Preiserhöhungen auf Zigaretten-Päckchen: Eine gute Massnahme?
24 %
10 %
39 %
18 %
7 %
2 %
Insgesamt 31717 Teilnehmer

Thomas Cerny, Chefarzt am Kantonsspital St. Gallen, möchte, dass sich die Schweiz Australien zum Vorbild nimmt, berichtete der «Tages-Anzeiger». Dort sind die Zigaretten fast doppelt so teuer wie in der Schweiz – ein Päckcken kostet umgerechnet 16 Franken. In Australien wird deutlich weniger geraucht als in der Schweiz. «Nach wie vor ist die Prognose bei Lungenkrebs miserabel», so Cerny – deshalb sei der Preis der wichtigste Faktor, um Jugendliche vom Rauchen abzubringen.

Die «psychologische Grenze»

«Der Vergleich mit Australien hinkt insofern, als dort ein ganz anderer Umgang mit Zigaretten herrscht: Kein Sponsoring, keine Werbung, und die Zigaretten dürfen nicht offen sichtbar angeboten werden», sagt Thomas Beutler von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz zu 20 Minuten. Auch diese Massnahmen hätten viel gebracht. Andererseits habe die WHO recht, so Beutler: «Als Einzelmassnahme ist eine Preiserhöhung als einzige wirklich wirksam.» Auch eine Studie der WTO und der Weltbank habe gezeigt, «dass man mit einer 10-prozentigen Preiserhöhung in westlichen Ländern eine Senkung der Raucherrate von vier Prozentpunkten erreicht – in Schwellenländern gar bis zu acht Prozentpunkte», so Beutler.

Weil die Schweizer mit ihrem höheren Lohnniveau nicht so lange für ein Päckchen Zigaretten arbeiten müssen, seien die Auswirkungen nicht gleich gross. «Doch Kinder und Jugendliche reagieren empfindlicher auf hohe Preise.» Und: «Eine Preiserhöhung muss signifikant sein, sonst bringt sie nicht viel. 16 Franken ist vielleicht etwas übertrieben – aber 10 Franken wäre eine gute psychologische Grenze», sagt Beutler. Das habe man schon gemerkt, als die Päckli fünf Franken teuer wurden: «Damals haben viele deswegen aufgehört.»

Gesundheitliche Folgen sind klar

Die häufigste Krebsart in der Schweiz ist der Lungenkrebs – neun von zehn Erkrankten sind Raucher. 3200 Schweizerinnen und Schweizer starben 2013 an dieser Krebsform. «Wenn man die Auswirkungen des Rauchens sieht – insbesondere die hohe Wahrscheinlichkeit von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – dann ist eine Preiserhöhung gesundheitspolitisch richtig», sagt SP-Nationalrätin Bea Heim. «Dabei geht es nicht darum, jemandem das Vergnügen nicht zu gönnen. Aber man weiss, wer früh zu rauchen beginnt, wird nicht selten zum Kettenraucher mit den entsprechenden Risiken. Und man weiss auch, dass das Rauchen von Müttern negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben kann.» Darum begrüsse sie die Erhöhung der Tabakpreise zum Schutz der Kinder und der Gesundheit allgemein.

Doch längst nicht alle Politiker unterstützen Preiserhöhungen. Der Bundesrat möchte das Tabaksteuergesetz ändern – so, dass Preise bis 11 Franken pro Päckchen möglich wären. Bürgerliche wehren sich dagegen. SVP-Nationalrat Gregor Rutz sagte im «Blick» schon im Jahr 2013 zu einer Zigaretten-Preiserhöhung: «Diese prohibitorische Massnahme ist idiotisch. Der Staat hat nicht das Verhalten der Leute zu lenken.»

(gbr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zane am 09.07.2015 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hetze

    Solange im Denner das Bier billiger ist als WASSER, finde ich die Hetze gegen Raucher einfach nur noch pervers.. (Nichtraucher..)

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  • Marlboro Man am 09.07.2015 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder...

    Komisches Land, auf der einen Seite werden Tabakbauern subventioniert, die Tabaksteuer wird gerne vom Staat eingenommen und auf der anderen Seite werden Raucher überall diskriminiert und mit absoluten Mondpreisen bestraft... Wilkommen in der Schweiz 'kopfschüttel'

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  • Markus Witschi am 09.07.2015 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur 16.-- ??

    Da gewöhne ich mir das Rauchen sicher noch lange nicht ab!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • simine am 10.07.2015 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauchen & Krebs

    Mein Vater hatte Krebs, letztes Jahr, nie geraucht, nicht viel getrunken und auf die Ernährung geachtet (kochen alles selber, d.h kaum zusatzstoffe und alles frisch). Bei meinem Onkel das gleiche. Also nicht immer alles auf die "schädlichen Sachen" schieben. Und ja, ich rauche, weil es einfach gemütlich ist nach der Arbeit. Wenn es sein muss, dann ändert es auch nicht ob ich jetzt rauche oder nicht!

  • Herr von Nöten am 10.07.2015 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sowas aber auch

    Ach herrje, die armen Raucher werden zur Kasse gebeten. Mein allergrösstes Mitleid sei euch gewiss.

  • Mariane am 10.07.2015 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zigaretten

    Wir sind geboren um zu Leben lässt doch mal die Raucher in Ruhe oder wollt ihr alle gesund sterben,wenn die Preise nicht steigen würden gäbe es sicher auch weniger Einbrüche zum Zigaretten klauen.

  • mario am 10.07.2015 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ohhjee

    zuviel trinken oder zuviel fastfood ist auch ungesund und da steht nicht auf den Etiketten.... hier geht es nur um die zahlenlücken zu füllen. ich lach mich weg, alles wir teurer ect und mehr lohn bekommt man aber nicht... schön das es noch keine Luftsteuer gibt, denn diese ist ja noch um sonst...

  • reufu am 10.07.2015 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Warum nicht Kaviar, teure Zigarren und Champagner um 500% erhöhen? Nehmt doch den hart arbeitenden Leuten das letzte ' Freudeli' weg. Beizensterben reicht wohl nicht, da wo früher soziale Kontakte gepflegt wurden und sich jetzt imWinter sich die Raucher eine Lungenentzündung holen während die die Gaststube leer bleibt